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Geisterfahrerin gesteht Absichtstat

Ein Warnschild steht an einer Autobahnabfahrt, um zu verhindern, dass Autofahrer diese als Auffahrt benutzen und so zu Geisterfahrern werden. Genau das war im September 2014 bei Nieder-Olm passiert. Allerdings soll die Autofahrerin absichtlich falsch auf die A 63 aufgefahren sein. Foto: Weigel/dpa
Ein Warnschild steht an einer Autobahnabfahrt, um zu verhindern, dass Autofahrer diese als Auffahrt benutzen und so zu Geisterfahrern werden. Genau das war im September 2014 bei Nieder-Olm passiert. Allerdings soll die Autofahrerin absichtlich falsch auf die A 63 aufgefahren sein. Foto: Weigel/dpa FOTO: Weigel/dpa
Mainz. Eine Falschfahrerin provoziert einen Unfall auf der Autobahn. Vor Gericht spricht sie von Stimmen in ihrem Kopf und der Absicht, sich umzubringen. dpa-MitarbeiterinInes Klose

Im Mainzer Prozess um eine absichtliche Geisterfahrt hat die Angeklagte am gestrigen Mittwoch von Suizidgedanken und einer Panikhandlung berichtet. Sie habe sich das Leben nehmen wollen, könne sich aber nicht mehr an Einzelheiten der Fahrt erinnern, sagte die 56-Jährige, die nach eigenen Angaben bereits seit ihrem 18. Lebensjahr unter Depressionen leidet, zum Prozessauftakt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord vor. In der Woche vor der Geisterfahrt habe sie ihre Medikamente abgesetzt, sagte die Frau. "Das war ein gravierender Fehler."

Am Tag vor der Geisterfahrt habe sie erstmals Stimmen gehört: Sie solle ihren Mann töten. Später hätten die Stimmen verlangt, sich selbst zu töten. Sie sei in Panik geraten und habe sich ins Auto gesetzt, sagte die Frau vor dem Landgericht. "Ich wollte, bevor ich meinen Mann umbringe, lieber selbst sterben."

Die Angeklagte war im September 2014 bei Nieder-Olm nahe Mainz nachts falsch auf die Autobahn 63 aufgefahren. Bei der Anschlussstelle Erbes-Büdesheim im Kreis Alzey-Worms stieß sie gegen einen Lastwagen. Dessen 41-jähriger Fahrer kam mit einer Knieprellung davon. Als Zeuge sagte er aus, er habe zweimal vergeblich versucht, den entgegenkommenden Scheinwerfern auszuweichen: "Die Lichter sind mir gefolgt." Er habe den Eindruck eines gesuchten Frontalzusammenstoßes bekommen.

Die Angeklagte gab an, sich an ein solches Fahrmanöver nicht mehr zu erinnern. Eine Kollision habe sie trotz ihrer Selbstmordgedanken nicht bewusst gewollt, sondern panisch gehandelt. Ob die Frau absichtlich ihr Auto gegen den Lastwagen gelenkt hatte oder nicht, ist eine der zentralen Fragen des Prozesses. Die Antwort werde sich auf das Strafmaß auswirken, sagte ein Gerichtssprecher. Die Angeklagte sagte zu dem Lkw-Fahrer: "Ich wollte mich wirklich bei Ihnen entschuldigen." Dieser nahm die Entschuldigung an. Laut Anklage hatte die Frau seinen Tod billigend in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit allerdings von einer "erheblich verminderten Schuldfähigkeit" der Frau zum Tatzeitpunkt aus.