| 23:12 Uhr

Gerichtsprozess in Trier
Diebe von Klinik-Inventar vor Gericht

Die wegen Bandendiebstahls angeklagten Kolumbianer Martinez G. (rechts) und Landino C. (Zweiter von links) nehmen im Gerichtssaal des Landgerichts Trier auf der Anklagebank Platz.
Die wegen Bandendiebstahls angeklagten Kolumbianer Martinez G. (rechts) und Landino C. (Zweiter von links) nehmen im Gerichtssaal des Landgerichts Trier auf der Anklagebank Platz. FOTO: Harald Tittel / dpa
Trier. Eine Diebstahlserie von Endoskopen aus Kliniken machte in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen. Jetzt stehen zwei mutmaßliche Täter vor Gericht. Auch in Südhessen sollen sie auf Beutezug gegangen sein.

Sie sollen es ausschließlich auf hochwertige medizinische Geräte abgesehen haben: Wegen einer Diebstahlserie in Krankenhäusern vor allem in Rheinland-Pfalz, aber auch im südhessischen Lampertheim müssen sich seit gestern zwei Männer im Alter von 30 und 42 Jahren vor dem Landgericht Trier verantworten. Als Mitglieder einer Bande sollen sie in den Jahren 2016 und 2017 Endoskope im Wert rund drei Millionen Euro gestohlen haben. „Es ist eine ungewöhnliche Diebstahlserie mit einer sehr hohen Schadenssumme“, sagte Staatsanwalt Benjamin Gehlen.

Die Männer sollen geeignete Kliniken ausgekundschaftet und dann zugeschlagen haben. „Wo die entsprechenden Abteilungen waren, haben sie gegoogelt.“ Die Diebesbeute schickten sie laut Anklage per Paketpost von Amsterdam nach Kolumbien, wo sie von Hintermännern verkauft wurde – wohl in verschiedene Länder Südamerikas. Der 42-Jährige soll bei allen 13 Taten beteiligt gewesen sein, sein jüngerer Komplize bei 6.

Tatorte (siehe Info) waren unter anderem Kliniken in Dernbach im Westerwaldkreis, das Nardini-Klinikum Landstuhl im Kreis Kaiserslautern, Bitburg im Eifelkreis Bitburg-Prüm, Remagen im Kreis Ahrweiler und das LVIM-Haus Bad Dürkheim. Betroffen waren auch eine Klinik im saarländischen Lebach, im südhessischen Lampertheim und in Aschersleben in Sachsen-Anhalt. In Lampertheim im Kreis Bergstraße sollen sie sechs Gastro- und drei Koloskope sowie anderes Gerät im Wert von rund 381 000 Euro gestohlen haben. In drei Fällen blieb es beim Versuch. „Sie kamen aus Paris und fuhren die Krankenhäuser gezielt mit dem Mietwagen an“, sagte der Staatsanwalt. Teils hätten sie die Häuser durch den Haupteingang betreten und sich Zugang zu den Untersuchungsräumen verschafft. In anderen Fällen habe ihr Weg über den Hinterhof, den Lieferanteneingang oder über den Balkon geführt. Manche Schränke hätten sie aufhebeln müssen, um an die teuren Geräte zu kommen, andere seien unverschlossen gewesen, sagte Gehlen.



Gestern wurde nur die Anklage verlesen. Der 42-Jährige werde sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern, erklärte dessen Anwältin. Der 30-Jährige sei noch unentschieden, hieß es von seiner Seite. Der Prozess geht am 2. Mai weiter und ist bis Mitte Juli terminiert. Die beiden Angeklagten waren im vergangenen November festgenommen worden, als sie versuchten, Geräte aus einem Krankenhaus in Ludwigshafen zu stehlen. Sie haben laut Staatsanwaltschaft jene Tat eingeräumt, zu den weiteren Vorwürfen aber keine Angaben gemacht. Nach ihrer Festnahme sei es aber deutschlandweit nicht mehr zu neuen Endoskopie-Diebstählen gekommen, hieß es. Nach zwei weiteren Tätern werde noch gefahndet, sagte Gehlen. Zudem hätten Ermittlungen ergeben, dass weitere Klinik-Diebstähle auf das Konto der Bande gehen könnten. „Da sind wir in den letzten Zügen.“ Von 2015 bis 2017 gab es laut Gehlen um die 40 Taten pro Jahr in Deutschland.

Mit der medizinischen Technik der Endoskopie (Spiegelung) können Ärzte Körperhöhlen und Hohlorgane untersuchen und Krankheiten erkennen: Zum Beispiel bei einer Gastroskopie im Magen oder bei einer Koloskopie im Darm.

Die Diebe hatten es auf Geräte abgesehen, die wie hier in Behandlungsräumen für Endoskopien eingesetzt werden.
Die Diebe hatten es auf Geräte abgesehen, die wie hier in Behandlungsräumen für Endoskopien eingesetzt werden. FOTO: Jens Büttner / dpa
(dpa)