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| 22:25 Uhr

Immer mehr Spielhallen in Rheinland-Pfalz

In keinem Bundesland gibt es so viel Spielautomaten wie in Rheinland-Pfalz. Foto: dpa
In keinem Bundesland gibt es so viel Spielautomaten wie in Rheinland-Pfalz. Foto: dpa
Mainz. Zocken, wetten, verlieren - immer mehr Rheinland-Pfälzer geraten wegen des Glücksspiels in Abhängigkeiten. In den Kommunen wird eine Zunahme von Spielhallen registriert, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab

Mainz. Zocken, wetten, verlieren - immer mehr Rheinland-Pfälzer geraten wegen des Glücksspiels in Abhängigkeiten. In den Kommunen wird eine Zunahme von Spielhallen registriert, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Der psychologische Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Uniklinik Mainz, Klaus Wölfling, zieht eine Bilanz und setzt auf die Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags.Seit dem Jahr 1998 sei die Zahl der identifizierten krankhaften Glücksspieler im Land stark gestiegen, erklärte der Experte. Nach Angaben von Wölfling wurden landesweit zwischen 1998 und 2005 noch weniger als 200 Spieler pro Jahr erkannt. Im Jahr 2010 habe die Zahl bereits bei mehr als 700 Betroffenen gelegen.

"Das liegt zum einen daran, dass mehr Spieler mit problematischem Verhalten im Gesundheitssystem entdeckt werden", erklärte Wölfling. Das Glücksspiel in Rheinland-Pfalz habe sich insgesamt aber auch stark verbreitet: Beim Verhältnis Einwohner pro Spielautomat lag das Land im Jahr 2010 bundesweit an erster Stelle. 293 Einwohner gab es in Rheinland-Pfalz pro Automaten; der Bundesdurchschnitt lag bei 471.

Nach einer Umfrage des Experten aus dem Jahr 2011 unter rund 4000 Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren wurde deutlich, dass zwei Prozent ein problematisches Spielverhalten hatten. Das betraf das Glücksspiel an Automaten in Gaststätten, in Spielhallen und im Internet.

Seit 2006 hätten sich die Spielautomaten zudem verändert, erklärte der psychologische Leiter der Ambulanz für Spielsucht. "Ein massiver Zuwachs ist vor allem bei Automaten mit hohem Suchtpotenzial zu verzeichnen. Beispielsweise die, die dem Spieler ein starkes audio-visuelles Feedback geben, die eine hohe Spielfrequenz haben und die Fast-Gewinne suggerieren."

Der Experte setzt bei der Bekämpfung des Glücksspiels auf die Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags. Neben der Begrenzung der Angebote sei auch der Zwang zu Abgaben wichtig für den Spielerschutz. "Mit Hilfe des Staatsvertrags konnten Gelder für Suchtprävention und Beratung zur Verfügung gestellt werden", erklärte Wölfling. In Rheinland-Pfalz konnten nach seinen Angaben auf diesem Weg 25 Fachleute für Glücksspielsucht ausgebildet werden, die in 17 Beratungsstellen arbeiten.

Die Spielautomatenverbände zeigen zwar Verständnis für die strengere Glücksspielpolitik. Der Justiziar beim Landesverband des Automaten-Verbands Rheinland-Pfalz, Dieter Schittenhelm, verteidigte jedoch die Spielhallen. Er sei überzeugt, dass sich im Kasino mehr Leute ruinierten als in Spielhallen. Das Verhalten der Zocker habe sich aber geändert: "Immer mehr Spieler wollen nur noch Geld gewinnen. Unterhaltungsautomaten, wie beispielsweise Flipper-Automaten, sind vom Markt verschwunden."

Die Stadt Bad Kreuznach profitiert von der zunehmenden Nachfrage nach Glücksspiel. In seiner Stadt seien die Einnahmen aus Vergnügungssteuer von 206 000 Euro im Jahr 2000 auf 425 000 Euro im Jahr 2011 gestiegen, teilte ein Sprecher mit. Für 2012 würden 700 000 Euro an Einnahmen einkalkuliert. Die Zahl der Spielhallen-Konzessionen habe von zwölf im Jahr 2008 auf 18 im Jahr 2010 zugenommen. Laut Ordnungsamt hat es bislang keine Ordnungswidrigkeiten oder Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz gegeben.

In Ludwigshafen ist die Zahl der Bauanträge für eine Spielhalle in jüngster Zeit gestiegen. Genehmigt wurde nach Angaben der Stadtverwaltung aber nur eine kleinere Halle. Vom Ordnungsamt werde im Durchschnitt lediglich ein Verstoß im Jahr gegen das Jugendschutzgesetz im Spielgewerbe festgestellt, hieß es weiter.

In Landau gibt es derzeit fünf Spielhallen. Drei Anfragen für den Bau von Spielhallen liegen derzeit laut Stadtverwaltung vor. Rechtsverstöße gegen das Jugendschutzgesetz seien selten, so die Stadtverwaltung.

In Koblenz sei die Zahl der Spielhallen in den vergangenen beiden Jahren nur geringfügig gestiegen, erklärte ein Stadtsprecher. "Jetzt ist eher eine Stagnation zu verzeichnen." Größere Probleme gebe es in der Rhein-Mosel-Stadt nicht. Auch hier heißt es, Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz seien selten. dpa