| 14:06 Uhr

Knapp 150 Exemplare gedruckt
85 mal  60 Zentimeter Dorfgeschichte

 Die Macher der „Flurkarte Martinshöhe“. Im Bild von links: Traudel Eslaire, Natascha Schäfer, Alex Schleiß, Doris Sehy und Alois Müller.
Die Macher der „Flurkarte Martinshöhe“. Im Bild von links: Traudel Eslaire, Natascha Schäfer, Alex Schleiß, Doris Sehy und Alois Müller. FOTO: Norbert Schwarz
Martinshöhe. Eine Gruppe von Martinshöher Bürgern hat eine Flurkarte des Ortes fertiggestellt. Von Norbert Schwarz

(cos) Dorfgeschichte begreifbar machen wollen die Verantwortlichen des Kultur- und Heimatvereins Martinshöhe mit Natascha Schäfer an der Spitze. Ein erster großer Wurf ist dem Team jetzt gelungen. In Sisyphusarbeit wurde eine Flurkarte mit den Maßen 85 auf 60 Zentimetern erstellt. Farbig, versteht sich, auf dicken Fotopapier.  Mit 144 Gewannennamen, Grundstücken und Wegen. Auch die Ortslage ist dargestellt. Zum Selbstkostenpreis in Höhe von 15 Euro ist das Kunstwerk nunmehr zu haben. 

Mehr als 100 Flurkarten haben die Verantwortlichen drucken lassen. Bei der Auslieferung waren starke Männerarme gefragt. Den Verkauf wird Alois Müller organisieren. Umtriebig wie der passionierte Dorfchronist allemal ist, glaubt dieser, dass die fast 150 Exemplare schnell ihre Abnehmer gefunden haben. „Es steht ja Ostern vor der Tür und Weihnachten kommt auch wieder. Die Karte ist schließlich nicht allein für die Dorfbevölkerung ein Stück Dorfgeschichte, die vielen vom Ort fortgezogene Bürger, die an ihren Heimatort aber immer noch eine feste Bindung haben, werden sich gleichfalls über dieses Kunstwerk freuen“, stellte bei der offiziellen Vorstellung im Dorfgemeinschaftshaus nicht allein Natascha Schäfer fest, bei der als Vereinsvorsitzender für dieses Projekt die Fäden zusammenliefen.

Abgedroschen sei zwar die Feststellung, dass nur der eine Zukunft habe, der die Vergangenheit kenne, doch dieses Wilhelm von Humboldt´sche Zitat habe doch einiges für sich, so die aktiven Martinshöher Geschichtsforscher an diesem Abend, deren Freude über den rundum gelungenen Kartendruck riesig ist. Einfach deshalb, weil viel Kleinarbeit dahinter steckt und im Grunde genommen die Flurkarte ein echtes Werk der Dorfgemeinschaft sei. Alex Schleip etwa berichtet, dass viele Dorfbewohner befragt wurden, aus der Bevölkerung Hinweise kamen, die von dem Bemühungen hörten. „Alois Kaiser hat uns beispielsweise sehr geholfen und mit seinem fundierten Wissen manchen wertvollen Tipp gegeben“, meint Schleip um nur stellvertretend einen Namen zu nennen. 



Die Frage danach, wann die Sache mit diesem Projekt eigentlich begonnen hat, bleibt natürlich nicht aus, doch die kleine Tischrunde kann sich trotz aller Bemühungen nicht auf ein genaues Datum verständigen. Es seien immer wieder Anläufe unternommen worden, dann aber andere Entscheidungen wichtiger gewesen, bis man sich in den beiden zurückliegenden Jahren sehr konzentriert um das Vorhaben kümmerte. „Es ist halt alles doch sehr zeitaufwendig gewesen. Kartenbeschaffung, Recherchen, Überprüfungen“, sagt Doris Sehy, selbst auf einem Bauernhof groß geworden und zusammen mit ihrem Ehegatten Richard und dem Sohn zu jenen sechs hauptberuflichen Landwirten im Ort zählend, für die die 144 Gewannennamen  sozusagen „tägliches Brot“ sind, wenn etwa Silogras vom „Plauel“ oder Frucht auf Höhhölzchen geerntet wird. Links und rechts der Kartenseiten sind die Gewannennamen in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Koordinaten und laufende Nummer sind die passenden Hilfsmittel, um auf der Karte die Lage schnell ausfindig zu machen. Natascha Schäfer klapperte Katasterbehörden und Grundbuchstellen ab, um kartografisches Grundmaterial zu bekommen. Auf einen Kartennachdruck von Tilemann-Stella, dem bedeutendsten Kartographen des 16. Jahrhunderts, ist sie besonders stolz. Ihr Heimatort Martinshöhe ist dort ebenso vermerkt wie die bekannten Nachbarorte. 

Einen ganz wesentlichen Beitrag zum Gelingen leistete die diplomierte Designerin Barbara Hornbach aus Erfenbach bei Kaiserslautern. Vor einem aquarellierten Hintergrund hat sie Flurstücke, Wege, Gewannennamen und Ortslage als Einheit zu einem echten Hingucker gestaltet.