| 23:42 Uhr

Mainzer Rosenmontagszug
Mainzer Narren tanzen gegen die Kälte an

Der Wagen der Karnevalsgesellschaft „Eule“ bahnt sich seinen Weg durch den Mainzer Konfettiregen.
Der Wagen der Karnevalsgesellschaft „Eule“ bahnt sich seinen Weg durch den Mainzer Konfettiregen. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Mainz. Einen ausgelassenen Höhepunkt der Fastnacht erlebt die kleinste der drei rheinischen Karnevalshochburgen. Polizei und Sanitätsdienste ziehen in Mainz eine zufriedene erste Bilanz — insbesondere gibt es weniger Alkoholprobleme als in den Vorjahren.

Hunderttausende haben beim Rosenmontagszug in Mainz die „pure Lust am Leben“ gefeiert, wie es in einem der Ohrwürmer der Fastnacht heißt. Auch in Koblenz und Trier jubelten viele Zehntausende den närrischen Paraden zu. Die wichtigsten Informationen im Mainzer Konfettiregen:

Zuschauer: Rund 500 000 Menschen standen am Straßenrand – so hat es zumindest Zugmarschall Markus Perabo vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) gezählt, der ganz vorne mit dabei war. Das waren etwas weniger Zuschauer als vor einem Jahr. Grund sei möglicherweise die Wetterprognose gewesen, auch wenn es dann mit wenigen Schneeflocken und etlichen Sonnenstrahlen in der Wolkenwand doch ganz gut gewesen sei. „Das Thema Sicherheit hat dieses Jahr keine Rolle gespielt.“

Teilnehmer: Rund 8800 Gardisten, Musiker, Tänzerinnen und Reiter zogen in 139 Zugnummern 7,2 Kilometer lang durch die Straßen. Den Anfang bildete die Mainzer Ritter Gilde, das Ende die Zugente. Die Veranstalter verkürzten den Zug in diesem Jahr um rund 800 Teilnehmer, auch angesichts des frühen Fastnachtstermins: „Wir wollten, dass alle vor Dunkelheit nach Hause kommen können.“



Tanzen: Schmissige Rhythmen von 2100 Musikern brachten die Menschen am Straßenrand in Stimmung und wärmten bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. „Mer hippe e bissche rum, solang es noch geht“ (Wir hüpfen ein bisschen herum ...), sagte am Zugrand der 67-jährige Karl-Heinz Veith, der mit Frau und Mutter seit 1983 immer am gleichen Platz in der Neustadt steht.

Gäste: Die Mainzer Musikzüge bekamen Verstärkung vor allem aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Aus Donzdorf im Kreis Göppingen reisten die „Noda-Biag‘r“ (Notenbieger) an: „Die meisten von uns sind Noten-Legastheniker, wir spielen nach Gehör“, erklärte Chefbieger Peter Weil den Namen der Musikgruppe, die am Stammtisch entstand.

Motivwagen: Überlebensgroße Karikaturen auf 13 Motivwagen spießten aktuelle Themen der lokalen bis internationalen Politik auf. Ein Wagen stellte Merkel im Deutschland des Jahres 2111 dar: Sie ist noch immer Kanzlerin, aber inzwischen zur Schildkröte mutiert, die vorderen Pfoten in der „Merkel-Raute“ und mit einem in alle Richtungen zustimmend nickenden Kopf. Der Rosenmontagszug war auch ein Schulz-Zug: Der SPD-Chef durfte als „Rohrkrepierer“ mitfahren. Der erste Motivwagen erwies dem Nachbarn Frankreich seine Reverenz: Unter dem Motto „En Marche!“ zeigte Staatspräsident Emmanuel Macron in Napoleon-Manier nach vorn. Ihr Fett bekamen auch US-Präsident Donald Trump und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ab.

Politiker: Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling (beide SPD) schauten sich den Umzug von einer Tribüne am Gutenbergplatz ab. Als Gardistin nahm die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner teil. „Mit der Fastnacht kann man über das Chaos des Alltags lachen“, sagte sie zu Beginn des Umzugs inmitten von Offizieren der Mainzer Ranzengarde, unter ihnen auch der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann. „Seit ich nicht mehr dabei bin, geht in der SPD alles durcheinander“, spottete der von früheren Affären gebeutelte Politiker.

Ochsen: Erstmals seit Jahrzehnten präsentierte die Ranzengarde zwei zentnerschwere Ochsen als Zugtiere ihres Verpflegungswagens. „Unsere Tiere sind festzugerprobt“, erklärte Leonhard Steidl, der zusammen mit seinem Sohn Georg das Gespann vom Starnberger See durch die Menschenscharen am Straßenrand lenkte. Beide Tiere seien schon beim Oktoberfest in München dabei gewesen. „Sie freuen sich immer über Musik.“

Alkohol: Die erste Närrin mit zu viel Alkohol benötigte schon gegen 11.20 Uhr in der Neustadt die Zuwendung von Helfern der Feuerwehr. Aber insgesamt mussten sich Helfer um weniger Menschen mit exzessivem Alkoholkonsum kümmern als in den Vorjahren, wie Mathias Hirsch vom Deutschen Roten Kreuz in einer ersten Bilanz feststellte. Sechs Menschen seien bis zum Nachmittag zur Ausnüchterung in die Uniklinik gebracht worden, „was extrem wenig ist“. Bei der Kontrolle von Jugendlichen wurden nach Polizeiangaben bis zum Nachmittag etwa 60 Liter alkoholische Getränke vernichtet. Auch an den Glaskontrollstellen fischten die Security-Mitarbeiter immer mal wieder Flaschen mit Wein oder Wodka aus den Taschen.

Anlaufstellen: Für Hilfesuchende in Notfällen aller Art waren Anlaufstellen eingerichtet, die mit drei Meter hohen Fahnen in Neonfarben angezeigt wurden. Genutzt wurde das Angebot laut Polizei bis zum Nachmittag nicht. Auch in Trier und Koblenz gab es solche Anlaufstellen zum Rosenmontag.

Zwischenfälle: Bis zur Ankunft der ersten Zugteilnehmer habe es keinen einzigen Zwischenfall gegeben, sagte Perabo. Auch die Polizei beschreibt die Stimmung in den Straßen als „total angenehm“. „Mein Eindruck bisher ist, dass es deutlich ruhiger ist als in den Vorjahren. Wir sind mit dem Einsatzverlauf top zufrieden“, sagte Sprecher Rinaldo Roberto. Nur wenige Menschen fielen durch Pöbeleien auf.

Verletzungen: Die Sanitätsdienste kümmerten sich um rund 120 Menschen. „Es ist noch sehr ruhig“, sagte Sanitätsdienstleiter Hirsch. Sanitäter kümmerten sich um Menschen mit Glasverletzungen, Kreislaufprobleme und Verletzungen nach kleineren Schlägereien.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump auf einem Motivwagen mit dem Motto „Wer hat den Größten?“.
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump auf einem Motivwagen mit dem Motto „Wer hat den Größten?“. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Ein Fastnachtswagen der Mainzer Ranzengarde wird von zwei zuweilen doch ziemlich sturen Ochsen aus Bayern gezogen.
Ein Fastnachtswagen der Mainzer Ranzengarde wird von zwei zuweilen doch ziemlich sturen Ochsen aus Bayern gezogen. FOTO: Andreas Arnold / dpa