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Hohe Sicherheitsstufe bei Prozess um ermordete Georgier

Frankenthal. Die mutmaßlichen Dreifachmörder wollen sichergehen, dass sie nicht fotografiert werden. Der ältere - ein Ex-V-Mann des rheinland-pfälzischen LKA - hat sich einen Schal über den Kopf gezogen und verdeckt sein Gesicht mit einem Briefumschlag, als er gestern in den Saal 20 des Landgerichts Frankenthal geführt wird und das Blitzlichtgewitter der Fotografen über ihn hereinbricht

Frankenthal. Die mutmaßlichen Dreifachmörder wollen sichergehen, dass sie nicht fotografiert werden. Der ältere - ein Ex-V-Mann des rheinland-pfälzischen LKA - hat sich einen Schal über den Kopf gezogen und verdeckt sein Gesicht mit einem Briefumschlag, als er gestern in den Saal 20 des Landgerichts Frankenthal geführt wird und das Blitzlichtgewitter der Fotografen über ihn hereinbricht. Das Gehen fällt dem 40-jährigen Deutsch-Iraker und seinem ebenfalls vermummten Mitangeklagten aus Somalia schwer. Beide tragen Handschellen und Fußfesseln. Ob der gewaltsame Tod dreier georgischer Gebrauchtwagenhändler im Januar ein brutaler Raubmord war oder die kaltblütige Tat islamistischer Fundamentalisten (wir berichteten), wissen auch am Ende des ersten Prozesstages nur die beiden Angeklagten. Fest steht nur: Die drei Georgier im Alter von 28, 39 und 48 Jahren waren regelrecht hingerichtet worden. Die Leichen warfen die Täter in den Rhein. Während die Staatsanwaltschaft beide als schlichte Raubmörder verurteilt sehen will, bestreiten diese die Vorwürfe und beschuldigen sich gegenseitig. Die Sicherheit wird groß geschrieben in diesem Prozess - und das liegt auch an den Angaben des ehemaligen V-Mannes, denen zufolge es bei der Tat auch um religiösen Fundamentalismus ging. Der Mann, der auf den 26-Jährigen angesetzt war, sagte aus, das Motiv des Somaliers sei "eine besondere Form des Fundamentalismus" gewesen. Der Somalier habe ihn und die Georgier zu einem Schafstall gelotst, dort zwei Georgier erschossen und den dritten mit zwei Unbekannten weggebracht, weil er sich an ihrem Herkunftsland und ihrem Glauben gestört habe, schildert der Ex-V-Mann. Über dessen Leben im verdeckten Einsatz für die Polizei wissen die Prozessbeteiligten indes kaum etwas - das Innenministerium hält die Akten unter Verschluss, was die Verteidiger der Angeklagten vehement kritisieren. Der Ex-V-Mann wird im Prozess zumeist von seinem Dolmetscher verdeckt. Es ist die Rede von einem saudiarabischen Händler, der den gebürtigen Iraker für ein Terrornetz habe anwerben wollen, und wegen dessen Anwerbeversuchen er sich schließlich an das LKA gewandt habe. Dieses habe ihn auf den Somalier angesetzt, den er schon aus einer Moschee vom Sehen her gekannt habe, berichtet der gelernte Konditor, der nach eigenen Angaben 16 Geschwister hat. Der Somalier bestreitet die Vorwürfe. "Ich habe nichts dagegen, wenn einer ein Kreuz trägt", sagt der Afrikaner in fließendem Deutsch. Er sei kein Islamist und nur zufällig Zeuge des blutigen Geschehens geworden. Den Ex-V-Mann hingegen beschreibt er als brutalen Killer, dessen wahres Wesen er erst bei der Tat erkannt habe. "Wenn ich Widerstand geleistet hätte, wäre mir das Gleiche passiert", sagt er. dpa



HintergrundVertrauens-Leute, kurz V-Leute, zu führen, gehört zum klassischen Repertoire der Ermittlungsbehörden. V-Männer und -Frauen sind meist bereits im kriminellen Milieu verstrickt und liefern den Beamten oft wertvolle Insider-Informationen. Ob und welche Vergünstigungen sie im Gegenzug dafür erhalten, wird nur in den seltensten Fällen bekannt. Der Umgang mit V-Leuten setzt seitens der Polizei viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl voraus. Die Tippgeber ihrerseits gehen das Risiko ein, die Rache des "Milieus" auf sich zu ziehen, falls sie enttarnt werden. dpa