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Lebenslange Haft im Prozess um Mord an Georgiern

Frankenthal. Es ist wohl einer der bizarrsten Kriminalfälle der letzten Jahre. Ein Iraker mit zweifelhaftem Ruf wird von der deutschen Polizei engagiert, um die islamistische Szene zu beobachten. Der 40-jährige Talib O., der mit alten Autos handelt, liefert über Jahre hinweg wertvolle Informationen. Das LKA zeigt sich zufrieden, zahlt ihm 4500 Euro und hilft bei der Einbürgerung. Talib O

Frankenthal. Es ist wohl einer der bizarrsten Kriminalfälle der letzten Jahre. Ein Iraker mit zweifelhaftem Ruf wird von der deutschen Polizei engagiert, um die islamistische Szene zu beobachten. Der 40-jährige Talib O., der mit alten Autos handelt, liefert über Jahre hinweg wertvolle Informationen. Das LKA zeigt sich zufrieden, zahlt ihm 4500 Euro und hilft bei der Einbürgerung. Talib O. wird auch auf den jetzt mitverurteilten 26-jährigen Somalier Ahmed H. angesetzt. Der Kfz-Lehrling wird verdächtigt, der "Sauerland-Gruppe" Sprengzünder für Anschläge übergeben zu haben. Die drei Opfer waren kurz vor ihrem furchtbaren Tod nach Deutschland eingereist, um Gebrauchtwagen zu erwerben und in der Heimat zu verkaufen. Dass sie rund 12 000 Euro in bar dabei haben, wird Pavle E., Spartak A. und Giorgi G. zum Verhängnis. In Ludwigshafen steigen sie am 30. Januar 2008 in den Ford Escort des V-Mannes ein, den ihm das LKA für seine Spitzeltätigkeit überlassen hat. Später steigt in Frankenthal nach einem Gebet in der Moschee der Somalier zu. Nach etwa einer halben Stunde stoppt das Auto in der Dunkelheit neben einem Schafsstall bei Heppenheim. Zu spät merken die arglosen Opfer, dass sie in eine Falle gelockt wurden. Talib O. forderte den Somalier auf, die drei zu fesseln. Dann erschießt der V-Mann zwei der Georgier aus nächster Nähe, den dritten erdrosselt er mit einem Schal. Dann packen die beiden Angeklagten die drei Leichen in den Ford Escort des LKA und versenken sie im Altrhein bei Mannheim. Die Beute teilen sie untereinander auf. Diesen Tatablauf sehen die Richter als erwiesen an und verurteilten die beiden Angeklagten zu lebenslanger Haft. Bei dem Deutsch-Iraker stellten sie die besondere Schwere der Schuld fest. Seine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Auch wenn der mitangeklagte Somalier die drei Männer nicht getötet habe, sei er dennoch als Mittäter anzusehen. Obwohl er geahnt habe, das Talib O. die drei ermorden werde, sei er bereit gewesen mitzuwirken. Außerdem habe er 2000 Euro aus der Beute von rund 12 000 Euro angenommen. Die Anwälte der Verurteilten kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. dpa