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Am Rhein in Rivalität verbunden

Lothar Schöne hält sein Buch "Diva und Domsgickel - Wiesbaden und Mainz - Rivalen am Rhein" in den Händen. Foto: Max Blosche/dpa
Lothar Schöne hält sein Buch "Diva und Domsgickel - Wiesbaden und Mainz - Rivalen am Rhein" in den Händen. Foto: Max Blosche/dpa
Wiesbaden. Wiesbaden und Mainz trennt nicht nur der breite Rhein. Zwischen den Landeshauptstädten von Hessen und Rheinland-Pfalz liegen Welten. Die seit Römerzeiten gepflegte Rivalität der ungleichen Nachbarn hat nun der Autor Lothar Schöne unter die Lupe genommen. In seinem Buch "Diva und Domsgickel Von dpa-Mitarbeiter Max Blosche

Wiesbaden. Wiesbaden und Mainz trennt nicht nur der breite Rhein. Zwischen den Landeshauptstädten von Hessen und Rheinland-Pfalz liegen Welten. Die seit Römerzeiten gepflegte Rivalität der ungleichen Nachbarn hat nun der Autor Lothar Schöne unter die Lupe genommen. In seinem Buch "Diva und Domsgickel. Wiesbaden und Mainz - Rivalen am Rhein" spaziert er auf 88 Seiten durch 2000 Jahre doppelte Stadtgeschichte, durch Klischees und alte Vorurteile."Sind denn auch Mainzer da?", fragte die Moderatorin bei der Buchpräsentation am Montagabend vorsichtshalber. Zaghaft reckten sich ein paar Hände im voll besetzten Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine. "Dann wünsche ich einen friedlichen und unterhaltsamen Abend." Der ob des Andrangs erfreute Autor versicherte der Publikumsmehrheit, sie wohnten der "Premiere" bei. Und im nächsten Atemzug - "So, jetzt die Wiesbadener bitte mal kurz weghören", erklärte er den Mainzern: "Dies hier ist nur die Vorpremiere."

Der 1949 in Sachsen geborene Autor von bislang 16 Büchern ist in Frankfurt und Offenbach, also ebenfalls zwei Rivalen, aufgewachsen, lebte lange in Mainz und wohnt nun auf neutralem Boden in Heidenrod im Taunus. Sein neues Werk sieht der promovierte Philosoph als "zwei Bücher in einem". Es ist im "Wendedesign" gestaltet: Ist der Leser mit einer Stadt durch, dreht er es um und fängt von vorne beziehungsweise hinten mit der anderen Stadt an. Bei der ersten Lesung hat die "mitunter reichlich parfümierte Diva" Wiesbaden Heimrecht, die linksrheinische "Alltagsfrau" Mainz muss sich bis zur Zugabe gedulden.

Nach wenigen Minuten steht fest: Das Buch ist nicht geeignet, die Städte zu versöhnen - im Gegenteil. Genüsslich arbeitet der Autor mit historischen Anekdoten und aktuellen Geschichten die Unterschiede heraus: "Die Kulturen der beiden Nachbarstädte liefen von Anfang an auseinander."



Zu Wiesbaden gehöre der einstige Ruf als "Seifenhauptstadt". Dazu passten "Orgien der Unzucht" in prächtigen Badehäusern. In der "Stadt der Glücksritter" mit edlem Kasino verspielte auch der 22-jährige Bismarck sein Vermögen. In jüngster Zeit, so konstatiert der Kenner, sei Wiesbaden noch feiersüchtiger geworden. Auf der anderen Seite werde zwar schon lange "Mainz - Stadt der Lebensfreude" auf jeden offiziellen Briefumschlag gestempelt. Während aber dort "Weck, Worscht und Woi" als Gipfel des Schlemmens gelte, werde in Wiesbaden Champagner, Kaviar und Hummer aufgefahren.

"Schlummern? Nie und nimmer" - den Vorwurf der Beschaulichkeit weisen die Bewohner des einstigen "Wisibada" zurück. Elegant sei ihre Stadt: "Das ist keine dieser ollen Kurstädte, in denen Gichtbrüchige und Rheumageplagte sich von einer Klinik in die andere schleppen und Rollatoren das Stadtbild beherrschen". Beliebte Fortbewegungsmittel seien vielmehr geliehene Ferraris, die man auf der Antiquitätenmeile Taunusstraße zur Schau stellt. In Mainz sei solche Protzerei undenkbar, meint der Autor. Dies hindere den Mainzer aber nicht daran, "an rheinland-pfälzischen Feiertagen in der Kurstadt einzufallen, um Geschäfte zu plündern". Eine weitere Lesung gibt Lothar Schöne am Freitag, 9. Dezember, 19 Uhr, in Mainz, Antiquariat am Ballplatz, Ballplatz 5a.

Lothar Schöne: "Diva und Domsgickel. Wiesbaden und Mainz - Rivalen am Rhein", 88 Seiten, mit zwölf Illustrationen von Andreas Schürmann, erschienen im E. Humbert Verlag, Bodenheim, 12,80 Euro.

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