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Altkanzler wäre am Dienstag 88 Jahre alt geworden
Kohl wird in Mainz mit einem Platz geehrt – ohne seine Witwe

Das Schild „Helmut-Kohl-Platz“ wurde unter Anwesenheit zahlreicher Medienvertreter enthüllt. Kohl wäre gestern 88 Jahre alt geworden.
Das Schild „Helmut-Kohl-Platz“ wurde unter Anwesenheit zahlreicher Medienvertreter enthüllt. Kohl wäre gestern 88 Jahre alt geworden. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Mainz. In Mainz hat die Karriere des „Kanzlers der Einheit“ einst begonnen. Jetzt trägt dort ein Platz seinen Namen.

(dpa) Eine weitere Stadt in Deutschland ehrt Helmut Kohl mit der Umbenennung eines Platzes. In Mainz weihten CDU-Vizechefin Julia Klöckner und Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) gestern den „Helmut-Kohl-Platz“ nahe dem Schloss ein – gegenüber von Landtag und Staatskanzlei, wo Kohl in Rheinland-Pfalz politisch wirkte. Es war praktisch ein Geburtstagsgeschenk: Der „Kanzler der Einheit“ und frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident wäre am Dienstag 88 Jahre alt geworden. Seine Witwe Maike Kohl-Richter fehlte zur Einweihung, obwohl sie ursprünglich zugesagt hatte. Kohl-Richter hatte den Termin nach Angaben der Stadt Mainz aus privaten Gründen kurzfristig absagen müssen. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagte: „Dafür gibt es auch zu respektierende Gründe.“ Er nannte keine Details. Helmut Kohls Witwe hatte am vergangenen Donnerstag abgesagt, das war am Dienstag erst öffentlich geworden. Kohl war im Juni vergangenen Jahres gestorben.

Idar-Oberstein war im November 2017 die erste Stadt in Rheinland-Pfalz, die sich entschied, einen Platz nach Kohl zu benennen. In Burg bei Magdeburg wird es auch einen solchen Platz geben – ein Bürgerentscheid dagegen scheiterte. In Speyer soll die Rheinpromenade „Helmut-Kohl-Ufer“ heißen. In Frankenthal scheiterte die Benennung eines Platzes, in Ludwigshafen die einer Allee. Eine „Helmut-Kohl-Straße“ hat Dessau-Roßlau – das löste Proteste aus.

Klöckner nannte Kohl einen Motor Europas. „Helmut Kohl hat Mut gehabt und er hat nie verleugnet, wo seine Wurzeln liegen“, sagte die CDU-Landeschefin, die seit März Bundeslandwirtschaftsministerin ist. „Helmut Kohl war der größte Rheinland-Pfälzer, den unser Land hervorgebracht hat.“ Er begann seine politische Karriere in Rheinland-Pfalz und war von 1963 bis 1969 CDU-Fraktionschef im Landtag und von 1969 bis 1976 Ministerpräsident.



Der Oberbürgermeister sagte, Kohl habe sich immer mit Mainz verbunden gefühlt. „Hier – politisch betrachtet – hat es sozusagen auch für ihn begonnen“, sagte Ebling. Die Widmung eines Platzes für Kohl sei auch ein Bekenntnis der Stadt zu Europa. Für den Helmut-Kohl-Platz wurde der Ernst-Ludwig-Platz verkleinert, der an das Schloss-Areal grenzt.

(dpa)