| 22:59 Uhr

Doch kein Groß-Bordell in Kleinblittersdorf

Kleinblittersdorf. Erstmals in der Geschichte des Saarlandes haben Bürger erfolgreich einen Einwohnerantrag gestellt – mit weitreichenden Folgen. In Kleinblittersdorf verhinderten sie damit ein geplantes Bordell in einem Schloss. Agentur

Im August stimmte der Kleinblittersdorfer Gemeinderat noch mehrheitlich für ein Bordell im Schloss Falkenhorst. Das brachte manche Bürger mächtig in Rage. Schließlich musste sich der Rat am Dienstagabend erneut damit beschäftigen, weil die Bürgerinitiative (BI) Kleinblittersdorf knapp 1000 Unterschriften für einen Einwohnerantrag gesammelt hatte - den ersten in der kommunalpolitischen Geschichte des Saarlandes. Bei der neuerlichen Abstimmung kippte der Rat den eigenen Beschluss wieder - eine Rolle rückwärts sozusagen.

Rund 450 aufgebrachte Bürger der 12 500 Seelen-Gemeinde kommen zur Sitzung, die in die Sporthalle verlegt worden war. Die Emotionen kochen hoch. "Allein die Tatsache, dass ein Bordellbetrieb erst ab 35 000 Einwohnern erlaubt ist und ihr es trotzdem nicht abgelehnt hattet, ist ein Armutszeugnis für euch Räte", ruft ein Mitglied der Bürgerinitiative unter lautem Beifall. Eine Frau sagt: "Wir Bürger sind desillusioniert und frustriert. Viele sprechen von Sumpf, Vetternwirtschaft und Politikverdrossenheit . So fördert man die Abwanderung in die AfD."

Die Bürgerinitiative befürchtet, dass ein Bordellbetrieb die Kriminalität steigert und das Dorfbild sowie den Ruf des Ortes ruiniert. Damit steht die Gruppe nicht alleine. "Das hätte einen ganz gewaltigen Imageschaden zur Folge. Und es konterkariert alle unsere Bemühungen, an unserem Profil zu arbeiten", sagt Bürgermeister Stephan Strichertz (parteilos).



Im Vorfeld für einen Bordellbetrieb ausgesprochen hatten sich Linke und SPD . "Natürlich können wir uns etwas Schöneres vorstellen", sagt SPD-Fraktionssprecher Bernd Dick. "Aber ein kontrolliert zugelassener Betrieb dieser Art ist uns lieber als wilde Wohnungsprostitution oder ein Straßenstrich ." Nun zeigten der Druck der Bürger sowie der Appell von CDU-Fraktionschef Manfred Paschwitz an alle Politiker, "nach Ihrem besten Wissen und Gewissen zu entscheiden" offenbar Wirkung: Bei der geheimen Abstimmung sprechen sich 20 Räte gegen das Bordell aus, acht enthalten sich. "Sagenhaft!", jubelt BI-Sprecher Marco Jost. "Wir sind überwältigt."

Nicht teilen konnte diese Begeisterung der Sozialpädagoge Udo Pink (52). Er betrieb bislang im Schloss Falkenhorst eine Ideenschmiede und Coaching-Akademie. Aufgrund der Diskussionen in der Öffentlichkeit seien in den letzten Wochen viele seiner Kunden abgesprungen. Auch Hochzeitsgäste, die Räume dort gemietet hätten, hätten "wegen des Imageschadens, nun mit einem Bordell in Verbindung gebracht zu werden", 3000 Euro von ihrer Rechnung einbehalten. Pink überlegt nun, ob er Privatinsolvenz einlegen muss.

Das Bordell betreiben wollte Rigo Wendt. In Kleinblittersdorf wollte er "einen anspruchsvollen und exklusiven Privatclub in gehobenem Niveau und höherem Preissegment" hochziehen. Er hat bereits einen Normenkontrollantrag beim Oberverwaltungsgericht des Saarlandes gestellt, um sein Vorhaben gerichtlich durchzusetzen. Laut Wendt wurde mit dem Schlosseigentümer bereits ein bindender Vertrag geschlossen. Wendt findet: Das vom Ortskern etwa ein Kilometer entfernte Schloss Falkenhorst biete "aufgrund seiner Abgeschiedenheit ideale Voraussetzungen zum diskreten Betrieb eines Gewerbebetriebes dieser Branche".