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„Business-Bullshit für Anfänger“: Blödsprech auf der Arbeit verstehen

München. Fremdwörter lassen einen schlau wirken – scheint wenigstens so mancher Zeitgenosse in seinem beruflichen Umfeld zu denken, wenn er beispielsweise von B2B, Benefits oder Power Nap fabuliert. Ein Buch erklärt jetzt, was dieses Geschwafel meint. Eric Kolling

"Stromberg"-Fans kennen das zur Genüge: Da steht einem ein fachlich-inkompetenter Chef (zu deutlich hat man den genialen Christoph Maria Herbst vor Augen) gegenüber, der versucht, sich mit hochtrabend-genial klingendem Kauderwelsch wichtig zu machen, obwohl er von nichts eine Ahnung hat. Genau in solchen Momenten soll das 130-seitige Büchlein helfen, das der Langenscheidt-Verlag unter dem Titel "Business Bullshit für Ein- und Aufsteiger" aufgelegt hat.

Dann nämlich, wenn man in der Firma kein Wort von dem versteht, was "da zwischen den Wortführern hin und her pingt und pongt". Es soll auch allen ein Ratgeber sein, die "nicht länger raten wollen, was der Chef, der Kollege oder der Kunde gerade sagen will".

Dazu hat Autor Axel Gundelach (unterstützt von Illustrator Lothar Krebs, der etwa herrlich schräge Dialoge in Comicform visualisiert) fünf Kapitel aufeinander aufgebaut. Zunächst lernt man einen Grundwortschatz des sogenannten "Bullshits" (einer Mischung aus Humbug, Blödsinn und Fachjargon) nebst Erklärungen wie "Casual Friday" (Tag mit gelockerter Kleiderordnung) oder Downsizing (Firmenschrumpfung) und kann den in einem kleinen Quiz testen. Auch das Jonglieren mit Akronymen wie CEO, B2B, FUCT oder SPOC lehrt Gundelach auf höchst witzige Weise. Dann erteilt er eine Lektion, wie man im Bullshit-Stil mit Kunden, Untergebenen und dem Vorgesetzten spricht. Letztgenanntes steht unter dem Motto: "Mit Charme im Darm". Das "Big Business" (das ganz große Rad drehen) darf man da gerne erwähnen, die "Benefits" (Nutzen) oder den "Mehrwert", natürlich auch die gute alte "Pipeline" (darin steckt alles, was grad irgendwo bearbeitet wird, Ergebnis: offen!) oder das manchmal nötige "Power Nap" (Büroschläfchen). Wichtige Verben in der Bullshit-Sprache: Man cancelt etwas, spricht von aufgleisen, committet sich auf etwas oder ist fein mit einer Sache. Wie Gundelach satirisch und halbernst das Blödsprech manches Wichtigtuers auf die Schippe nimmt, ist eine Wonne. Ein Comic bringt das Sprachelend auf den Punkt. Der Chef erklärt: "Die Implementierung dieses innovativen Prozesses ist unter Routinekriterien bei uns auch von den pretested standard skills her not out-of-the-box." Der Untergebene: "Häh?" Der Chef: "Das haben wir noch nie so gemacht!" Alles klar?

Axel Gundelach: Business Bullshit für Ein- und Aufsteiger, 10 Euro, ISBN: 978-3-468-73901-9