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Plädoyers am Landgericht Zweibrücken
Raub in Landstuhl: Täter soll in die Sicherungsverwahrung

Zweibrücken/Landstuhl. Landgericht Zweibrücken spricht morgen das Urteil. Von Rainer Ulm

Fünfeinhalb Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung hat am Montagabend Staatsanwalt Christian Horras vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken für den 62-jährigen Angeklagten gefordert (wir berichteten kurz). Er hatte zugegeben, im Februar gemeinsam mit drei Komplizen versucht zu haben, das Haus einer amerikanischen Familie in Landstuhl auszurauben. Offenbar im Fokus der Täter: der Standtresor der Familie, in dem sie jede Menge Gold und Geld vermuteten.

 Das Verfahren gegen den 62-Jährigen war von der Hauptverhandlung gegen zwei seiner inzwischen zu viereinhalb beziehungsweise vier Jahren Haft verurteilten Mittäter (ein 52-jähriger Bruder des Angeklagten und ein 33-jähriger Franzose aus Darmstadt) abgetrennt worden, weil dem mehrfach einschlägig Vorbestraften – im Gegensatz zu den anderen – nach Einschätzung des Gerichts wiederum eine lange Haftstrafe droht, diesmal aber mit anschließender Sicherungsverwahrung. Vor allem, weil seine bislang letzte Verurteilung wegen einer ähnlichen Tat noch gar nicht so lange zurückliegt: Am 29. Juni 2016 bekam er eine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten aufgebrummt, weil er und ein Komplize die Volkshochschule in Kaiserslautern überfallen, einen aus der Wand gerissenen Tresor und eine Geldkassette mitgehen gelassen hatten.

An jenem Abend des 10. Februar hatten der 62-Jährige, seine beiden 43- und 52-jährigen Brüder und ein 33-jähriger Franzose aus Darmstadt an der Eingangstür des Wohnhauses der amerikanischen Familie geklingelt, woraufhin der 41-jährige Vater öffnete und das maskierte Quartett hereinstürmte. Während es dem Zivilbeschäftigten der US-Army noch gelang, drei der Angreifer sofort wieder hinauszudrängen, schaffte es der 43-Jährige ins Obergeschoss, wo sich die Ehefrau und die drei Kinder aufhielten. Der Familienvater folgte ihm mit einem Messer, das er zuvor aus der Küche geholt hatte. Im Obergeschoss angekommen, stach er dem Mann aus Notwehr in den Rücken, als der 43-Jährige gerade die Ehefrau würgte, so der Ermittlungsstand. Daraufhin ließ der Angreifer von ihr ab. Der 43-Jährige, der jüngste Bruder des 62-jährigen Angeklagten, erlag später während der Flucht auf einem Bürgersteig in Krickenbach, wo ihn seine drei Komplitzen abgelegt hatten, seinen Stichverletzungen.



Gutachter Dr. Sergiy Davydenko, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Mainzer Universitätsklinik, attestierte dem 62-Jährigen, der „sein halbes Leben in Gefängnissen verbracht“ habe, am Montag eine „antisoziale Persönlichkeitsstörung“, ein „stark reduziertes Schuldbewusstsein“, einen „Mangel an Gewissensbissen“ und eine „gewisse Konstanz bei Straftaten und Inhaftierungen“, was durchaus eine Sicherungsverwahrung des 62-Jährigen rechtfertige.

 Das Urteil wird am morgigen 19. Dezember, 15 Uhr, verkündet.