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Heute Urteil im Koblenzer Terror-Prozess erwartet

 Die Angeklagten. Foto: dpa
Die Angeklagten. Foto: dpa
Koblenz. Im Terror-Prozess vor dem Oberlandesgericht Koblenz soll heute das Urteil gesprochen werden. Angeklagt sind zwei 32 Jahre alte Männer, die zwischen 2004 und 2008 dem internationalen Terrornetzwerk Al-Kaida bei seiner tödlichen Mission geholfen haben sollen. Experten haben die Verhandlung genau verfolgt, da sie Einblicke in die Machenschaften von Hintermännern gewährte

Koblenz. Im Terror-Prozess vor dem Oberlandesgericht Koblenz soll heute das Urteil gesprochen werden. Angeklagt sind zwei 32 Jahre alte Männer, die zwischen 2004 und 2008 dem internationalen Terrornetzwerk Al-Kaida bei seiner tödlichen Mission geholfen haben sollen. Experten haben die Verhandlung genau verfolgt, da sie Einblicke in die Machenschaften von Hintermännern gewährte. Während dem geständigen Ömer Ö. mehrere Jahre Gefängnis drohen, hofft Sermet I. auf Freispruch. Die beiden Männer türkischer Abstammung stehen seit September 2009 vor Gericht. Sie lebten lange im baden-württembergischen Sindelfingen und sitzen nun seit über eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. An etwa 60 Prozesstagen sind mehr als 100 Zeugen und Gutachter unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen gehört worden. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt: Ö. unterstützte Al-Kaida in zwei Fällen mit Geld und Kampfgerät und war zeitweilig sogar Mitglied in dem Terrornetzwerk. Die Forderung: sechs Jahre Haft. Die Verteidigung plädiert auf maximal viereinhalb Jahre, nachdem Ö. im April überraschend ein Teilgeständnis abgelegt hatte. Der 32-Jährige gab nicht nur zu, für tausende Euro Ferngläser, Nachtsichtgeräte und Entfernungsmesser gekauft zu haben. Er will auch selbst zwei Terror-Camps besucht haben. Und er räumte ein, den mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Bekkay Harrach, der in einem Video mit Anschlägen in Deutschland drohte, angeworben und in die afghanisch-pakistanische Grenzregion eingeschleust zu haben. Auch zu den verurteilten Islamisten der so genannten Sauerland-Gruppe will er Kontakt gehabt haben. Aber die Glaubwürdigkeit des Angeklagten Ö. hat gelitten: Sein Geständnis, an einem Taliban-Angriff auf afghanische Soldaten beteiligt gewesen zu sein, widerrief er später. Ö. gibt sich geläutert. Das Thema Dschihad (Heiliger Krieg) habe sich für ihn erledigt: "Ich will irgendwann mal eines normalen Todes sterben." Der Mitangeklagte I. bestreitet derweil alle Vorwürfe. Für ihn beantragte die Bundesanwaltschaft zwei Jahre und neun Monate Haft, weil er in drei Fällen für die Terroristen militärisches Gerät wie Entfernungsmesser beschafft haben soll. Die Verteidigung forderte hingegen Freispruch sowie eine Aufhebung des Haftbefehls. dpa