| 22:50 Uhr

Oberbürgermeister-Wahl in Pirmasens
Zwick gewinnt Pirmasenser Wahlkrimi

Pirmasens hat gewählt: Mit nur rund 300 Stimmen Vorsprung gewann CDU-Kandidat Markus Zwick.
Pirmasens hat gewählt: Mit nur rund 300 Stimmen Vorsprung gewann CDU-Kandidat Markus Zwick. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Pirmasens. Nach 41 von 51 ausgezählten Wahlbezirken hatte Sebastian Tilly (SPD) bei der Pirmasenser Oberbürgermeister-Wahl noch die Nase vorn. Doch dann schlug die Stunde von Markus Zwick (CDU). Von Franz Pioth

Es war ein echter Wahlkrimi gestern Abend im übervollen Ratssaal in Pirmasens. Als dann kurz vor 19 Uhr feststand, dass Bürgermeister Markus Zwick ab Mai neuer Chef im Rathaus wird, kannte der Jubel bei den Christdemokraten keine Grenzen Der 41-Jährige kam mit dem Händeschütteln kaum noch nach. Christian Baldauf, CDU-Fraktionsführer im Mainz Landtag, wünsche seinem Parteifreund telefonisch alles Gute. Ausgegangen war ein fast einstündiges Wechselbad der Gefühle. Im Bezirk Carolinensaal, der bereits kurz nach 18 Uhr das erste Ergebnis meldete, lag Konkurrent Sebastian Tilly mit 55 Prozent klar vorne. Auch im Winzler Viertel und in Gersbach machte der 34-jährige Rechtsanwalt das Rennen. Zu dieser Zeit spekulierte Wolfgang Deny noch mit einer Überraschung. „Die Wechselstimmung war bei unseren Hausbesuchen spürbar“, sagte der SPD-Stadtrat. Er verfolgte einträchtig zusammen mit Peter Habermeyer (CDU) von der ersten Reihe aus die Einspielungen. „In Erlenbrunn haben wir unseren Job gut gemacht“, betonte Habermeyer mit Blick auf die Erfolge Zwicks in den beiden Wahlbezirken des Ortsbezirks.

Als 41 der 51 Bezirke ausgezählt waren, lag der Winzler Sebastian Tilly mit 50,64 Prozent in Front. Doch dann wendete sich das Blatt. Mit den noch fehlenden Briefwahlbezirken machte Bürgermeister Zwick Stimme um Stimme gut. Spätestens da war für die meisten Besucher klar, wer den Krimi gewinnen würde. In den Pirmasenser Briefwahlbezirken sei die SPD traditionell immer schwächer, räumte Tilly ein. Einen Reim darauf, warum das so ist, hatte er aber auch nicht.

Ein lautes „Ohhh“ ging durch die Reihen, als die beiden Ergebnisse aus Fehrbach eingeblendet wurden. Der Ortsbezirk bestätigte mit über 60 Prozent seinen Ruf als „schwarzes Dorf“. Am Ende hatten 51,2 Prozent für Zwick gestimmt, der rund 300 Stimmen vor Tilly lag. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 39,2 Prozent.



Vater Rolf Tilly, mit roten Hosen und rotem Schal, war anzusehen, dass er trotz des verlorenen Foto-Finales mächtig stolz auf seinen Sohn war. Tröstend und zugleich anerkennend legte er ihm im allgemeinen Trubel die Hand auf die linke Schulter. Tilly nahm die Niederlage nach außen hin gelassen. „Das Leben geht weiter“, sagte er. Der SPD-Vordenker Gerhard Hussong sagte nach dem stolzen Ergebnis, der Stadtvorstand sollte sich jetzt mal Gedanken machen, wie es weiter geht. Über eine mögliche große Koalition nach der Kommunalwahl im Mai nächsten Jahres wollte er aber nicht spekulieren.

Im Ratssaal lief parallel auch die Hessen-Wahl. Für den dortigen Urnengang, der die Volksparteien CDU und SPD ins Mark traf, interessierte sich gestern Abend im Ratssaal aber niemand. Ex-Bürgermeister Peter Scheidel freute sich, dass sein politischer Ziehsohn Markus Zwick jetzt Bürgermeister wird. „Das ist die Krönung meiner politischen Laufbahn“, sagte der Fehrbacher.

Beide Kandidaten besuchten gestern alle Wahlbezirke. Zwick in Begleitung von Wahlleiter und Oberbürgermeister Matheis. Rolf Tilly monierte, dadurch habe Zwick einen Vorteil gehabt. Der Wahlleiter habe sich nicht neutral verhalten.

Wie Markus Zwick sagte, sei einer der nächsten Schritte die Vorbereitung der Wahlen für die Stadtspitze. Der Stadtrat muss einen neuen Bürgermeister wählen. Nach Ansicht von Sebastian Tilly greift hier der Passus der Gemeindeordnung, dass spätestens drei Monate nach Ausscheiden des Amtsinhabers der Nachfolger festzustehen hat. In diesem Fall wäre Zeit bis nach den Kommunalwahlen. Außerdem geht der parteilose Beigeordnete Michael Schieler, der fürs Bauen, den Müll und die Finanzen verantwortlich, ist am 18. Mai in den Ruhestand. In diesem Fall muss spätestens drei Monate vorher vom Stadtrat die Nachfolge regelt sein. Hier drängt also die Zeit. Zwick sagte auch, dass die Dezernate neu zugeschnitten werden sollen. Er möchte seine Zuständigkeit für das Jugend- und Sozialamt auch als OB behalten.

Markus Zwick wird künftig die Geschicke von Pirmasens als OB leiten.
Markus Zwick wird künftig die Geschicke von Pirmasens als OB leiten. FOTO: Pirmasenser Zeitung