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An Ideen mangelt es Martinshöhe nicht

 Was aus Leerständen werden kann, wurde jetzt bei einer Architekturwerkstatt diskutiert. Foto: cos
Was aus Leerständen werden kann, wurde jetzt bei einer Architekturwerkstatt diskutiert. Foto: cos FOTO: cos
Martinshöhe. Die Leerstände vieler dorfbildprägender Gehöfte sind in Martinshöhe nicht zu übersehen. Ortsbürgermeisterin Barbara Schommer (SPD) möchte dies ändern. Dabei gibt es aber auch Hürden zu überwinden. Norbert Schwarz

Viele einst stattliche landwirtschaftliche Gehöfte in Martinshöhe sind verwaist. Diesen Leerständen möchte Ortsbürgermeisterin Barbara Schommer zusammen mit dem Rat den Garaus machen. Doch das ist komplizierter, als sich Viele vorstellen.

Beim Modellprojekt "Kommune der Zukunft" hat Martinshöhe mit Profesor Karl Ziegler von der TU Kaiserslautern einen großen Unterstützer. Bei einer "Architekturwerkstatt" nahmen kürzlich renommierte Architekten Martinshöhe unter die Lupe, zeigten erstaunliche Nutzungsmöglichkeiten auf und machten allen Verantwortlichen weiter Mut, erstrebenswerte Veränderungen in die Wege zu leiten. Das funktioniere aber nicht ohne die Hilfe der Grundstückseigentümer. Deshalb ging der Appell von Schommer in ihrer Begrüßung nochmals klar an die Adresse derer, die letztendlich die Entscheidung darüber treffen, ob es bei den weiterhin oftmals traurigen Anblicken im Dorfbild bleibt oder Martinshöhe sich positiv entwickelt. Schommer: "Wir wollen Anstöße geben, wollen wachrütteln und den Verantwortlichen die Augen aufmachen dafür, welche architektonische Kleinode vielfach verkommen, verfallen und so auf keinen Fall eine Wertsteigerung erfahren." Wie die Bürgermeisterin im Gespräch mit dem Merkur betont, wird die Ortsgemeinde nicht resignieren. Auch wenn nicht immer die Unterstützung von Eigentümern und auch der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau komme. "Als Verbandsbürgermeister Emich noch nicht im Amt gewesen ist, fuhr er mit uns zur Verbandsgemeinde Wallmerod im Westerwald, weil dort die gleichen Probleme vorherrschten und Lösungen gefunden wurden. Dieses Interesse scheint aber jetzt erlahmt zu sein. Dabei hat sicher nicht allein Martinshöhe die Probleme mit Leerständen. Und in unserem Bemühen um ein Leerstandskataster auf Verbandsgemeindeebene sind wir auch nicht weitergekommen. Das bedauere ich sehr."

Dafür waren die Architekten bei der der Ideensammlung geradezu vorbildlich. Etwa Klaus Meckler aus Kaiserslautern. Beim Schaffen des Hotels "Kloster Hornbach" hat er bewiesen, was mit alter Bausubstanz alles machbar ist. In Martinshöhe begutachtete Meckler den Bauernhof "Theis", entdeckte herrliche Dielenböden, Türen und alte, erhaltenswerte, geradezu kunstvolle Holztreppen. Nicht allein für "Liebhaber" sei das Wohnhaus verwendbar. Die Scheune dagegen nur noch für den Abriss, weil der Leerstand bereits Tribut forderte. Die Freiräume seien ohne Zweifel mit moderner Architektur kombinierbar, vom Ausblick ins Tal Richtung Schernau war Meckler geradezu begeistert.



"Bioland-Martinshöhe" war der Arbeitstitel für Architekt Guido Zickgraf, der den alten Brunnen wieder reaktivieren möchte und sich einen Anschauungsgarten vorstellen kann, der auch für Schulklassen Treffpunkt sein könnte. Für Touristen, insbesondere Radler und Wanderer sowieso.

Alexander Blanz, in Contwig groß gewordener Architekt und unlängst für die gelungene Generalsanierung der Hornbacher Schulsporthalle am Werk, kann sich in "Mehrbreiersch Anwesen" unweit der "Kreuzung" in der Dorfmitte ein Fotostudio oder Café vorstellen. An Ideen mangelt es wahrlich nicht.