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Blutige Reißer gibt's erst zum Nachtisch

Vampire faszinieren seit jeher die Menschen. Es gibt dazu unzählige Filme, Bücher und sogar Musicals. Warum? Weil sie elegant, schlau und böse sind. Ganz im Gegensatz zu stinkenden Zombies, denen keine Frau etwas abgewinnen kann, sagt Markus Heitz. Foto: dpa
Vampire faszinieren seit jeher die Menschen. Es gibt dazu unzählige Filme, Bücher und sogar Musicals. Warum? Weil sie elegant, schlau und böse sind. Ganz im Gegensatz zu stinkenden Zombies, denen keine Frau etwas abgewinnen kann, sagt Markus Heitz. Foto: dpa
Kann man Bram Stoker als den Vater oder den Geburtshelfer der Vampirromane ansehen?Markus Heitz: Nein, eigentlich nicht. Es gab schon viele andere Autoren vor ihm, die sich mit den Vampiren auseinandersetzen, darunter auch Goethe oder Tolstoi

Kann man Bram Stoker als den Vater oder den Geburtshelfer der Vampirromane ansehen?Markus Heitz: Nein, eigentlich nicht. Es gab schon viele andere Autoren vor ihm, die sich mit den Vampiren auseinandersetzen, darunter auch Goethe oder Tolstoi. Bram Stoker selbst war inspiriert von Joseph Sheridan Le Fanus Werk "Carmilla" und wollte danach auch einen Vampirroman schreiben. Der Legende nach war in der ersten Fassung seines Romans eine Vampirin unterwegs, bis er auf die historische Figur Vlad Tepes stieß, den man gemeinhin Dracula nannte. Darauf entstand der Roman mit diesem Antihelden. Stoker war derjenige, der am meisten vom Interesse am Unheimlichen profitierte und letztlich den Vampir noch bekannter machte. Ich würde sagen, er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Kommt Bram Stoker auch in Ihrem 2009 erschienenen Sachbuch "Vampire! Vampire! Alles über Blutsauger" vor?

Heitz: Sicherlich. Ich zeige darin, was Stoker in seinem Roman alles vermischte.



Hat Bram Stokers Werk Dracula Sie beeinflusst?

Heitz: Ich kannte zahlreiche Verfilmungen, bevor ich den Roman las. Tatsächlich habe ich die alten Werke vorher gelesen und fand sie auch spannender. Beeinflusst hat es mich insofern, als ich mir Gedanken darüber machte, woher die ganzen Attribute stammen, die man Vampiren zuspricht: Stärke, Geschwindigkeit, fehlendes Spiegelbild. Als Historiker bin ich dem Ganzen auf die Spur gegangen und fand Erstaunliches in den alten Akten. Und nein, ich glaube nicht an Vampire. Aber die Menschen damals taten es.

Was würden Sie Stoker fragen, sofern er heute noch lebte?

Heitz: Um ehrlich zu sein . . . . nichts.

Waren Sie schon mal in Transsylvanien oder würden Sie dort gerne mal hin?

Heitz: Spannendes Thema! Ich würde den "Osten" wirklich mal gerne bereisen und dem Vampirglauben auf den Zahn fühlen. Das heißt, inwieweit er heute für die Menschen dort noch eine Rolle spielt, sowohl in Städten als auch in Dörfern. Aber die Sprachbarriere hindert mich. Mit Englisch und Französisch kommt man nur bedingt weit, und Latein . . . nun ja. In Rumänien vielleicht ein bisschen. Aber ich war ziemlich schlecht in Latein.

Was würden Sie sich da ansehen?

Heitz: Die Ruinen des historischen Bauwerks, in dem Vlad Tepes residierte - nicht das Schlösschen, das sie dort für die Touristen aufpoliert haben.

Wie schätzen Sie das literarische Werk Stokers hinsichtlich der nachfolgenden Romane des Genres ein?

Heitz: Stoker hat vor allem das Kino und die Filmemacher inspiriert. Friedrich Murnau begann den Reigen mit seinem damaligen Schocker "Nosferatu". Kinski spielte 1979 ebenfalls Nosferatu. Die englischen Hammer-Studios haben in den 70ern reichlich schlechte Dracula-Werke verbrochen. Dann kam die Welle mit Gary Oldman als schick-verzweifeltem Dracula. Die Blade-Trilogie mit Action folgte, und schließlich mündete es in die überromantisierte Interpretation von Twilight. Das ist gruselig.

Was macht die Faszination des Vampirs aus?

Heitz: Dass er sexy, gefährlich und tödlich ist. Zombies sind nicht sexy, aber auch tödlich. Aber selten sind gammelnde Leichen ein großer Publikumsrenner. Dann eher smarte Blutsauger, wie sie in unzähligen Büchern und Serien gerade umherwandeln.

Was halten Sie vom Hype um die Twilight-Saga oder von den erfolgreichen TV-Serien wie True Blood oder Vampires Diaries?

Heitz: Oh, habe ich eine zu gute Vorlage für die Anschlussfrage geliefert? Nun ja, es gibt gute Ansätze darin, würde ich sagen.

Denken Sie darüber nach mal eine Geschichte in unserer Region spielen zu lassen?

Heitz: Ich baue die Heimat ein, wo es sich anbietet, wie beispielsweise in dem Roman RITUS. Im Roman gibt es eine Verfolgungsszene auf dem Campus des Homburger Uniklinikums. Kleinere Erwähnungen kommen immer mal wieder vor.

Was haben Saarländer und Vampire gemeinsam?

Heitz: Es gibt nur sehr wenige davon, aber sie sind überall anzutreffen.

Warum stehen gerade Frauen so auf Vampire?

Heitz: Frauen stehen auf die bösen Jungs, solange die bösen Jungs sexy sind. Wie gesagt, Zombies haben eher weniger eine Chance. Fragen Sie doch mal in Ihrem Freundeskreis die werte Damenschaft, ob sie lieber mit einem trainierten Blutsauger oder einem stinkenden Zombie ein Schäferstündchen verbringen wollen. Der Vampir ist der Reiz, die Gefahr, die Leidenschaft, das Animalische. Im Volksglauben dagegen ist er einfach nur eine Bestie, ein Monstrum, das man vernichten muss.

Haben Sie als Kind die Märchen der Gebrüder Grimm gelesen oder vorgelesen bekommen?

Heitz: Ja. Ich kenne sie alle. Aber auch Andersen, Tieck, E.T.A. Hoffmann.

Waren die Gebrüder Grimm nicht die ersten großen Fantasy- und Horrorschriftsteller?

Heitz: Nein, waren sie nicht. Sie waren die Sammler und Bewahrer alter Geschichten, haben diese aber komplett neu geschrieben. Sie waren eher die Romantiker oder die Literaten des späteren Sturm und Drang. Aber die Grimms haben einen sehr guten Job gemacht.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben ihrer Romane inspiriert?

Heitz: Das Lesen. Nach unzähligen verschlungenen Büchern war mit 14 Jahren einfach der Wunsch da, selbst Geschichten zu erzählen. Das mache ich bis heute.

Wie ist Ihr Talent zum Schreiben von fantastischen Romanen zu erklären?

Heitz: Gar nicht, fürchte ich. Ich stamme aus einer Krankenpfleger- und Bauernfamilie. Es gab darin keine besonderen schriftstellerischen Auffälligkeiten. Ich vermute mal, weil keine Zeit dazu war. Aber irgendwo in der Linie muss der Keim geschlummert haben.

Können Sie unseren Lesern ein bisschen Appetit auf ihren neuen, am 2.Mai erscheinenden Roman "Oneiros" machen? Wovon handelt die Geschichte?

Heitz: Ein Horrorthriller ohne Dämonen, Vampire und Werwölfe. Mal was anderes, dachte ich mir. In Paris rast ein Airbus ungebremst in ein Flughafenterminal. Die Ermittlungen zu dem Unglück beginnen sofort - aber die Ergebnisse sind rätselhaft: Sämtliche Insassen waren schon tot, bevor das Flugzeug auf das Gebäude traf. Was die Polizei jedoch nicht herausfindet, ist, dass es einen Überlebenden gibt. Konstantin Korff, Bestatter aus Leipzig, kommt diesem Überlebenden hingegen schnell auf die Spur, ebenso wie eine Wissenschaftlerin - denn diese drei Menschen tragen denselben tödlichen Fluch in sich. Einen Fluch, der sie zu einer Gefahr für jeden in ihrer Umgebung macht. Es geht um Tod, ewiges Leben, den Schlaf. Ich habe im Anhang des Romans zur Thematik ein Interview mit Professor Joachim Oertel, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums in Homburg, geführt.

Kehren Sie irgendwann nach Ulldart zurück und geht die Geschichte dann weiter?

Heitz: Ulldart ist erst einmal durch. Mit neun Bänden ist es die umfangreichste Serie.

Obwohl Sie zu den erfolgreichsten und meistgelesenen Schriftstellern ihres Genres zählen, kennen n unserer Region viele Leute Ihr Gesicht und Ihren Namen nicht. Kommt das Ihrem Charakter entgegen, oder würden Sie auch einen größeren Erkennungsfaktor genießen?

Heitz: Ich bin sehr froh darüber, ein entspanntes Leben führen zu können. Ob das an mangelnder Wiedererkennung oder höflicher Zurückhaltung liegt, ist mir eigentlich egal. Ich brauche jedenfalls kein Aufsehen um meine Person.

Sie komponieren originelle Backrezepte. Welches würde Ihnen zu Bram Stoker und seiner Figur Graf Dracula einfallen? Würden Sie ein Rezept zu Ehren von Bram Stoker aufschreiben?

Heitz: Spontan wäre ich da für "Blutige Reißer": Man nehme die Rezeptur für das Gebäck der "Löwenzähne", backe sie, überziehe sie nach dem Abkühlen zu zwei Dritteln mit weißem Zitronenzuckerguss und serviere sie dann zusammen mit einem Schälchen Erdbeermarmelade zum Dippen als Blutersatz. Voilà.

"Vampire sind überall anzutreffen."

Markus Heitz

Zur Person

Der irische Schriftsteller Bram Stoker wurde am 8. November 1847 bei Dublin geboren. Er war bis zu seinem siebten Lebensjahr krank und konnte alleine weder stehen noch gehen. Diese traumatische Erfahrung spiegelt sich in seinen Büchern wider. Sieben Jahre arbeitete Stoker an seinem Vampirroman, bis er am 18. Mai 1897 veröffentlicht wurde. Stoker starb in finanziell bescheidenen Verhältnissen 1912 in London. red