| 23:08 Uhr

Anwalt fordert stichhaltige Beweise

 Justizvollzugsbeamte nehmen im Gerichtssaal dem Angeklagten Hussam S. (Zweiter von rechts) die Fußfesseln ab. Rechts sein Verteidiger Christoph Clanget. Foto: Thomas Frey/dpa
Justizvollzugsbeamte nehmen im Gerichtssaal dem Angeklagten Hussam S. (Zweiter von rechts) die Fußfesseln ab. Rechts sein Verteidiger Christoph Clanget. Foto: Thomas Frey/dpa
Koblenz. Die Verteidigung im Koblenzer Terrorhelferprozess hält die Beweislage für nicht ausreichend, um den Angeklagten Hussam S. zu verurteilen. Der Anwalt des 26-Jährigen, Christoph Clanget, sprach gestern vor dem Oberlandesgericht Koblenz (OLG) von "lückenhaften Ermittlungen", ohne explizit auf einen Freispruch zu plädieren. Hussam S Von dpa-Mitarbeiter Christian Schultz

Koblenz. Die Verteidigung im Koblenzer Terrorhelferprozess hält die Beweislage für nicht ausreichend, um den Angeklagten Hussam S. zu verurteilen. Der Anwalt des 26-Jährigen, Christoph Clanget, sprach gestern vor dem Oberlandesgericht Koblenz (OLG) von "lückenhaften Ermittlungen", ohne explizit auf einen Freispruch zu plädieren. Hussam S. wird vorgeworfen, im Internet für Terrororganisationen wie Al-Qaida geworben zu haben.Laut Verteidigung wurde nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass der Angeklagte hinter bestimmten Email-Adressen und Nutzernamen steckt, mit denen Einträge ins Internet gestellt wurden. Teilweise seien E-Mail-Adressen und Einträge dem Angeklagten zugeordnet worden, nur weil sich Texte ähnelten. "Das halte ich für geradezu abenteuerlich", sagte Clanget. "Wir haben hier ein technisches Medium. Wer hinter der Maske steckt, weiß man nicht ohne weiteres."

Erstaunlich sei, dass bei einer E-Mail-Adresse viele Nachrichten in türkischer Sprache eingegangen seien, der Angeklagte aber kein Türkisch könne. Zudem sei ein Forum mit islamistischem Inhalt, das Hussam S. aufgebaut haben soll, erst nach seiner Festnahme geschlossen worden. Insgesamt bestehe "erheblicher Raum", an der Täterschaft des 26-Jährigen zu zweifeln. Die Bundesanwaltschaft hatte am Vortag fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Hussam S. habe sich in den Jahren 2008 und 2009 zu "dem Hauptakteur der deutschsprachigen, dschihadistischen Propaganda im Internet" aufgeschwungen und zum Heiligen Krieg aufgerufen, sagte Oberstaatsanwalt Markus Dienst und sprach von einer Fülle an Beweisen und Indizien. Zudem habe der Angeklagte keinerlei Reue gezeigt (wir berichteten). Den Vorwurf der lückenhaften Ermittlungen wies Dienst zurück. Laut Anklage soll Hussam S., der seit 1990 in Deutschland lebt, unter anderem deutsche Übersetzungen von Audio- und Videobotschaften der Terrororganisationen Al-Qaida sowie Al-Qaida im Irak im Internet veröffentlicht oder verlinkt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, Webblogs und ein Forum eingerichtet zu haben. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann könnte es zum Urteil kommen. Offen ist noch, ob der Senat einen Hilfsbeweisantrag der Verteidigung zulässt.