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Gefährdete Sympathieträger im Frack

Wer keine Pinguine mag, schlägt auch kleine Kinder. Diese Behauptung ist sicherlich übertrieben - aber nur ein bisschen. Denn wenige Tiere stoßen bei Menschen jeden Alters und Geschlechts auf derart ungeteilte Sympathie wie die schwarz-weißen Vögel, die sich vornehmlich auf der südlichen Erdhalbkugel tummeln. Sie strahlen eine gewisse Eleganz aus, wirken ein wenig tapsig und sehen trotz ihrer Federn so flauschig aus, als wären sie von Margarete Steiff höchstpersönlich genäht worden. In Cuxhaven gibt es sogar seit 2009 ein eigenes Pinguin-Museum ( pinguin-museum-cuxhaven.de.tl ), wo auf etwa 130 Quadratmetern "Teile der größten Pinguin-Sammlung der Welt" (Eigenwerbung des Museums) gezeigt werden. Jan Althoff (Merkur),Roland Lloyd Parry (afp)

Wer keine Pinguine mag, schlägt auch kleine Kinder. Diese Behauptung ist sicherlich übertrieben - aber nur ein bisschen. Denn wenige Tiere stoßen bei Menschen jeden Alters und Geschlechts auf derart ungeteilte Sympathie wie die schwarz-weißen Vögel, die sich vornehmlich auf der südlichen Erdhalbkugel tummeln. Sie strahlen eine gewisse Eleganz aus, wirken ein wenig tapsig und sehen trotz ihrer Federn so flauschig aus, als wären sie von Margarete Steiff höchstpersönlich genäht worden. In Cuxhaven gibt es sogar seit 2009 ein eigenes Pinguin-Museum ( pinguin-museum-cuxhaven.de.tl ), wo auf etwa 130 Quadratmetern "Teile der größten Pinguin-Sammlung der Welt" (Eigenwerbung des Museums) gezeigt werden.

Und es gibt, jedes Jahr am 25. April, den Welt-Pinguintag. Der geht nach Angaben des Umweltbundesamtes auf einen Stichtag im Leben der Adéliepinguine zurück. Die, so beobachteten Wissenschaftler auf der amerikanischen McMurdo-Station in der Antarktis, kehren jedes Jahr am 25. April nach vielen Monaten auf See in ihre Brutkolonie an Land zurück. "Der Tag des Erscheinens der Pinguine wurde für die Forscher zu einem eigenen Feiertag, der sich nach und nach weltweit etablierte", schreibt das Umweltbundesamt .

Opfer des Klimawandels



Doch so beliebt die Pinguine sind, der Mensch geht mit ihnen und ihrem Lebensraum wenig rücksichtsvoll um. Durch Klimawandel und Fischerei schrumpfen die Krill-Bestände rund um die westliche Halbinsel der Antarktis. "Krill ist der Power-Lunch der Antarktis, eine Schlüsselart für alle Lebewesen", sagt Ron Naveen von der US-Artenschutzorganisation Oceanites. Doch die rosafarbenen Schalentiere sind in dem riesigen Ozean auf Meereis angewiesen, das sie schützt und mit Algen versorgt. Und dieses Eis wird immer dünner: Im vergangenen halben Jahrhundert erwärmte sich die Antarktis nach Angaben des World Wildlife Fund um drei Grad Celsius. Wissenschaftler vermuten, dass eine Verschiebung der Eismuster die Pinguin-Populationen beeinflusst. "Das Zusammenspiel aus steigenden Temperaturen, zunehmendem Säuregehalt der Ozeane und - obwohl das noch nicht ganz klar ist - der Fischereiindustrie, wird die Populationen der hauptsächlich von Krill lebenden Tiere unter Druck setzen", sagt der Biologe Steven Chown von der Monash-Universität in Australien.

Gefährdete Schönheit

Die Antarktis gilt als eine der letzten wilden Naturlandschaften der Erde: Auf den blauen Eisbergen der Halbinsel spielen braune Seebären, im Wasser zeigen Buckelwale ihre weißen Bäuche. Zwischen Horden von Eselspinguinen mit orangefarbenen Schnäbeln watscheln vereinzelt Adéliepinguine mit weißen Ringen um die Augen oder Zügelpinguine mit feinen schwarzen Streifen an der Kehle. Sowohl die Adéliepinguine als auch der Krill sind der Weltnaturschutzunion (IUCN) zufolge durch den Klimawandel gefährdet. Zudem kämen die Schiffe der Fischereiindustrie manchmal zu nahe an Brutkolonien und Nahrungsgründe der Pinguine heran, klagt Naveen. Die Fischtrawler fangen jährlich nach IUCN-Angaben 300 000 Tonnen Krill, der zu Futter für Zuchtfische und zu dem als Nahrungsergänzungsmittel beliebten Omega-3-Öl verarbeitet wird.

Die Industrie wehrt sich gegen die Vorwürfe: Nach Angaben von Cilia Indahl, verantwortlich für Nachhaltigkeit beim norwegischen Fischereiunternehmen Aker BioMarine, erreicht der gesamte Krill-Fang nur 0,5 Prozent der 60 Millionen Tonnen, die Meereslebewesen jährlich fressen. Ihr Unternehmen habe eine umweltverträgliche Fangmethode entwickelt, bei der die Boote nur langsam und mit Spezialnetzen schleppen, um den Beifang zu minimieren. "Wir achten auch darauf, wo wir nach Krill fischen, damit die Überschneidung mit anderen Tieren wie Pinguinen und Walen und ihren Fanggründen minimal ist", betont Indahl. Die Fischerei in der Antarktis wird von der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) überwacht, ihre 24 Mitgliedsländer plus Europäische Union stimmen Fangquoten und Verbotszonen ab. Umweltschützer dringen nun darauf, dass die Kommission den Krill-Fang bei ihrem jährlichen Treffen im Oktober neu reguliert. Die Beschränkung des Krill-Fangs in bestimmten Gebieten zum Schutz der Pinguine sei umstritten, klagt Andrea Kavanagh von der US-Umweltorganisation The Pew Charitable Trusts. "Manche Länder wie Russland und China haben beim Treffen im vergangenen Jahr erklärt, dass sie das nicht für notwendig halten. Sie wollen so viel Krill wie möglich nahe der Antarktischen Halbinsel fangen, auch direkt neben den Pinguin-Kolonien, die in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits geschrumpft sind." Für die Zukunft der Antarktis seien Artenschutzmaßnahmen dringend notwendig, betont Pinguin-Beobachter Naveen: "Wenn ich hier bin, habe ich das Gefühl, ich stehe an der Front des Klimawandels."