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Deutschsprachige Gemeinschaft ist "eine Insel in Belgien"

Eupen/Brüssel. Die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien hat das 25-jährige Bestehen ihrer Selbstverwaltung gefeiert. Die rund 70000 deutschsprachigen Belgier in den Ostkantonen unweit von Rheinland-Pfalz bekamen eigene Rechte als Sprachgruppe, als Belgien in einen Bundesstaat umgewandelt wurde

Eupen/Brüssel. Die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien hat das 25-jährige Bestehen ihrer Selbstverwaltung gefeiert. Die rund 70000 deutschsprachigen Belgier in den Ostkantonen unweit von Rheinland-Pfalz bekamen eigene Rechte als Sprachgruppe, als Belgien in einen Bundesstaat umgewandelt wurde. Die Minderheit hat eine eigene Regierung, ein Parlament und einen Ministerpräsidenten sowie einen öffentlichen Radio- und Fernsehsender. Außerdem erscheint in ihrer Hauptstadt Eupen die deutschsprachige Zeitung "Grenz-Echo". Belgiens deutschsprachige Gemeinschaft wird als am besten geschützte Minderheit der Welt bezeichnet. Das sei aber nur teilweise richtig, meint der Historiker Selm Wenselaers. Die Menschen in den Ostkantonen seien oft von der Regionalregierung der französischsprachigen Wallonie abhängig, erläuterte der Autor des Buchs "Die letzten Belgier. Eine Geschichte der Ostkantone" in einem Interview der flämischen Zeitung "De Standaard" am Samstag. Das schaffe große bürokratische Probleme für die Deutschsprachigen, denen ein garantierter Sitz in den Parlamenten der Wallonie und auf der Ebene des Gesamtstaats fehle. Die deutschsprachigen Gebiete um Eupen und St. Vith waren Belgien nach dem Ersten Weltkrieg zugesprochen worden. Heute sei die deutschsprachige Gemeinschaft eine Insel in Belgien, sagt Wenselaers: "Ihre Identität ist eine Nicht-Identität: Sie sind keine Deutschen, keine Wallonen, keine Flamen, sie sind Ost-Belgier." Etwa 60 Prozent der Belgier spricht Niederländisch als Muttersprache, etwa 40 Prozent sind frankophon. dpa