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Klepperkinder
Durchdringender Glocken-Ersatz

Vor der Osternacht an Karsamstag unterwegs – die Klepperkinder von Martinshöhe mit Josefa Palm (links).
Vor der Osternacht an Karsamstag unterwegs – die Klepperkinder von Martinshöhe mit Josefa Palm (links). FOTO: Norbert Schwarz
Martinshöhe. Auf der Sickingerhöhe ziehen in der Osterzeit „Klepperkinner“ mit Ratschen und Klappern durch die Orte und rufen zum Gebet. Von Norbert Schwarz

Wenn ab Gründonnerstag der Glockenruf zum Kirchgang oder Gebet verstummt, übernehmen diese Aufgabe in Martinshöhe 14 überwiegend junge Messdiener. Mädchen und Jungs. Der Glockenersatz sind hölzerne Ratschen und Klappern. Schon über 15 Jahre hinweg engagiert sich Josefa Palm bei der Betreuung der Kinder. Das Ehrenamt in der Kirchengemeinde will sie nun aber in jüngere Hände legen.

Messdiener haben in katholischen Kirchengemeinden in den Tagen vor Ostern jede Menge Arbeit. Nicht allein bei den zahlreichen Gottesdiensten  ist ihre Präsenz gefragt. Sie sind es auch, die den Ersatzdienst für die mit Beginn der Leidenszeit verstummten Glocken übernehmen. Die Ministranten ziehen lärmend durch den Ort, erinnern die Gläubigen ans Beten oder rufen sie zum Gottesdienst. In der Karwoche, so wird erzählt, „fliegen“ die Glocken nach Rom, um Rahmsuppe zu speisen. Im Volksmund katholisch geprägter Orte hält sich diese Meinung und auf der Sickingerhöhe ist der Brauch noch immer weit verbreitet.  Reifenberg, Knopp-Labach oder Martinshöhe zählen zu den Ortschaften, wo die „Klepperkinner“ noch immer zur Freude der Dorfbevölkerung unterwegs sind.

Palm kümmerte sich ein letztes Mal um die Messdiener, die in diesem Jahr mit 14 an der Zahl erschienen waren. Morgens bereits um 6.30 Uhr waren ihre Schützlinge unterwegs, um die Mittagszeit und dann zum Abendgebet um 18 Uhr. Es mache einfach Spaß, mal so früh durch den Ort zu streifen und den Mitbürgern eine Botschaft zu überbringen, erzählen die Mädels und Jungs. Dass das Wetter überhaupt nicht einladend war, stört keinen von den 14 Ministranten. In kleineren Gruppen sind die Klepperer morgens, mittags und abends jeweils fast zwei Stunden unterwegs. Wegen der Größe des Ortes ist Palm froh darüber, dass sich noch immer viele für diese kirchliche Brauchtumspflege zur Verfügung stellen. Wenngleich sie im Gespräch die Sorge hegt, dass auch dieser Brauch schneller als gedacht ein Ende haben könnte. „Die Kirchgänger werden weniger, folglich kommen auch weniger Ministranten neu hinzu“, sagt sie.



Eingeladen, an der Pflege dieses alten Brauchtums teilzunehmen, waren wie jedes Jahr auch die Kommunionkinder. Diesmal kamen vier von ihnen zum Kleppern. Erfreulich, wie Palm feststellte, weil man auch schon anderen Zeiten erlebt habe.

Von langjährigen Mitgliedern müssen sich die Klepperer verabschieden: Larissa Hardt und Justin Hull werden sich auf das Abi vorbereiten. Deshalb nehmen sie mit Bedauern Abschied von der Messdienerzeit. Für viel Abwechslung habe in den 15 Jahren immer wieder Josefa Palm gesorgt, die mit den Kindern auch schon mal einen Kinoabend vorbereitete und mit ihnen zum Kegeln ging. Auch die Pizzaabende der langjährigen Betreuerin seien sehr beliebt gewesen.