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Ankömmlinge drängen ans Lenkrad

Neustadt/Weinstraße. Den Führerschein zu haben, ist im Berufsleben sehr wichtig. Die Fahrlehrer rechnen daher damit, dass bald zahlreiche Flüchtlinge zu ihren Schülern zählen werden. Das bringt auch Herausforderungen mit sich. Agentur

Fahrlehrer rechnen seitens der Flüchtlinge mit einer starken Nachfrage nach Unterricht. Zugleich entstünden damit für die Lehrer neue Herausforderungen, etwa hinsichtlich der Sprache und Mentalität der neuen Klientel, sagte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Pfalz, Roland Semar, auf Anfrage in Neustadt an der Weinstraße. "Da sehen wir kurzfristig einen ganz hohen Aufklärungsbedarf bei den Fahrlehrern." Eine potenzielle Kundschaft sieht er auch in älteren Autofahrern, die mit den neuen Assistenzsystemen in neuen Autos vertraut gemacht werden müssten.

Hinsichtlich der Flüchtlinge rechne er mit kräftigen Zugängen, denn meist kämen ja junge Leute, und die hätten keinen Führerschein , sagte Semar. Für die Fahrlehrer verbinde sich damit auch die Frage nach den Kostenstrukturen , denn die Flüchtlinge hätten kein Geld. Eventuell könne der Staat dann den Führerschein subventionieren, denn der habe eine große Bedeutung für das Berufsleben . "Ohne Führerschein kein Job, ohne Job kein Geld", sagte Semar. Nach seinen Angaben kostet ein Führerschein heute etwa zwischen 1800 und 2000 Euro.

Die Frage sei auch, wie man sich mit der neuen Klientel verständigen werde. "Da werden wir uns in Zukunft schon Gedanken machen müssen." Unter Umständen müsse sowohl der Fahrschüler als auch der -lehrer einen Sprachkurs machen. Die Prüfung könne in Deutschland in elf Fremdsprachen abgelegt werden. "Arabisch gehört nicht dazu, es gibt so viele Dialekte", erklärte Semar. Er wies darauf hin, dass es in Großstädten wie Mannheim bereits türkische Fahrlehrer gibt. Auch die Mentalität der Neuankömmlinge, etwa die Einstellung zum Verhältnis von Männern und Frauen, werde ein Thema sein.

Eine andere Kunden-Gruppe seien die Senioren, sagte Semar. "Ihre Zahl nimmt zu, sie sind finanziell potent, wollen fahren." Nach Ansicht der Fahrlehrer bräuchten sie aber zusätzliche Einweisungen in die zahlreichen Assistenzsysteme, die inzwischen mit den Autos angeboten würden. Als Beispiele nannte er Einparkhilfen oder Spurhaltesysteme. Die Senioren bestellten ein solches System, das zum Teil auch schon von vornherein installiert sei, "aber sie können es nicht bedienen, weil sie nicht wissen, wie". Dabei sollten diese Systeme für mehr Sicherheit sorgen.

Dem Fahrlehrerverband Pfalz gehören etwa 400 Fahrschulen und -lehrer an.