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Mehr Testzentren und Notbetten
„Das Saarland am Anfang einer historischen Krise“

FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Saarbrücken. Alle 2,2 Tage verdoppelt sich im Saarland die Zahl der Corona-Infizierten. Ende März könnten es rund 9000 sein. Im Saar-Landtag ist man alarmiert. Von Sophia Schülke

„Ganz Europa und damit auch das Saarland befinden sich am Anfang einer historischen Krise.“ Mit diesem aufrüttelnden Satz haben die Koalitionsfraktionen nach der Sitzung des Gesundheitsausschusses am Freitag ihre öffentliche Bekanntmachung begonnen. Wie das Gesundheitsministerium in dem Landtagsausschuss mitteilte, verdoppelt sich die Zahl der Infizierten im Saarland aktuell alle 2,2 Tage. „Es ist eine einfache Modellrechnung“, sagte Magnus Jung (SPD), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, und fuhr fort, „wenn man mit den Statistiken weiterrechnet, gibt es zum Monatsende 8000 oder 9000 Infizierte“. Das mache deutlich, wie schwierig die Lage auch hier werden kann. „Es könnte in zwei, drei Wochen der Fall eintreten, dass die Krankenhäuser voll sind“, schlussfolgerte Jung.

Aus der Sitzung nahm Jung aber auch positive Nachrichten mit. Die Gewaltenteilung funktioniere, die saarländische Gesundheitslandschaft sei gut, man sei um ein Vielfaches besser ausgestattet als Italien. In puncto Ausgangssperre wurde Jung ernster: „Ich bin der Auffassung, dass künftige Einschränkungen notwendig sind.“ Alle, die im Ausschuss gesprochen hätten, „halten sie für notwendig“. Wenig später verkündete die Landesregierung als zweites Bundesland nach Bayern weitreichende Ausgangsbeschränkungen.

Den Umständen entsprechend gute Nachrichten hatte Jung für die Saar-Wirtschaft: Die Instrumentarien an Hilfen seien vielfältig. Spätestens am Mittwoch sollen Anträge auf Unterstützung aus dem Paket in Höhe von 30 Millionen Euro angenommen und schnell ausbezahlt werden. „Das wird in Rekordtempo passieren“, sagte Jung. Ein zweiter Baustein seien Steuerstundungen. Die Maßnahmen stellen eine Überbrückung sicher, bis der dritte Baustein, die Hilfe vom Bund, komme.



Positiv bewertete Astrid Schramm, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, die in die Wege geleitete Aussetzung von Stromsperren: „Nächsten Dienstag berät das Ministerium mit den Energieversorgern.“

Ungekannte Anstrengungen gilt es im Gesundheitssektor zu stemmen. Die Vorbereitungen dafür laufen. „Derzeit verfügt das Saarland über 400 Beatmungsplätze, 1000 sind das Ziel“, berichtete Raphael Schäfer (CDU). Belegt seien derzeit 100 dieser Plätze, 300 also frei. Statt geschlossene Klinikstandorte wie Wadern oder Dillingen wieder zu öffnen, wird auf bestehende Krankenhäuser und Rehakliniken gesetzt. Auch ein Aufnahmestopp für Reha-Kliniken war im Gespräch, um Kapazitäten zu erweitern.

In den Landkreisen sollen je ein bis zwei Testzentren entstehen, nach dem Vorbild des Drive-In-Zentrums auf dem Saarlouiser Fordgelände. Und: „In Absprache mit den Kommunen laufen Vorbereitungen für die Einrichtung von Hallen mit 200 bis 300 Betten als Notlazarette“, berichtete Schäfer. Pro Landkreis sei eine solche Halle denkbar. Engpässe gäbe es bei Schutzanzügen und Atemschutzmasken, viel sei bestellt. Ein Vertrag mit einer saarländischen Firma über wiederverwertbare Masken sei anvisiert. Doch Entwarnung hört sich anders an. „Momentan haben die Krankenhäuser kaum Fälle, das wird aber schlagartig ansteigen“, sagte Schäfer. Soziale Kontakte zu meiden, sei weiter der Schlüssel zur Kontrolle der Pandemie.