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Einsatz für mehr Strom aus Sonnenenergie
BUND startet „Solaroffensive“

Solaranlagen auf Privathäusern – das ist ein Bild, das die Naturschützer des BUND in Rheinland-Pfalz gerne deutlich öfter sehen würden.
Solaranlagen auf Privathäusern – das ist ein Bild, das die Naturschützer des BUND in Rheinland-Pfalz gerne deutlich öfter sehen würden. FOTO: Marc M¸ller / picture alliance / dpa
Bad Kreuznach. Der Ausbau von Solaranlagen auf privaten Dächern hat sich verlangsamt. Jetzt wollen die Naturschützer wieder Schwung in die Nutzung der Photovoltaik bringen und auch die Solarthermie vorantreiben.

Mit einer „Solaroffensive“ wollen die Naturschützer des BUND die Nutzung der Sonnenenergie in Rheinland-Pfalz ankurbeln. Dies sei bei den nahezu täglich eintreffenden Horrormeldungen zum Klimawandel – zuletzt die Verlangsamung des Golfstroms – unumgänglich, sagte der stellvertretender BUND-Landesvorsitzende Michael Carl am Samstag auf der Landesdelegiertenversammlung in Bad Kreuznach.

Nach Angaben der BUND-Landesgeschäftsführerin Sabine Yacoub ist der Ausbau von Photovoltaik (PV), also der Stromerzeugung aus Solarenergie, zuletzt stark zurückgegangen. Die Ursache dafür liege in Bestimmungen des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG-Gesetz) zur Einspeisung von Solarstrom ins Netz. „Mittlerweile lohnt es sich auch für Privathaushalte wieder, die Photovoltaik zu nutzen.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) startet daher eine „Solaroffensive“ für Rheinland-Pfalz. Neben der Stromerzeugung richtet sich das Augenmerk auch auf die Solarthermie, also die Umwandlung der Sonnenenergie in Heizenergie. Gerade in Neubaugebieten sei die Solarthermie eine gute Lösung etwa für Nahwärmenetze. Bisher werden für solche Netze zur Versorgung von Gemeinden mit Heizenergie oft Holzhackschnitzel verbrannt. Die Verbrennung des nachwachsenden Rohstoffs gilt als klimaneutral: Es wird nur etwa so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie im Wachstumsprozess des Baums durch die Photosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen wurde.



Erst kürzlich wurde in Bitburg ein neues Nahwärmenetz eingerichtet, das jährlich etwa 510 000 Liter Heizöl einspart. Landesweit liegt der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmeversorgung zurzeit bei etwa elf Prozent.

„Der Klimawandel lässt sich nur mit ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen begrenzen. Die Energiewende muss daher die Strom-, Wärme- und Mobilitätswende umfassen“, forderte der Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen Energieagentur, Thomas Pensel. Er unterstütze die BUND-Solaroffensive daher ausdrücklich.

„Es kann gar nicht genug Unterstützer geben, um die Photovoltaik und Solarthermie voranzubringen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Klimawandel könne nur mit der Energiewende gebremst werden. Mit Blick auf Windkraftgegner in den Reihen der Naturschützer fügte Pensel hinzu: „Der Klimawandel wird viel massivere Schädigungen in der Natur herbeiführen als der Bau von Windkraftanlagen.“

Mit ihrer Zentrale in Kaiserslautern und acht Regionalstellen berät die Energieagentur Kommunen unter anderem bei der Einrichtung von Solardächern. Der zentrale Betriebshof des Entsorgungsbetriebs Mainz deckt auf diese Weise rund die Hälfte seines gesamten Strombedarfs - allein dort wurden im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit einer Bürgerenergiegenossenschaft 57 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Weitere Photovoltaik-Anlagen stehen auf anderen Gebäuden und Hallen des Entsorgungsbetriebs.

„Inzwischen ist es sinnvoller, den Strom selbst zu nutzen als ihn ins Netz abzugeben“, sagte Pensel. Auch kommunale Kläranlagen haben einen ständigen Strombedarf und oft auch Freiflächen verfügbar, auf denen Solarpanel aufgestellt werden können. „Ich sehe noch großes Potenzial für die Photovoltaik in Rheinland-Pfalz“, sagt Pensel. „Da sind die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.“

In der „Solaroffensive“ wollen die Naturschützer auf die Kommunen zugehen und mit diesen möglichst viele Einwohner erreichen. Zunächst gehe es darum, das Thema wieder bewusster zu machen, erklärte BUND-Landesgeschäftsführerin Yacoub. Wenn die Vorteile bekannter seien, würden auch wieder mehr PV-Anlagen installiert. „Wir wollen den Ausbau der Solarenergie wieder in Schwung bekommen.“

(dpa)