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Corona-Virus an der Grenze
Frankreichs Region Grand Est gilt jetzt als Corona-Risikogebiet

Mülhausen/Cattenom. Die regionale Gesundheitsbehörde in Metz kritisiert die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts. In Frankreich gilt das Elsass, aber nicht Lothringen als stark betroffen. Von Hélène Maillasson

Während das Robert-Koch-Institut die gesamte Region Grand Est zum Risikogebiet erklärt hat, gilt in Frankreich selbst nach wie vor in der Region Grand Est lediglich das Département Haut-Rhin (Elsass) als „Corona-Cluster“. Dort sind die Fälle innerhalb der vergangenen 24 Stunden wieder angestiegen. 67 weitere Personen wurden positiv auf den neuen Virus getestet. Somit steigt die Zahl der Infizierten im Grand Est auf 464. 360 davon sind im Elsass (Département Haut-Rhin und Bas-Rhin) festgestellt worden. Bei einer Pressekonferenz der Präfektur in Metz kritisierte der Leiter der regionalen Gesundheitsbehörde ARS, Christophe Lannelongue, die Entscheidung vom Robert-Koch-Institut (RKI), die ganze Region Grand Est als Risikogebiet zu kennzeichnen. Es gebe dort Départements wie die Haute-Marne, wo bisher nur ein einziger Fall nachgewiesen sei. Die meisten Fälle stammen nach wie vor aus dem Gebiet um Mülhausen, wo sich Dutzende von Menschen bei einer religiösen Großveranstaltung angesteckt hatten. Im Mülhausener Krankenhaus werden zurzeit 84 Corona-Patienten behandelt, zehn von ihnen auf der Intensivstation. Dort wurden auch die Schulen geschlossen, was in den anderen Départements der Region noch nicht geschah. Lediglich eine Grundschulklasse in Woippy in Moselle wurde vorsorglich in Quarantäne geschickt, nachdem die Lehrerin positiv getestet worden war.

Im Département Moselle sind zurzeit 47 Menschen am Corona-Virus erkrankt. Bisher finden dort 48 Tests täglich statt. ARS-Leiter Lannelongue, sagte gegenüber dem Radiosender France Bleu, man werde bis Ende der Woche die Zahl der Tests auf 90 täglich hochfahren und für die Auswertung auch auf Kapazitäten von Privatlabors zurückgreifen.

Auch in größeren lothringischen Unternehmen wurden vereinzelt Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet. So beim Automobil-Hersteller PSA in Tréméry bei Metz, bei Arcelor Mittal in Florange und beim AKW Cattenom. Dort wurde ein Mitarbeiter am Freitag positiv getestet. „Er weist keine schweren Symptome auf und wird zu Hause betreut. Alle 18 Menschen, die bei ihrer Arbeit einen engeren Kontakt zu ihm hatten, wurden vorsorglich für 14 Tage nach Hause geschickt“, sagte eine Sprecherin. 



Angesichts der Lage in Grand Est – und weil dort derzeit aus Kapazitätsgründen nicht alle Verdachtsfälle getestet werden – bat Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gestern die Bundesregierung in einem Brandbrief um Unterstützung. Eine vollständige Testung sei „für das Saarland von besonderer Bedeutung“, heißt es in dem Schreiben an die Bundesminister Horst Seehofer (CSU, Innen), Jens Spahn (CDU, Gesundheit) und Heiko Maas (SPD, Außen). Hans verwies auf die vielen tausend Berufspendler, die täglich über die Grenze kommen. Der Regierungschef bitte deshalb die drei Bundesminister bei ihren französischen Amtskollegen „darauf hinzuwirken, dass Frankreich alles in seiner Macht stehende tut, um die Ausbreitung des COVID-19-Virus möglichst einzudämmen“.