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Mehr als nur hübsche Muster

Parastou Forouhar bespielt den Gang der Stadtgalerie mit arabischen Zeichen an Decken und Wänden. Fotos: Stadtgalerie
Parastou Forouhar bespielt den Gang der Stadtgalerie mit arabischen Zeichen an Decken und Wänden. Fotos: Stadtgalerie
Saarbrücken Von Merkur-Mitarbeiterin Sabine Graf

Saarbrücken. Die jüngst gefällte Entscheidung, die Stadtgalerie Saarbrücken wieder kommunal zu betreiben, erbrachte Denkwürdiges: Der heute freien und ehemals im Wilhelm Hack Museum in Ludwigshafen tätigen Kuratorin Lida von Mengden verdankt sich ein Abschluss, der vorführt, was die Stadtgalerie in ihren besten Zeiten bestimmte: Ästhetische Forschungsarbeit zu leisten, indem man aktuelle Kunst zeigt und dabei über das Medium nachdenkt.Als erfahrene Ausstellungsmacherin verfolgte von Mengden am Motiv des Ornaments konsequent einen Gedanken über das Medium Bild. Im Kern der von ihr herangezogenen 20 Positionen steht das Verhältnis des Bildmediums zu Zeit und Raum in der Begegnung von Bewegt- und Tafelbild. Lida von Mengden inszeniert es als Treffen der Generationen und damit neuer und traditioneller Bildmedien. Das Ornament gibt dabei den Rhythmus vor.

Während Video und Computer diesen in Raum und Zeit simultan übersetzen, findet er bei Gemälde und Zeichnung nur im Nacheinander einer Serie seine Gestalt. Das zeigt die Nachbarschaft der Multimediainstallationen von Zhenchen Liu und Marius Watz und dem Zeichner Horst Haack sowie den Malern Bernard Frize und Philip Taaffe. Im Gegenzug offenbaren die auf Algorithmen basierenden und rechnergestützten Darstellungen bei Jorinde Voigt und Mark Wilson ihre Doppelcodierung als traditionelles Bildmedium.

Lida von Mengden setzt mehrere spektakuläre Augenfänger. So die Ornamentschnitzereien auf Betonmischern und Autoreifen bei Kunstszeneliebling Wim Delvoye und das Häkeln mit Haaren bei Mariella Mosler. Die Ausstellung taugt zudem als Bestandsaufnahme dessen, was in der Stadtgalerie möglich ist, wenn Diet Sayler den Galerieraum mit einer aus roten Balken umspannenden Notation versieht. Es ist eine Erinnerung an die raumbezogenen Projekte des Hauses, mit denen man aus der Not kein weißer Würfel zu sein, eine Tugend machte.



Parastou Forouhar macht sich daran, wie in den besten Zeiten der Stadtgalerie den "Kammer" genannten Schlauchraum zu bespielen. Ihre Boden und Decke überziehenden arabischen Schriftzeichen lassen sich auch als Warnung lesen. Fatal der Glaube, es genügten Schauwerte, um die Galerie wiederzubeleben. Dann wird Kunst zum Ornament, zur Raumstaffage, wie sie Silke Bröskamp mit Vorhang und Rundsofa vorführt.

Die Sehnsucht nach dem Glanz alter Stadtgalerietage führt nicht zu neuen Bildern, sondern betoniert ein erstarrtes Image. Wie zum Beweis bieten das Saarbrücker Performanceduo Stoll & Wachall, Björn Melhus und Margret Eicher, allesamt schon mit Solos an gleicher Stelle bedacht, Muster ohne Wert. Denn es gibt keinen Weg zurück. Und so ist diese Schau für die Zukunft der Stadtgalerie gleichermaßen Warnung und Ermutigung.

Läuft bis 30.Oktober. Di-So: 13 bis 19 Uhr. Mi: 12-20 Uhr.

Um die Interaktion zwischen Linie und Raum geht es in der Installation mit roten Schnüren von Marten Georg Schmid im Innenhof.
Um die Interaktion zwischen Linie und Raum geht es in der Installation mit roten Schnüren von Marten Georg Schmid im Innenhof.