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Gefährliche Körperverletzung
Urteil im Hüftschuss-Prozess: Drei Jahre, neun Monate Haft

 Justizia (Symbolbild) urteilte, es handele sich nicht wie von der Staatsanwaltschaft befunden um versuchten Totschlag, sondern nur gefährliche Körperverletzung.
Justizia (Symbolbild) urteilte, es handele sich nicht wie von der Staatsanwaltschaft befunden um versuchten Totschlag, sondern nur gefährliche Körperverletzung. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Zweibrücken/Kleinbundenbach. Die Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken sieht den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt. Von Rainer Ulm

Im Prozess um den Hüftschuss von Kleinbundenbach ist am Dienstag im Landgericht Zweibrücken das Urteil gesprochen worden. Die Erste Strafkammer verurteilte den 59-jährigen passionierten Jäger wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug. Damit blieb sie deutlich unter dem Antrag von Oberstaatsanwältin Kristine Goldbach, die in ihrem Plädoyer eine fünfeinhalbjährige Haftstrafe gefordert hatte. Die Anklägerin hatte dem Angeklagten auch versuchten Totschlag vorgeworfen. Der Verteidiger des 59-Jährigen, der Saarbrücker Rechtsanwalt Marius Müller, hatte für seinen Mandanten eine zweijährige Bewährungsstrafe beantragt – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Auch die Kammer ging in ihrem Urteil nun nicht mehr von versuchtem Totschlag aus. Zwar stehe der Sachverhalt nach Überzeugung des Gerichts fest, jedoch sei der 59-Jährige, nachdem er in der Kleinbundenbacher Friedhofstraße ein Mal auf seinen vermeintlichen Kontrahenten geschossen habe, „vom Tötungsversuch freiwillig zurückgetreten“, begründete die Vorsitzenden Richterin Susanne Thomas die Entscheidung. „Er hätte noch Zeit und vier Kugeln in der Pistole gehabt, um weiter zu schießen“, sagte sie. Das habe er aber nicht getan, sondern vom Tötungsversuch abgelassen und später selbst über ein Handy die Polizei gerufen. Der 59-Jährige habe Angst vor seinem 31-jährigen Mieter gehabt, dem er erst die Wohnung gekündigt und nun mit einer Räumungsklage gedroht hatte, befand die Richterin. Der junge Pole sei „groß, durchtrainiert, laut und aufbrausend“ gewesen, habe oft provoziert, aber den 59-Jährigen „nie tätlich angegriffen“. Gleichwohl habe sich der 59-Jährige bedroht und verfolgt gefühlt, sogar Überwachungskameras in seinem Haus, in dem er gemeinsam mit dem jungen Mann und dessen Ehefrau lebte, installiert. Schließlich habe er sich an jenem Sommerabend des 14. Juli 2019 nach dem Besuch eines Dorffestes „bewaffnet“. Als der 31-Jährige dann wutentbrannt über die Straße auf ihn zustürmte, weil er annahm, dass sein Vermieter beim Nachbarn von gegenüber gerade schlecht über ihn redete, zückte er seine Pistole, die er für einen solchen Fall vorsorglich im Hosenbund mitführte, und schoss. Das Projektil durchschlug dabei das linke Handgelenk des 31-Jährigen und blieb in dessen Becken stecken – ein Schuss aus der Hüfte in die Hüfte.

Zugunsten des Angeklagten wertete Richterin Thomas, dass der 59-Jährige zum Tatzeitpunkt alkoholbedingt „enthemmt“ gehandelt habe und bislang nicht straffällig geworden sei. Andererseits sei der Geschädigte nun „ein gebrochener Mann, psychisch am Ende“ und gesundheitlich angeschlagen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.