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Elf Männer und eine Frau unter Verdacht
LSD-Rekordfund in Rheinland-Pfalz: Internationale Bande im Visier

Der Rekord-Rauschgiftfund liegt ausgebreitet auf einem Tisch im Landeskriminalamt.
Der Rekord-Rauschgiftfund liegt ausgebreitet auf einem Tisch im Landeskriminalamt. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz. Im Norden von Rheinland-Pfalz haben Fahnder Zehntausende Papierchen mit der Droge beschlagnahmt — die deutschlandweit bisher größte sichergestellte Menge.

49 500 LSD-Portionen auf bunten Papierchen haben Fahnder im nördlichen Rheinland-Pfalz sichergestellt – soviel wie noch nie in Deutschland. Neben zahlreichen anderen Drogen, die es mit dem LSD auf ein Gesamtgewicht von 646 Kilogramm brachten, gingen ihnen auch mehrere Verdächtige ins Netz. Das teilte die Staatsanwaltschaft Koblenz gestern mit. Sie arbeitete für den Fall mit dem Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz, der Zollfahndung Frankfurt am Main sowie den internationalen Ermittlern von Europol und der Justizbehörde Eurojust zusammen. Auf die Spur der mutmaßlichen Drogenschmuggler-Bande hatte die Fahnder ein Fund von über 350 Kilogramm Betäubungsmitteln in Schweden gebracht. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. „Wir befinden uns noch mitten in den Ermittlungen“, sagte Rolf Wissen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Koblenz.

Derzeit haben die Fahnder elf Männer und eine Frau im Alter von 33 bis 59 Jahren im Visier, die zu einer internationalen Bande von Drogenschmugglern gehören sollen. Mehrere von ihnen sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Einige von ihnen machten den Ermittlern zufolge sogar schon eine Art Teilgeständnis. Vier der Beschuldigten hätten ihren Wohnsitz im nördlichen Rheinland-Pfalz gehabt, sagte Wissen. Bei zwei Durchsuchungen in Plaidt und Andernach entdeckten die Fahnder im Januar etwa 646 Kilogramm. Geschätzter Marktwert: 9,8 Millionen Euro. Unter den illegale Substanzen waren beispielsweise Haschisch, Amphetaminpaste, Ecstasy sowie die LSD-Papierchen. „Das ist bundesweit die größte Sicherstellung von LSD“, sagte Johannes Kunz, LKA-Präsident.

Der Auslöser für die Ermittlungen der deutschen Fahnder liegt fast ein Jahr zurück. Im Mai 2017 seien schwedischen Zollbeamte in Malmö ein Auto und ein Lkw aufgefallen, berichtete Staatsanwalt Thorsten Kahl. Als die Fahrer die Drogen untereinander austauschten, seien sie erwischt worden. Der Lkw habe neben Chemikalien auch unter anderem Amphetamin und Ecstasy geladen gehabt, sagte Kahl. Sowohl das Auto als auch der Lkw waren Kahl zufolge in Rheinland-Pfalz zugelassen.



Die Ermittlungen führten schließlich zu mehreren Scheinfirmen aus der Speditionsbranche im Norden des Bundeslands. Mit Hilfe dieser sollen Drogen quer durch Europa und teils über Routen durch Afrika transportiert worden sein. Der Erfolg der Fahnder beruht dem LKA-Präsidenten Johannes Kunz zufolge übrigens nicht auf einem Tipp. „Er ist das Ergebnis knochenharter Ermittlungsarbeit.“

Immer wieder werden in Rheinland-Pfalz große Mengen an Drogen sichergestellt. Rund 300 Kilogramm Kokain wurden beispielsweise 2015 im südpfälzischen Wörth am Rhein in einem Seefrachtcontainer entdeckt. Der Fund war eher zufällig: Mitarbeiter eines Logistikunternehmens entdeckten die Drogen, als sie den mit Motorteilen beladenen Container aus Brasilien entluden. Der geschätzte Straßenverkaufswert des Kokains lag bei bis zu 90 Millionen Euro.

In der jüngeren Vergangenheit stießen Zollbeamte im Oktober vergangenen Jahres auf eine große Menge Marihuana in einem Lkw, der aus Spanien kam. Auf einem Rastplatz nahe Trier wurde das Fahrzeug kontrolliert - dabei kamen über 220 Kilogramm Drogen ans Tageslicht. Ende April diesen Jahres klickten die Handschellen bei einem 24-Jährigen aus Worms. Die Polizei fand in seiner Wohnung rund 3000 Ecstasy-Tabletten und zehn Kilogramm Marihuana.

Was passiert mit beschlagnahmten Drogen? Nach spätestens zwei Jahren gehen sie in einer Müllverbrennungsanlage in Rauch auf. Bis es so weit ist, werden die Substanzen klassifiziert, gewogen und in der Asservatenkammer eingelagert. Spezialisten können sie anschließend kriminaltechnisch untersuchen. Wie lange Drogen im Einzelfall aufbewahrt werden, hängt unter anderem davon ab, ob sie in einem laufenden Verfahren als Beweis noch gebraucht werden.