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Margit Sponheimer ist die Grande Dame der Mainzer Fastnacht
„Meenzer Mädche“ feiert 75. Geburtstag

Margit Sponheimer ist die unangefochtene Grande Dame der Mainzer Fastnacht.
Margit Sponheimer ist die unangefochtene Grande Dame der Mainzer Fastnacht. FOTO: Frank Rumpenhorst / dpa
Mainz. Ihre Ohrwürmer sind Inbegriff der Mainzer Fastnacht. Jedoch war der Anfang von Margit Sponheimers Karriere alles andere als einfach — denn die Fastnacht war lange eine patriarchalische Veranstaltung.

Beinahe hätte es in diesem Jahr für Margit Sponheimer geklappt mit dem Geburtstag am Rosenmontag: Heute wird die Grande Dame der Mainzer Fastnacht 75 Jahre alt. Sie wird sich auch an den vier tollen Tagen in diesem Jahr ins frohe Getümmel werfen. In der Fernseh-Sitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ wird sie am kommenden Freitag einen emotionalen Höhepunkt setzen.

Das Rezept für den großen Erfolg der Sängerin ist wohl die Verbindung von volkstümlichen Ohrwurm-Melodien mit einer Art Mainzer Straßenphilosophie. „Das ist halt was fürs Leben“, sagt Sponheimer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über ihren Lieblingsvers im Lied „Gell du hast mich gelle gern“, ihrem ersten großen Erfolg aus dem Jahr 1967. „Wenn die Welt mir Böses bringt, Gell dann bitt ich dich, Gell du lässt mich nit, Gell du lässt mich nit, Gell du lässt mich nit im Stich!“

Ein Jahr später folgte „Am Rosenmontag bin ich geboren“, das dann aus dem Saal ins Stadion gewandert ins: Beim selbsternannten Karnevalsverein Mainz 05 sitzt die Fastnachtssängerin immer wieder mal auf der Tribüne.



Geboren wurde Sponheimer allerdings in Frankfurt, nicht in Mainz. Erst mit sieben Jahren zog die Familie um, der Vater hatte einen Betrieb für Automessinstrumente. An der Frauenlobschule, damals noch ein reines Mädchengymnasium, nahm sie an Fastnachtssitzungen teil. Ihr erster Entdecker war dort ein Freund ihres Vaters, der sie zur Garde der Prinzessin mitnahm. Allerdings war auch die Fastnacht damals eine ziemlich patriarchalische Veranstaltung: „Eine Frau als Solistin war verpönt.“

Aber es gab ja noch den Musiker Toni Hämmerle: „Er hat sich überlegt, was er da machen kann und schrieb ein Couplet für Ernst (Neger) und mich“, erinnert sich Sponheimer. Ernst Neger trat als Angler auf, sang ein Lied über Backfische im Rhein. „Da saß ich dann zufällig in der ersten Reihe, und er hat mich geangelt.“ Von Hämmerle kamen viele Melodien und Texte für Margit Sponheimer, der nach diesem ersten Fernsehauftritt im ZDF bundesweit die Herzen zuflogen.

„Der Toni war mein großer Lehrmeister, der hat mich geschult, er war streng und hatte den Ehrgeiz, aus mir was zu machen“, erinnert sich das Geburtstagskind. Das musikalische Talent habe sie wohl von ihrer Mutter. Mit fünf Jahren habe sie Akkordeon zu spielen gelernt - „für ein Klavier hat damals das Geld nicht gereicht“. Erst als sie später nach Gesangsauftritten oft heiser war, erhielt sie Gesangsunterricht.

Eigentlich wollte Margit Sponheimer schon 1998 Schluss machen: „Ich sagte mir: Du bist oft genug rauf und runter marschiert.“ Aber dann setzte sie noch eine Karriere als Schauspielerin am Frankfurter Volkstheater drauf. Ein bis zwei Rollen spielte sie dort im Jahr.

Zum Geburtstag an diesem Mittwoch wird groß gefeiert, und Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) hat ein besonderes Geschenk vorbereitet: Der Stadtrat will an diesem Tag beschließen, ihr die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. „Da bin ich bald vom Stuhl gefallen“, sagt Sponheimer. Das „Meenzer Mädche“ wird dann nach der Schriftstellerin Anna Seghers erst die zweite Frau sein, die Ehrenbürgerin von Mainz wird. Die Ehren-Liste reicht bis ins Jahr 1831 zurück.

(dpa)