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Beethovens Sonaten mit passender Pianisten-Frisur

Metz. Etliche Mikrofone schmückten am Dienstag die Bühne der Salle de l'Esplanade im Arsenal. Zwischen den Stücken kroch schon mal ein Klaviertechniker unter den Flügel, um ein quietschendes Pedal zu beruhigen. Der Franzose François-Frédéric Guy war hier zu seinem 10 Von Merkur-Mitarbeiter Helmut Fackler

Metz. Etliche Mikrofone schmückten am Dienstag die Bühne der Salle de l'Esplanade im Arsenal. Zwischen den Stücken kroch schon mal ein Klaviertechniker unter den Flügel, um ein quietschendes Pedal zu beruhigen. Der Franzose François-Frédéric Guy war hier zu seinem 10. Konzert mit Beethoven-Sonaten angetreten, die in Live-Mitschnitten als integrale CD-Edition peu à peu auf den Markt kommen. In Deutschland ist der 43-Jährige mit der ergrauten Beethoven-Mähne weniger bekannt. Umso erstaunlicher seine Spezialität: Beethovens 32 Klaviersonaten.Diesmal waren es die ersten drei, das Opus 2, Joseph Haydn gewidmet. Guys feingliedrige Hände versprachen gepflegtes "jeu perlé" Haydnscher Prägung und enttäuschten nicht. Die perfekte Technik konnte zwar kleine Live-Unsauberkeiten nicht ganz vermeiden, verhalf aber zu Klarheit und sinnstiftender Linienführung.

Da störten dann der harte Diskant, in Pausen hineinragende Pedal-Nachklänge oder in langsamen Sätzen eine leicht manierierte Asynchronität zwischen rechter und linker Hand schon ein wenig. Das jedoch trübte den Hörgenuss nur wenig, und so genoss man die Entwicklung von Beethovens kompositorischem Selbstbewusstsein, das die Modelle der Vorbilder zwar nutzte, aber neue Maßstäbe setzte.

Die knappe, dramatische Diktion der ersten Sonate in F-moll wurde von Guy eher gemessen realisiert. Im A-Dur der Zweiten entdeckte er mit Beethoven auf spielerische Weise die orchestralen Möglichkeiten des Fortepiano; im strahlenden C-Dur der Dritten führte pure Virtuosität zu konzertanter Brillanz. Guy steigerte sich von zurückhaltender Emotion zu ausgeweitet dynamischem Spiel, kantigen Akzenten und reicherer Farbpalette.



Einfach beeindruckend, wie der überaus ruhig und unprätentiös am Flügel sitzende Künstler ein derartiges Feuerwerk entfachte.

ffguy.net