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| 22:19 Uhr

Die komplexe Welt, in der wir leben

Eine Aufnahme aus dem Max-Planck IPP (Tokamak Asdex Upgrade Periphery, Max Planck IPP, Garching 2009). Foto: ©Thomas Struth
Eine Aufnahme aus dem Max-Planck IPP (Tokamak Asdex Upgrade Periphery, Max Planck IPP, Garching 2009). Foto: ©Thomas Struth FOTO: ©Thomas Struth
Essen. In seiner grandiosen Ausstellung „Nature & Politics“ im Museum Folkwang zeigt der Fotokünstler Thomas Struth verborgene Orte, an denen an unserer technologischen Zukunft gefeilt wird. den nNicole Büsing,Heiko Klaas

Ein chaotisches Wirrwarr von Kabeln, Schläuchen, Flüssigkeitsbehältern, Druckanzeigen und Computerbildschirmen: Moderne Großlabore stellen für Laien ein schier undurchschaubares System dar. Die gut gesicherten Forschungskomplexe, in denen Teilchenbeschleuniger betrieben, Spaceshuttles konstruiert oder neue Materialien für Technologien der Zukunft erprobt werden, sind für Außenstehende in der Regel nicht zugänglich. Sie gleichen abgeschirmten Hochsicherheitstrakten.

Der in Berlin lebende Fotokünstler Thomas Struth, Jahrgang 1954, genoss immer wieder das Privileg, Orte wie das Max Planck Institut in Garching, das Kennedy Space Center in Cape Canaveral oder das Helmholtz-Zentrum in Berlin mit seiner analogen Großbildkamera zu besuchen. In seiner grandiosen Ausstellung "Nature & Politics" im Essener Museum Folkwang nimmt er uns jetzt mit an verborgene Orte, an denen an der technologischen Zukunft gefeilt wird. Auf großzügigen 1400 Quadratmetern versammelt die Schau zwar nur 34 Bilder. Die aber sind überwiegend großformatig und derart extrem detailreich, dass man sich lange in ihre Betrachtung vertiefen kann. Eine klare Ausstellungsarchitektur gut inszenierter Blickachsen trägt zum Genuss bei.

Auch wenn die hochtechnologisierten Forschungsstätten dominieren: Quasi als Kontrastprogramm zeigt uns Struth auch Bilder aus Vergnügungsparks und künstlichen Erlebniswelten. Mit einzelnen Aufnahmen von Konfliktherden, Operationssälen und Landschaften rundet er seine Besichtigung der aktuellen Conditio humana ab. Struth präsentiert uns mit seinem nüchtern-dokumentarischen Blick auf Versuchsanordnungen, die vielleicht einmal unsere Zukunft bestimmen werden, eine Komplexität, die fundamentale Fragen aufwirft statt einfache Antworten bereitzuhalten. Welche Zukunft wollen wir? Wieviel Souveränität wollen wir an Apparate, Maschinen und Roboter abtreten? Die von Kunstlicht beleuchteten Räume auf diesen Bildern sind fast menschenleer. Fast so, als wären alle zur Mittagspause aufgebrochen. Was bleibt, von Struth bis ins Detail dokumentiert, ist ein chaotisches Durcheinander, das man als Außenstehender so nicht erwartet hätte.

Was vor Kurzem noch Science Fiction war, so scheint uns Struth mitteilen zu wollen, wird - ob wir es wollen oder nicht - zur Realität. Und wo bleibt da der Mensch? Am Ende hat der der Düsseldorfer Photoschule um Bernd und Hilla Becher entstammende Künstler auch ihm mit der Kamera nachgespürt - in der Berliner Charité. Die Aufnahmen "Figure" und "Figure II" zeigen Fragmente menschlicher Körper auf dem OP-Tisch, eingezwängt, aber auch künstlich am Leben gehalten von den Hervorbringungen jenes technologischen Fortschritts, den wir entweder verteufeln oder gar nicht genug loben können.

Bis 29. Mai. Dienstag bis Sonntag: zehn bis 18 Uhr, Donnerstag, Freitag: zehn bis 20 Uhr

Katalog: MACK, London, 214 Seiten, 95 Abbildungen., 45 Euro.