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| 21:42 Uhr

Fastnacht
Der Karnevalsorden ist mehr als Deko

Der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, präsentiert den aktuellen Karnevalsorden des Festkommitees Kölner Karneval.
Der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, präsentiert den aktuellen Karnevalsorden des Festkommitees Kölner Karneval. FOTO: Harald Tittel / dpa
Krummenau. Er ist der „Hingucker“ der fünften Jahreszeit: der Karnevalsorden. Zigtausendfach in allen Formen und Farben wird er im Hunsrück hergestellt. Er geht an Jecken in Köln, Mainz – und Chicago.

Kein Karnevalsorden ist wie der andere: Sie sind rund oder eckig, bunt oder grau - mit Schrift, Bildern, Wappen oder Steinchen verziert. Aber alle machen was her. Narren tragen sie zu Fastnacht an einer Kordel um den Hals gehängt als Schmuck und Auszeichnung. Dabei gibt es bei den glänzenden Stücken regionale Unterschiede. „Man kann generell sagen, dass die Orden in Köln größer sind als die in Mainz“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, in Krummenau im Hunsrück. Und er muss es wissen: Seine Firma stellt jedes Jahr rund 170 000 Orden und Ehrenzeichen für Jecken auch in den Hochburgen Köln und Mainz her.

„Also diese Wucht, die sich einfach in Größe und Gewicht niederschlägt, die schätzt man in Köln“, sagt der 55-Jährige. „Während man in Mainz eher darauf achtet, dass der Orden handwerklich oft sehr filigran ausgearbeitet ist, und dann darf der auch ein bisschen kleiner sein.“. Im Schnitt seien die Hingucker der närrischen Saison so um die 100 Gramm schwer. „Letztes Jahr hatten wir in Köln einen Orden, der wog mehr als 300 Gramm.“

Rund 1000 Kunden hat Zinnhannes, darunter auch etliche prominente Adressen: Seit acht Jahren fertigt der Betrieb mit 18 Mitarbeitern und etlichen Saisonkräften die Orden, Pins und Abzeichen für das Kölner Festkomitee. „Da sind wir natürlich stolz drauf“, sagt Schneider. Unter dem diesjährigen Motto „Mer Kölsche danze us der Reih“ (Wir Kölner tanzen aus der Reihe) ist ein Orden entstanden, dessen äußerer Rahmen beweglich ist - innen wackeln Figuren an Federn.

Auch für den 1. FC Köln hat das Haus Zinnhannes zum diesjährigen 70-Jährigen des Fußballvereins ein Exemplar in Form eines Spielfelds gefertigt. Die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) hat sich im Jahr des 200. Geburtstages des Trierer Sohnes Karl Marx neben der Porta Nigra den weltberühmten Philosophen auf den Orden anbringen lassen. Auch die Orden für das Koblenzer Prinzenpaar und die Rheinischen Karnevals-Corporationen (RKK) stammen aus Krummenau. Auch Papst Benedikt XVI. sowie Papst Franziskus hätten vom Kölner Festkomitee bereits den Orden bekommen.

„Karnevalsorden sind sehr wichtig“, sagt der Präsident der ATK, Andreas Peters, in Trier. Sie seien im Prinzip „ein Dankeschön, das man an jemanden zurückgibt, der sich im Karneval engagiert“. Und: „Viele sind stolz, dass sie ihn tragen und zeigen dürfen.“ Es gebe verschiedene Arten: Den jährlich neuen Sessionsorden von der Dachorganisation sowie von einzelnen Vereinen oder den Verdienstorden, den man ein Leben lang trage. Die ATK bestelle schon seit mindestens 20 Jahren ihren Sessionsorden bei der Firma Zinnhannes. „Ein paar hundert Stück sind das immer schon.“

Die 1969 gegründete Hunsrücker Firma, die rund 90 Prozent ihres Geschäftes mit dem Karneval macht, hat auch Kunden in Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und in den USA. Das seien Nachkommen von Deutschen, die in den 1950er Jahren dorthin ausgewandert seien und das närrische Brauchtum weiter pflegten, erzählt Schneider. „Das Prinzenpaar aus Chicago war zwei Mal hier, um die Orden zu besprechen.“ Das sei ein kleiner, aber interessanter Markt, weil es in den USA keinen Hersteller von Karnevalsorden gebe.

Angefangen hat die HZG Hunsrücker Zinnwarenhandelsgesellschaft - wie das Unternehmen offiziell heißt - mit traditionellen Gegenständen aus Zinn, wie Bechern, Tellern, Kerzenleuchtern. Als das nicht mehr gut lief, entdeckte die Zinngießerei in den 1970er und 1980er Jahren den Markt mit den in Rheinland-Pfalz stationierten US-Amerikanern. „Wir haben für die alle möglichen Plaketten gemacht, das war der Sprung in Richtung erste Karnevalsorden“, sagt Schneider. Auch Wappenteller aus Zinn waren beliebt. Aber auch dieser Markt war irgendwann weg.

Heute fließt die Zinnlegierung vor allem in Orden. „Es ist sehr viel Handarbeit dabei“, sagt Schneider. Die Stücke werden nach dem Entwurf gegossen, geschliffen, poliert, galvanisch veredelt und dann per Hand bemalt. Laut Schneider gehört Zinnhannes zu den fünf größten Herstellern von Karnevalsorden in Deutschland. Solche Orden wurden erstmals im 19. Jahrhundert als Persiflage auf die militärischen Orden der Preußen verliehen.

ATK-Präsident Peters bekommt jedes Jahr um die 30 neue Orden dazu. Er trage aber in der Regel immer nur den Sessionsorden der ATK - plus einen Orden des Vereins, den er gerade besuche. „Wenn man mit 30 Orden kommt, dann hört sich das ja an wie Almabtrieb.“

Ein Mitarbeiter der Firma Zinnhannes bemalt Karnevalsorden.
Ein Mitarbeiter der Firma Zinnhannes bemalt Karnevalsorden. FOTO: Harald Tittel / dpa
(dpa)