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Bildungswesen
Mehr Lehrer und weniger Schüler in Rheinland-Pfalz

Mainz. Trotz einer besseren Unterrichtsversorgung kann in Rheinland-Pfalz nicht jeder erkrankte Lehrer vertreten werden. Dabei war die Zahl der Pennäler zum Schuljahresbeginn so niedrig wie seit 28 Jahren nicht mehr.

Weniger Schüler und mehr Lehrer: Die Unterrichtsversorgung an den Schulen in Rheinland-Pfalz hat sich laut Bildungsministerium im laufenden Schuljahr verbessert. Damit noch weniger Unterricht ausfalle, werde unter anderem der Vertretungspool im laufenden Schuljahr um 200 auf 1500 Stellen aufgestockt, kündigte Bildungs-Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) gestern in Mainz an.

Die Landesschülervertretung und die Bildungsgewerkschaft VBE, die CDU-Landtagsfraktion und der AfD-Landesvorsitzende Michael Frisch kritisierten aber, es falle mehr Unterricht aus als statistisch ausgewiesen wird. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Anke Beilstein, sagte, laut einer Studie des Regional-Elternbeirats Koblenz fehlten in Rheinland-Pfalz rund 3000 Lehrerstellen, um nur die Ausfälle an Pflichtunterrichtsstunden abzudecken. Frisch kritisierte, Ausfälle, die durch selbstbestimmtes Lernen aufgefangen würden, müssten in die Statistik aufgenommen werden. Denn die sogenannte Stillarbeit werde nicht als Unterrichtsausfall geführt. Doch in der Praxis bereiteten die Lehrer dafür oft keine Materialien vor oder die Stunde falle ganz aus, sagte Lucas Fomsgaard von der Landesschülervertretung.

An den Grundschulen hätten im vergangenen Schuljahr im Durchschnitt 4,75 Prozent der Stunden nicht wie geplant stattgefunden, kritisierte VBE-Sprecher Oliver Pick. „Wir fordern eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent mit einem dicken Plus.“ Die Versorgung beträgt nach Darstellung des Ministeriums im Durchschnitt aller allgemeinbildenden Schulen 99,2 – nach 99,1 Prozent im letzten Schuljahr.



Die Zahl aller Pennäler an allgemeinbildenden Schulen ist im Vergleich zum letzten Schuljahr leicht gesunken – auf 409 200. Laut einer Mitteilung des Statistischen Landesamtes betrug die Zahl Anfang des Schuljahres sogar nur rund 407 000 – der niedrigste Stand seit 28 Jahren.

Mit rechnerisch 18,5 Kindern sind die Grundschulklassen laut Bildungsministerium die kleinsten in ganz Deutschland. In einer Klasse in einer Realschule plus lernen durchschnittlich 22,0 Schüler, in einer IGS-Klassse sind es 26,7 und im Gymnasium 25,4 Schüler. In einer Förderschulkasse sind im Schnitt 9,8 Schüler.

Im ersten Schulhalbjahr wurden 1100 Lehrer eingestellt, darunter auch 68 für berufsbildende Schulen. 316 Grundschullehrer und 66 Förderschullehrer waren unter den Neueinstellungen. Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren sind die Lehrer dem Bildungsministerium zufolge die drittjüngsten in Deutschland.