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Intensivpfleger unter Mordverdacht
Völklinger SHG-Klinik räumt Fehler ein

 Bereits im März 2016 sollen Mitarbeiter die Klinikleitung über das auffällige Verhalten von Daniel B. informiert haben, die dem Pfleger darauf kündigte, jedoch Polizei und Staatsanwaltschaft nicht informierte.
Bereits im März 2016 sollen Mitarbeiter die Klinikleitung über das auffällige Verhalten von Daniel B. informiert haben, die dem Pfleger darauf kündigte, jedoch Polizei und Staatsanwaltschaft nicht informierte. FOTO: dpa / Dirk Guldner
Völklingen/Homburg. Im Fall des jetzt fünffach mordverdächtigen Pflegers hatte die Klinikdirektion trotz Auffälligkeiten keine Strafanzeige erstattet. Von Michael Jungmann

Ein Jahr und vier Monaten arbeitete Daniel B. (27) offiziell als Pfleger auf der operativen Intensivstation der Völklinger Klinik der Saarland Heilstätten GmbH (SHG). Dort soll er im Zeitraum von März 2015 bis März 2016, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, fünf schwerkranke Menschen umgebracht haben. Ermittelt wird nun wegen fünffachen Mordes und Mordversuchs in zwei Fällen (wir berichteten). Laut Staatsanwaltschaft wurden in Gewebeproben verstorbener Patienten, deren Leichen exhumiert wurden, Spuren von Medikamenten gefunden, die keine Ärzte verordnet hatten.

Die SHG-Klinik räumte jetzt auf Anfrage unserer Zeitung ausdrücklich ein, dass ihre Pflegedirektion und die Krankenhausleitung Mitte März 2016 von eigenen Mitarbeitern Hinweise auf Auffälligkeiten im Umfeld des Intensivpflegers erhalten hatten. Dabei ging es um sein Verhalten „im Zusammenhang mit Reanimationen“. Daraufhin sei der Pfleger vom Dienst freigestellt worden und am 30. März 2016 fristlos gefeuert worden. Dagegen klagte er vor dem Arbeitsgericht. Der Prozess endete mit einem Vergleich. Zum 30. April wurde das Arbeitsverhältnis beendet und B. erhielt ein Zeugnis mit der Note „befriedigend“. Damit fand er schnell eine neue Anstellung auf der Intensivstation im Uniklinikum Homburg.

Warum aber hatte SHG nicht schon damals Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet? Auf diese Frage antwortet SHG-Sprecher Fred-Eric Schmitt: „Aus heutiger Sicht würden wir die Polizei informieren.“ Zum damaligen Zeitpunkt sei auf Basis der – aus heutiger Sicht lückenhaften – Informationen hausintern besprochen worden, keine Strafanzeige zu stellen. Daraus kann geschlossen werden, dass das Klinikdirektorium, in dem der Ärztliche Direktor, der Pflegechef und der Verwaltungsdirektor sitzen, die Situation damals falsch eingeschätzt haben oder aber: Einen möglichen Skandal im eigenen Haus unter den Teppich kehren wollten. Zumal die Klinik letzte Woche noch per Pressemitteilung kundtat: „Selbstverständlich führten die SHG-Kliniken eine medizinische Überprüfung der geschilderten Auffälligkeiten an Hand der Patientenakten durch. Hiernach ergab sich für die SHG-Kliniken jedoch kein Verdacht gegen den Beschuldigten.“



Zur Erinnerung: Kollegen des Pflegers sollen darauf verwiesen haben, dass sich Reanimationsfälle bei Patienten, die eigentlich als stabil galten, verstärkt dann ereigneten, wenn Daniel B. im Dienst war und zuvor mit den Patienten alleine im Zimmer war. Fest steht, so die Klinik, dass Auffälligkeiten der Stationsleitung mitgeteilt wurden, die auch ihre Vorgesetzten einschaltete. Heute könne aber, „aufgrund der Vielzahl von Pflegerinnen und Pflegern“ nicht mehr nachvollzogen werden, „wer wann was in welchem Zusammenhang mitgeteilt hat“.