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Halberg Guss geht an den niederländischen Fonds HTP

 Die Gießerei von Halberg Guss wird modernisiert. Foto: Ruppenthal
Die Gießerei von Halberg Guss wird modernisiert. Foto: Ruppenthal
Saarbrücken. Der insolvente Automobil-Zulieferer Halberg Guss geht an den niederländischen Investmentfonds HTP. Das teilten gestern die Insolvenzverwalter des Unternehmens, Franz Abel (St. Ingbert) und Michael Blank (Völklingen), mit. Sie rechnen damit, dass die Übernahme in rund zwei Monaten abgeschlossen sein wird Von Merkur-Mitarbeiter Lothar Warscheid

Saarbrücken. Der insolvente Automobil-Zulieferer Halberg Guss geht an den niederländischen Investmentfonds HTP. Das teilten gestern die Insolvenzverwalter des Unternehmens, Franz Abel (St. Ingbert) und Michael Blank (Völklingen), mit. Sie rechnen damit, dass die Übernahme in rund zwei Monaten abgeschlossen sein wird. HTP-Sprecher Wolfgang Speck sagte, dass man in den kommenden fünf Jahren insgesamt 112 Millionen Euro in die Gießerei-Gruppe mit Standorten in Saarbrücken (rund 1100 Mitarbeiter) und Leipzig (700 Beschäftigte) investieren will. 55 Millionen Euro steuern die HTP-Gesellschafter Wim de Pundert und Klaas Meertens aus Eigenmitteln bei. Die restlichen 57 Millionen Euro sollen aus dem Mittelzufluss (Cash flow) kommen, der in den nächsten Jahren erwartet wird. Das Geld wird nach Angaben von Speck unter anderem in die Modernisierung des Maschinenparks fließen. Damit seien zwar auch Rationalisierungs-Investitionen verbunden. "Aber wir wollen auch zusätzliche Kapazitäten aufbauen". Die Stammbelegschaft soll nicht verringert werden.Vor der vollständigen Übernahme von Halberg Guss durch HTP stehen noch einige Hürden, erläuterte Abel. So müssen unter anderem die Banken noch davon überzeugt werden, dass sie ihre Kredite in Höhe von rund 23 Millionen Euro im Unternehmen belassen. Auch mit den Automobil-Herstellern müsse darüber verhandelt werden, dass sie in Zukunft höhere Preise zahlen müssen. Außerdem steht noch ein Sanierungs-Tarifvertrag mit der Belegschaft aus. Die Tarif-Mitarbeiter müssen dabei auf rund zehn Prozent ihres Entgelts verzichten. "Wir stimmen dem Sanierungstarif-Vertrag nur zu, wenn die Investitions-Zusagen verbindlich vereinbart sind", betonten Hans Peter Kurtz, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Saarbrücken, und Mahmut Celik, Vorsitzender des Betriebsrats. Dennoch sind alle Beteiligten davon überzeugt, dass die Übernahme gelingt. "Das ist wohl der schönste Tag meiner bisherigen Amtszeit", sagte Saar-Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP).

Auch die Gläubiger sollen einen Teil ihres Geldes wiedersehen. Abel rechnet mit einer Insolvenzquote "im zweistelligen Prozentbereich". Die künftige Geschäftsführung von Halberg Guss steht noch nicht fest. Die bisherigen Chefs des Unternehmens, Joachim Braun und Aloys Diesinger, werden nicht mehr dem Management angehören.

HTP will Halberg Guss in eine Automobil-Holding integrieren, die bereits als HTP Automotive GmbH (München) firmiert. Dort sollen auch der bayerische Autozulieferer Geiger (Kunststoffteile aus Spritzguss) und die Reum-Gruppe aus Hardheim (Spezialist für die Fahrzeug-Innenausstattung) angedockt werden. Halberg Guss gießt in Saarbrücken und Leipzig Motorblöcke, Kurbelwellen und Ölwannen für Pkw und Lkw. Der Umsatz liegt bei rund 300 Millionen Euro.



Das Unternehmen ist seit dem 19. Juni 2009 insolvent.