| 00:21 Uhr

Blick in die Abgründe des Spießertums

Ruhe und Ordnung wiederhergestellt: Nepo Fitz. Foto: Marco Wille
Ruhe und Ordnung wiederhergestellt: Nepo Fitz. Foto: Marco Wille
Zweibrücken. Falls die Kabarettkarriere von Nepo Fitz scheitern sollte, dann hat er sicherlich die Möglichkeit, sich im Musikgeschäft zu versuchen. Sein gesangliches Talent stellte der 30-jährige gebürtige Bayer am Freitagabend im Wintergarten der Zweibrücker Festhalle zur Genüge unter Beweis Von Merkur-Mitarbeiter Marco Wille

Zweibrücken. Falls die Kabarettkarriere von Nepo Fitz scheitern sollte, dann hat er sicherlich die Möglichkeit, sich im Musikgeschäft zu versuchen. Sein gesangliches Talent stellte der 30-jährige gebürtige Bayer am Freitagabend im Wintergarten der Zweibrücker Festhalle zur Genüge unter Beweis."Ruhe und Ordnung sind wieder hergestellt", lautete eine seiner Textzeilen, als Fitz den "Siedlungscobwoy" auf seinem Patrouillengang durch die Nachbarsgärten verkörperte. "Ruhe und Ordnung sind wiederhergestellt", das galt aber auch in der Festhalle, als der Kabarettist mit seinem Programm "Brunftzeit-Wildwechsel & Liebestaumel" zu Ende war. Denn es war nichts für schwache Ohren, was Nepo Fitz und seine drei Kollegen an Gitarre, Bass und vor allem Schlagzeug von sich gaben. Immer wieder kamen harte Rock'n'Roll-Sets zum Einsatz und machten den Auftritt zu etwas ganz anderem, als man es sonst beim Kabarett gewohnt ist. Man nahm Nepo Fitz, dem Sohn von Lisa Fitz und Ali Khan, durchaus ab, als er lauthals verkündete: "Weibergeschichten, Sex und Rock'n'Roll. Ich habe nix ausgelassen. Bei den Drogen habe ich mich zurückgehalten, da zehrte ich vom Pegel meiner Eltern." Wie von der Tarantel gestochen rannte Fitz immer wieder auf der Bühne hin und her.

Selbst Adolf Hitler, den er mit einem Marionettentanz veralberte, oder seinen eigenen Vater, der an diesem Abend am Schlagzeug saß, nahm Fitz auf die Schippe. In der Rolle erkennt er eines Tages den Kern des Lebens und dankt ab von den vielen Facebook-Flirt-Fehlgriffen. Er startet mit seiner Frau und der Doppelhaushälfte in Freising sowie dem VW Jetta in der Garage das Ikea-Nestbauprogramm. Mit Blick auf die Abgründe des Spießertums erhört er jedoch schnell die innere Stimme, die ihm sagt, dass dieses Leben kein Hafen sei, sondern eine Werft. Und er sei kein Seemann, sondern ein Oktopus, der wieder hinaus in den freien Ozean müsse.