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Derzeit ein Tuberkulose-Fall in Zweibrücken

Zweibrücken. Laut Dr. Heinz-Ulrich Koch ist die Nachricht der Agence France-Presse (AFP), dass in Deutschland mehr Kinder an Tuberkulose erkranken, nicht überzubewerten. Koch ist Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der Kreisverwaltung und mit dem Thema Tuberkulose vertraut Von Merkur-Mitarbeiterin Katja May

Zweibrücken. Laut Dr. Heinz-Ulrich Koch ist die Nachricht der Agence France-Presse (AFP), dass in Deutschland mehr Kinder an Tuberkulose erkranken, nicht überzubewerten. Koch ist Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der Kreisverwaltung und mit dem Thema Tuberkulose vertraut. Obwohl die Zahl der an Tuberkulose erkrankten Kinder laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts im vergangenen Jahr leicht angestiegen ist, sieht Koch in Tuberkulose nicht die neue Kinderkrankheit. "Die Gesamtzahl der Tuberkuloseerkrankungen ist seit Jahren rückgängig. Die hier aufgeführten Zahlen beziehen sich auf Subgruppen", erklärt Koch, "Die Zunahme ist also nicht unbedingt speziell bei Kindern, sondern generell bei Menschen mit Migrationshintergrund". Dies sei darauf zurückzuführen, dass sich die Betroffenen bereits in ihren Heimatländern oder bei Bekannten, die gerade erst eingereist sind, mit dem Erreger infiziert haben oder in Deutschland andere Menschen damit infizierten. "Bei Erwachsenen dauert es sehr lange, bis die die eigentliche Krankheit ausbricht, bei Kindern dagegen nimmt sie oft einen fulminanten Verlauf", weiß Koch. In Deutschland wird Tuberkulose mit einer Kombination von Medikamenten behandelt, die Behandlung zieht sich oft über ein halbes bis anderthalb Jahre hin. "Deshalb werden Betroffene in Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem meistens nicht ausreichend behandelt und schleppen die Krankheit so nach Deutschland", erklärt Koch.Tritt in Deutschland ein Fall von Tuberkulose auf, wird eine entsprechende Umgebungsuntersuchung eingeleitet, bei der Menschen im Umfeld des Erkrankten über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig getestet werden. Dadurch soll eine weitere Ausbreitung der Krankheit verhindert werden. In den Städten Zweibrücken und Pirmasens sowie im Kreis Südwestpfalz verbucht das Gesundheitsamt jährlich zirka ein bis zwei Fälle von Tuberkulose. Ist eine Tuberkulose erst mal diagnostiziert, lässt sie sich bei etwa über 80 Prozent der Betroffenen erfolgreich behandeln. Die Menschen, die letztendlich der Krankheit erliegen, wiesen meist schon andere Vorerkrankungen, zum Beispiel des Immunsystems, auf. "Die große Gefahr bei Tuberkulose sind jedoch sogenannte multiresistente Erreger, die nicht auf die Antibiotika reagieren", gibt der Arzt zu bedenken. "Bei uns in der Region hatten wir aber zum Glück noch keinen Fall von einem solchen multiresistenten Erreger."

Zurzeit ist in Zweibrücken ein Fall von Tuberkulose bekannt, allerdings sind bis jetzt noch keine Tochterfälle aufgetreten. Bei der betroffenen Person handelt es sich ebenfalls um jemanden mit Migrationshintergrund. "Das ist aber seit einem Jahr der erste Fall, den wir verzeichnen. Generell sollten die jetzt veröffentlichen Zahlen nicht zur Besorgnis anregen, aber man muss die Entwicklung natürlich im Auge behalten", mahnt Koch.

Foto: pma



Hintergrund

Tuberkulose ist im Volksmund als Schwindsucht bekannt, da die Betroffenen früher regelrecht 'dahingeschwunden' sind. Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die in den meisten Fällen die Lunge angreift. Erste Symptome sind ein ständiges Hüsteln sowie starker Nachtschweiß. Ein Röntgenbild der Lunge liefert einen eindeutigen Befund. Hat sicher der Erreger bereits in der Bronchie eingenistet, kann die Krankheit per Tröpfcheninfektion übertragen werden. Ärzte sind verpflichtet, Fälle von Tuberkulose an das zuständige Gesundheitsamt zu melden, das dann eine Umgebungsuntersuchung einleitet. tja