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Mit der Natur
Krabbel-Armada setzt Chemie außer Gefecht

 Von wegen, viel Dünger hilft viel: Je magerer der Boden, umso bunter ist die Blumenwiese, die darauf wachsen kann.
Von wegen, viel Dünger hilft viel: Je magerer der Boden, umso bunter ist die Blumenwiese, die darauf wachsen kann. FOTO: Getty Images/iStockphoto / Kerrick
Dass Spritzmittel und Kunstdünger im Öko-Garten nichts zu suchen haben, versteht sich. Aber was sind die Alternativen? Von Kathrin Hofmeister
Kathrin Hofmeister

Gärtnergold“ wird Kompost zu Recht genannt. Reifer Kompost verbessert die Bodenstruktur und reichert den Boden mit Nährstoffen an. Aufwerten lässt sich der Boden auch über Gründüngung. Entsprechende Aussaaten findet man im Handel als Mischung. Doch während Gründünger hauptsächlich Stickstoff liefert, ist Kompost vielschichtiger.

Besteht er aus vielen verschiedenen Pflanzenmaterialien und wird zusätzlich mit Algenkalk, Stein- und Hornmehlen aufgewertet, kann er es mit anderen Düngern aufnehmen. Im nachhaltigen Bio-Garten ist der Kompost ein Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft. Aus Küchen- und Gartenabfällen wird Humus gewonnen, der wieder auf den Beeten landet. Man rechnet, dass jeder normale Gartenboden jährlich zwei bis drei Zentimeter Kompost als Mulchmaterial braucht, um den Verlust an organischer Substanz in der Vegetationsperiode auszugleichen. Auf den Quadratmeter gerechnet, sind das zwei bis drei Liter Kompostgaben im Jahr.

Eine schöne Sache, wenn da nur nicht diese klebrige Masse vor sich hinrotten würde, die dem Nachbarn wohlmöglich stinkt. Damit sich Kompost gut zersetzt und keine Gerüche entstehen, kommt es auf die richtige Mischung an. Als Faustregel gilt: Auf feines, leicht zusammenklebendes Material wie Küchenabfälle und Rasenschnitt, gibt man die doppelte Volumenmenge gröberen Materials. Ideal sind geschredderter Heckenschnitt und mit der Gartenschere kleingeschnittene Zweige und abgestorbene Staudenstängel. Je feiner die Abfälle zerkleinert sind, desto schneller verläuft die Verrottung. Profis geben auf jede neu aufgeschichtete Zwanzig-Zentimeter-Lage, einen Zentimeter Gartenerde oder reifen Kompost und Algenkalk. Das beschleunigt die Rotte. Um Geruchsbildung zu unterbinden und den späteren Humus mit Spurenelementen anzureichern, kann man wie bei Pflanzenjauchen auf jede Grünschicht eine Handvoll Steinmehl streuen. Die Hauptarbeit bei der Verrottung leisten Bakterien und Bodenorganismen wie Regenwürmer. Sie brauchen Luft und Feuchtigkeit. Es darf nicht zu nass sein. Der Kompost darf aber auch nicht austrocknen. Deswegen sucht man für die Kompostierung einen geschützten Platz. Selbst geschlossene Thermokomposter profitieren von einem natürlichen Laubdach unter Bäumen. Das bietet im Sommer kühlenden Schatten. Reicht der Regen im offenen Lattenkomposter oder der freien Kompostmiete nicht aus, wässert man mit dem Schlauch.



Hat man seinen eigenen Kompost zur Hand, ist eine zusätzliche Düngung mit organischen Handelsdüngern nur nötig, wenn der Nährstoffbedarf der Pflanzen nicht gedeckt ist. Untersuchungen zeigen, dass Hausgärten häufig überdüngt sind. Aufschluss gibt eine Bodenanalyse. Vor dem Frühlingsanfang ist eine gute Zeit den eigenen Gartenboden zu testen. Neben den Düngeempfehlungen, gibt der Test Auskunft über den pH-Wert. Ist der Boden zu sauer oder zu alkalisch, nehmen viele Pflanzen die Bodennährstoffe nicht richtig auf. Für gesundes Gemüse ist ein pH-Wert im optimalen Bereich (zwischen 6 und 7) besonders wichtig. Das Gemüse ist weniger belastet mit Schwermetallen. Ist der Boden zu sauer, hebt man den Wert mit kohlensaurem Kalk, Algenkalk oder Basaltmehl an.

Gesteinsmehle lagern verschiedene Nährstoffe ein und stellen sie den Pflanzenwurzeln wie alle organischen Dünger mithilfe des Bodenlebens nach Bedarf zur Verfügung. Bei Kunstdüngern besteht dagegen die Gefahr der Auswaschung. Im ökologischen Garten geht es darum, Pflanzen zu stärken. Gesteinsmehle schaffen das nicht zuletzt durch ihren hohen Gehalt an Kieselsäure. Deshalb setzt man sie auch gerne als biologische Pflanzenschutzmittel ein. Stäubt man das feine Pulver über Rosenlaub, beugt das Sternrußtau und anderen Pilzkrankheiten vor. In Kartoffelbeeten oder auf Buchsumrandungen hält es fressende Insekten ab.

Was man sonst noch ohne Gift gegen Schädlinge tun kann, zeigt ein Blick in eine intakte Natur. Hier halten sich Schädlinge und Nützlinge die Waage. Im Garten fördert man geflügelte und mehrbeinige Helfer durch entsprechende Lebensräume. Ungestörte Ecken für Igel&Co, Brutplätze für Vögel und Blütenwiesen für Insekten heißen die natürliche Pflanzenschutzarmada willkommen. Nützlinge gibt es aber auch ganz gezielt als biologischen Pflanzenschutz zu kaufen: Etwa Florfliegenlarven gegen Blattläuse, Spinnmilben und Thrips oder Schlupfwespen gegen Weiße Fliege.

 Den nimmersatten  Buchsbaumzünsler haben Gartenfreunde aller Länder zum  Feind erklärt.
Den nimmersatten Buchsbaumzünsler haben Gartenfreunde aller Länder zum Feind erklärt. FOTO: Getty Images/iStockphoto / Sander Meertins
 Kompost wertet den Boden auf. Damit dieser dem Nachbarn beim Verrotten aber nicht stinkt, braucht es ein paar Tricks.
Kompost wertet den Boden auf. Damit dieser dem Nachbarn beim Verrotten aber nicht stinkt, braucht es ein paar Tricks. FOTO: Getty Images/iStockphoto / tortoon
 ladybugs
ladybugs FOTO: Getty Images/iStockphoto / Antagain
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ladybugs FOTO: Getty Images/iStockphoto / Antagain
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ladybugs FOTO: Getty Images/iStockphoto / Antagain
 Bei unseren westlichen Nachbarn heißen sie Coccinelle oder Himmelsdéiercher : Läuse vertilgen Marienkäfer aber überall.
Bei unseren westlichen Nachbarn heißen sie Coccinelle oder Himmelsdéiercher : Läuse vertilgen Marienkäfer aber überall. FOTO: Getty Images/iStockphoto / Antagain