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Antiquare: Branche wird sich in Nische entwickeln

Hamburg/Elbingen. Das Internet und sinkende Preise machen Antiquaren in Deutschland nach Meinung des Branchenverbandes zu schaffen

Hamburg/Elbingen. Das Internet und sinkende Preise machen Antiquaren in Deutschland nach Meinung des Branchenverbandes zu schaffen. Dadurch habe sich vieles in den vergangenen 15 Jahren dramatisch verändert, sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Antiquare mit Sitz im rheinland-pfälzischen Elbingen, Christian Hesse, jetzt der dpa anlässlich des bevorstenden Welttages des Buches am 23. April.Zu den Kompetenzen eines Antiquars zähle traditionell, dass er Bücher findet, beschreibt und sie in einen literaturgeschichtlichen Zusammenhang einordnet. Zudem stellten Antiquare eine Verbindung zwischen Buchbesitzern und Käufern her. "Heute kann aber jeder im Internet suchen", sagte Hesse. Die Informationsbeschaffung sei viel einfacher geworden. Buchlisten etwa ließen sich heutzutage durch bloßes Kopieren ohne großes eigenes Wissen zusammenstellen.

Das alles habe dazu geführt, dass viele Menschen Bücher privat anböten - und nicht mehr über Antiquariate. "Viele lösen den Bücherschrank der Großmutter mittlerweile selbst auf", sagte Hesse. Damit verbunden sei ein enormer Preisverfall. Viele Bücher seien gar nicht so selten wie früher angenommen und mit Hilfe des Internets leichter zu finden. Zudem sei der Preis vielen Privatverkäufern eher egal. "Hauptsache die Sachen aus dem Keller der Großmutter sind weg."

All das führe dazu, dass die Zahl antiquarischer Ladengeschäfte abnehme. "Viele können sich hohe Mieten an attraktiven Standorten nicht mehr leisten", sagte Hesse, der Auktionator in Hamburg ist. "Damit verschwindet aber auch das Erleben des antiquarischen Buches."



Die Chance für Antiquariate bestehe darin, sich noch mehr in eine Nische zu begeben. Dabei richte sich das Angebot an Menschen, die Bücher weniger als Gegenstand zur Informationsvermittlung denn als Kunstgegenstand betrachteten. "Hier wird es auch weiterhin Sammler geben. Das ist ein kleines und hochpreisiges Segment." dpa