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Theater in Martinshöhe
Liebe, Sex und verzocktes Geld

 Viel zu lachen gab es bei der Premiere der Bunten Bühne Martinshöhe.
Viel zu lachen gab es bei der Premiere der Bunten Bühne Martinshöhe. FOTO: Norbert Schwarz
Martinshöhe. (cos) Längst sind sie im Ort sowas wie eine Institution. Jetzt hatte die „Bunte Bühne“ in Martinshöhe wieder  zur Premiere in die Sporthalle der Grundschule geladen. Die Halle war rappelvoll an diesem Abend. Von Norbert Schwarz

Kein Wunder auch, versprach der Titel „0900 – 6 mal die 6“ alles und keiner war zum Schuss enttäuscht. Rasend schnell hatten die Bühnenakteure das Publikum fu ihrer Seite.

Es stimmte einfach alles, Das überzeugende Bühnenbild wie die Leidenschaft der Mitwirkenden. Jene, die frisch zur altbekannten Truppe mit Maria Laborenz-Gemmel, Michael Paulus, Herbert Lahaye oder Alexandra Wilhelm an der Spitze, um nur einige Namen beispielhaft aufzuzählen gestoßen sind, das waren Marsha Haack und Felix Meister, fügten sich ohne jegliches Lampenfieber ins Ensemble ein.

Null 900 sechsmal die Sechs, klar, dass heutzutage jeder weiß, was sich hinter einer solchen Rufnummer verbirgt – Telefonsex. Dazu in einer gut bürgerlichen Familie, Gustav Groß mit Anhang. Wie es allerdings dazu kommt, erleben die Zuschauer hautnah und geradezu mitreißend. Dass ausgerechnet bei einer Kirchenvorstandssitzung das Oberhaupt im Hinterzimmer des doch im Umkreis bekannte Etablissements „Toujours l’amour“ jene Spargroschen verzockte die eigentlich für ein neues Wohnzimmer sein sollten, erfahren alle schnell.



Als ein junger, sportlicher und vermeintlich athletischer Mann in die gute Stube kommt (er wollte sich bei Alexandra vorstellen), nehmen die Verwechselungen ihren Lauf. Trotz heftiger Interventionen des Opas im bekannte „Ohrensessel“ drängt ihm Gustav Groß die 5000 Euro auf, weil der vom vermutlichen Geldeintreiber der Bar keine Abreibung haben möchte.

Der erste Auftritt der mehr als lasziven Bardame Coco Loren ist dann mehr ein zweiter furioser Auftritt mit Folgen, denn Gustav Groß konnte  partout der Angetrauten Frieda nicht erklären, wie seine Hosenträger mit dem Namenskürzel „GG“ in eben diesem Etablissement verblieben sind. Dabei merkte die aufreizende Coco lediglich an, dass es zur guten Sitte des Hauses zähle, alles, das was dort vergessen wurde, persönlich zurückgebracht wird.

Schließlich kommt der Opa auf die zündende Idee, wie Sohn Gustav und dessen Freund Karl wieder zu Geld kommen, um alles wieder ins Lot zu bringen. Dabei versteht es Opa Groß auch blendend, alles so einzufädeln, dass Alexandra doch einen „Partygänger“ bekommt, Dorftratsche Mathilde Schnack einen Dauerlauschplatz an Tür und Fenster und Gustav und Karl letztlich doch mit dem Plan einverstanden sind, das mit dem „Telefonsex“ mal zu probieren. Michael Paulus weiß in der Rolle von Gustav Groß einmal mehr aufzublühen und das Bühnengeschehen ebenso wie Karl Klapper alias Herbert Lahaye mimisch mitzugestalten. Wirbelnd, augenrollend, glänzend aufgelegt, Maria Laborenz-Gemmel. Sie reißt auch diesmal alle mit. Den Part als Mutter-Sohn-Mama Klothilde  Klapper weiß Christina Moll großartig rüberzubringen und Kevin Palm als Mischa gibt an ihrem Rockzipfel, Mantelsaum oder der Handtasche hängend so überzeugend das blitzgescheite Muttersöhnchen, dass es für ihn mehr als einmal Szenenbeifall gibt.

Marsha Haack identifiziert sich mit der Bühnenrolle der Tochter Alexandra grenzenlos, Felix Meister hat bei seinem Bühnendebüt als Muskelprotz Ingo Bond beste Szenen. Alexandra Wilhelm war diesmal wieder mit von der Partie und hatte mit der Dorftratsche die passende Rolle, welche sie fast bis zum Exzess und zur Freude aller im Saal bestechend mimte. Gleiches gilt für Tim Fricke, der, obwohl noch ganz jung an Jahren, den Herrn mit Krückstock aus dem Ohrensessel bestens wiedergeben konnte. Ja und dann war da noch die „Coco Loren“. Finnja Haack spielte die laszive, männerverzehrende Bardame mit spielerischem Genuss ohne dabei anzuecken, vielmehr restlos zu überzeugen und sich in die Herzen aller zu spielen.