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Anstößiges vom Feinsten

Homburg. Mit einem furiosen Querschnitt durch die Welt des Musicals hat sich im Homburger Saalbau eine hier bestens bekannte Truppe vorgestellt: Seit zehn Jahren gibt es "Musical Magics", Grund genug, den Musicalfreunden ein Programm zu bieten, das gern "Best of" genannt wird Von Merkur-Mitarbeiter Michael Schneider

Homburg. Mit einem furiosen Querschnitt durch die Welt des Musicals hat sich im Homburger Saalbau eine hier bestens bekannte Truppe vorgestellt: Seit zehn Jahren gibt es "Musical Magics", Grund genug, den Musicalfreunden ein Programm zu bieten, das gern "Best of" genannt wird.Die 400 Besucher im Homburger Saalbau verdankten das tolle Gastspiel der Jungen Union Homburg, der es wieder gelungen war, die fabelhafte Bühnentruppe zu verpflichten.

Was Moderator Markus Mitschke im Lauf des rund vierstündigen Programms anzusagen hatte, war Musical vom Feinsten. Keine Sekunde Leerlauf vermochte es, die Abfolge von toll servierten "Appetithäppchen" aus bekannten bis berühmten Musicals, aus Klassikern und recht jungen Inszenierungen zu bremsen.

"Wir sind begeistert. So einen schönen Abend hatten wir lange nicht mehr", sagte Christa Janik. Sie freute sich mit ihrem mann Klaus und dem Ensemble darüber, dass nicht nur Homburger Musicalfreunde, sondern auch Fans von weit her den Weg in den Homburger Saalbau gefunden hatten.



Das Musical-Ereignis hatte schon mit den Hexen von Oz begonnen, die das Publikum für ihre geheimnisvollen Künste begeisterten. Fehlen durfte auch nicht das "Phantom der Oper" mit Michael Thinnes in der Titelrolle. Apropos Michael Thinnes: Der hatte nicht nur die Gesamtleitung, sondern lieh dem Krolock im "Tanz der Vampire" auch seine gewaltige Stimme. Gerade darauf hatten sich die Fans von Musical Magics schon gefreut. Natürlich sang er auch den "Dracula" aus dem gleichnamigen Musical.

Waren diese Musicals längst Publikumserfolge in aller Welt, so stehen andere erst am Anfang eines erfolgreichen Weges. Auch solcher Produktionen hatte sich "Musical Magics" angenommen und für die Jubiläumstour perfekt einstudiert.

So erinnerte "Elisabeth" an das gar nicht so traumhafte Leben der österreichischen Kaiserin "Sissi" und geisterte die düstere Mrs. Denvers durch das Schloss, durch das scheinbar immer noch der Geist der einstigen Herrin "Rebecca" wanderte. Mit einem Tau erinnerte die Truppe an die Suche nach ihr. Im Kontrast zu diesem eher unheimlichen Stoff standen die lustigen "Drei von der Tankstelle", setzte der "König der Löwen" bunte und Fernweh weckende Farbtupfer.

Während Michael Thinnes einen fast täuschend echten Rocksänger Udo Lindenberg gab, schlichen Vopos an der Berliner Mauer entlang. Eine Szene aus "Hinterm Horizont", zu dem aber auch eine fast frivole Szene von der "Andrea Doria" gehörte. Richtig frivol wurde es dann im "Moulin Rouge". Da konnte selbst der Moderator der anstößigen Bühnenszenerie nicht widerstehen und mischte sich schließlich unter die Damen der Revue.

Die große Zeit der Rockmusik brach mit "We will rock you" an, und mit der "Rocky Horror Picture Show" wurde es noch mal richtig schräg. An die Disco-Hits und Filme der Bee Gees erinnerte schließlich "Saturday Night Fever". Auf die Uhr geschaut hatte bis dahin wohl kaum einer. Das Publikum hätte noch weiter mitgemacht. Mit Peter Maffays "Tabaluga" hatten die Musical-Akteure noch eine feine Zugabe parat.

Die muntere Band begleitete das Musical-Feuerwerk vom Vorraum aus. Die Musiker waren richtig aufgedreht, erheiterten die Leute mehrmals mit Gags. Zum Beispiel mit diesem: Am Ende der Pause spielten sie, einmal sogar dicht gedrängt im Lift, Max Gregers "Up to date", bekannt vor allem als Titelmelodie des "Aktuellen Sportstudios" im ZDF.

 Unheimlich war der Tanz der Vampire. Fotos: Michael Schneider
Unheimlich war der Tanz der Vampire. Fotos: Michael Schneider