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Homburger Kammermusiktage eröffnet

 Das Vogler-Quartett ba-rockte zum Auftakt der Homburger Kammermusiktage das Edelhaus in Schwarzenacker. Foto: Thorsten Wolf
Das Vogler-Quartett ba-rockte zum Auftakt der Homburger Kammermusiktage das Edelhaus in Schwarzenacker. Foto: Thorsten Wolf
Schwarzenacker. Mit Quartetten von Mendelssohn und Beethoven wurden im historischen Römermuseum in Schwarzenacker am Montagabend die 16. Homburger Kammermusiktage 2011 eröffnet. Um eine Danksagung ging es im Hauptwerk des Abends, im Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Es wurde 1825 vollendet Von Merkur-Mitarbeiter Paul O. Krick

Schwarzenacker. Mit Quartetten von Mendelssohn und Beethoven wurden im historischen Römermuseum in Schwarzenacker am Montagabend die 16. Homburger Kammermusiktage 2011 eröffnet.Um eine Danksagung ging es im Hauptwerk des Abends, im Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Es wurde 1825 vollendet. Der architektonische und auch emotionale Mittelpunkt des fünfsätzigen Spätwerks ist die "Canzona di ringraziamento" oder nach dem deutschen Untertitel "Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit, in der lydischen Tonart". Der Choral im alten Kirchentongeschlecht wird dreimal mit Varianten zitiert und wurde vom Vogler-Quartett mit aschfahler, vibratoloser Tongebung gegenüber den aufgelockert verspielten Couplets abgesetzt.

So begann auch die gedehnte Einleitung "Assai sostenuto" zum Kopfsatz "Allegro" mit seinen Schroffheiten im dynamischen Wechsel und seinen abrupten Schlüssen. Den Ländler im zweiten Satz "Allegro ma non tanto" entkleideten die vier Künstler aller Idyllik und ließen auch die "Marcia, assai vivace" mit voller Ruppigkeit auf den Finalsatz "Allegro appassionato" losmarschieren. In dessen Solorezitativen hatte Primarius Tim Vogler mit blühendem Ton seine großen Momente. In der kreisenden Motorik des zum Ende hin beschleunigten Dreivierteltaktes bäumten sich aber auch die anderen Quartettkollegen Frank Reinecke (zweite Violine), Stefan Fehland (Viola) und Stephan Forck (Cello) zu einer mitreißenden Finalwirkung auf. Vier Jahre nach Beethovens Quartett entstand das Es-Dur-Quartett opus 12 des früh vollendeten Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), das die Werkfolge eröffnete. Trotz vieler formaler Ähnlichkeiten: Das Vogler-Quartett untermalte dort die biografische Situation eines in seiner Krankheit und Taubheit Vereinsamten, der sich gegen sein Schicksal stemmt, hier den Aufbruch eines lebensfrohen Optimisten, der seinem Vornamen gemäß glücklich war über das ihm zugeflogene Ausnahmetalent - etwa in der überbordenden Freude der gesanglich angelegten Themen des Kopfsatzes "Allegro non tardante", in den leichtfüßigen Staccati der "Canzonetta" oder über die Gabe, einen gesanglichen Andante-Satz in ausdrucksvolle Frühromantik kleiden zu können.

Anders als bei Beethoven lief hier alles auf das brillante Finale "Molto allegro e vivace" zu, wo nach aller Gesanglichkeit der Vorgängersätze in höchster Virtuosität instrumental empfundenes Laufwerk und vorwärtsstürmende Rhythmik knisterten.



Ein grandioser Auftakt der Kammermusiktage, deren Gastspiel am Mittwoch Abend in "Rubly's Werkstatt" restlos ausverkauft ist.