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Halbzeit im Rocker-Mordprozess: Es bleiben viele Fragen offen

 Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gericht sind streng. Foto: dpa
Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gericht sind streng. Foto: dpa
Kaiserslautern. Jeden Dienstag und Donnerstag versammelt sich im Kaiserslauterer Landgericht eine kleine Gruppe des Motorrad-Clubs Hells Angels und eine kleine Gruppe der rivalisierenden Outlaws. Getrennt von einer menschlichen Wand aus Polizisten beobachten sie den Prozess um den Mord am Präsidenten der Outlaws in der Region Donnersberg

Kaiserslautern. Jeden Dienstag und Donnerstag versammelt sich im Kaiserslauterer Landgericht eine kleine Gruppe des Motorrad-Clubs Hells Angels und eine kleine Gruppe der rivalisierenden Outlaws. Getrennt von einer menschlichen Wand aus Polizisten beobachten sie den Prozess um den Mord am Präsidenten der Outlaws in der Region Donnersberg. Auf der Anklagebank sitzen ein Mitglied und ein Mitläufer der Hells Angels. Jetzt ist Halbzeit in dem von gewaltigen Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Verfahren (wir berichteten). Und immer noch sind viele Fragen offen. Feststeht: Der 45 Jahre alte Outlaw-Chef wurde am Abend des 26. Juni auf einer Landstraße bei Stetten auf seinem Motorrad gestoppt. Dann wurde mehrmals mit einem Messer auf ihn eingestochen, er verblutete schließlich. Wie sich der Mord abgespielt hat - dazu gibt es bislang nur eine Version. Sie stammt von dem 42 Jahre alten Angeklagten, einem Unterstützer der Hells Angels aus der Nordpfalz. Demnach war es eine Racheaktion gegen die Outlaws, die mehr oder weniger zufällig den 45-Jährigen traf. Seine beiden Komplizen, zwei 29 und 27 Jahre alte Hells Angels, hätten den Outlaw getötet. Er hat sich von der Rocker-Gruppe losgesagt und hofft augenscheinlich, mit seinem Geständnis als Kronzeuge um eine lebenslange Haftstrafe herumzukommen. Wie die beiden anderen Tatverdächtigen die Tat schildern würden, weiß man nicht: Der 29 Jahre alte Angeklagte aus Mannheim schweigt. Seine beiden Verteidiger müssen sich darauf beschränken, Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 42-Jährigen zu schüren. Der dritte Tatverdächtige ist nach wie vor auf der Flucht. Widersprüchlichkeiten in der Version des 42-Jährigen gibt es. So soll der 29-Jährige mit einem Schlagstock so heftig gegen den Helm des Opfers geschlagen haben, dass der Stock anschließend verbogen war. Ein Gutachter konnte aber keine Schlagspuren an dem Helm entdecken, wie er als Zeuge vor Gericht aussagte. Nach wie vor im Raum steht die Frage, ob der Mord nicht mehr war als eine aus dem Ruder gelaufene Racheaktion. Feststeht, dass den Clubs auch das Schlimmste zugetraut wird. Das zeigt das gewaltige Polizeiaufgebot, das den Prozess bewacht. Auf den Gängen des Gerichts wimmelt von Polizisten, wer in den Gerichtssaal will, wird penibel abgesucht. Die beiden Angeklagten werden von vermummten Spezialbeamten begleitet. Der 42-Jährige, der als "Verräter" extrem gefährlich lebt, wird auch in der Haft immer besonders gut beschützt werden müssen, mit seinen früheren Freunden ist nicht zu spaßen. "Es gibt kein Gefängnis, wo die nicht drinhocken", weiß der 42-Jährige.