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Kinonacht an der Burg
Wenige Zuschauer beim Kino-Open-Air

Die tragikomische Geschichte von Amandus Rosenbach, im Film „Honig im Kopf“ gespielt von Dieter Hallervorden, mochte beim Sommernachtskino auf der Kirkeler Burg in Sachen Zuspruch nicht wirklich zünden, gerade mal 80 zahlende Gäste fanden sich zum Open-Air-Filmgucken ein.
Die tragikomische Geschichte von Amandus Rosenbach, im Film „Honig im Kopf“ gespielt von Dieter Hallervorden, mochte beim Sommernachtskino auf der Kirkeler Burg in Sachen Zuspruch nicht wirklich zünden, gerade mal 80 zahlende Gäste fanden sich zum Open-Air-Filmgucken ein. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Die Kinonacht an der Kirkeler Burg konnte angesichts von rund 80 Gästen nicht überzeugen. Ob es am zu guten Wetter lag, am Fußball-WM-Spiel um Platz drei — oder war der gezeigte Film „Honig im Kopf“ etwas zu anspruchsvoll? Von Thorsten Hengst

War es die Auswahl des Films? War es das vielleicht  zu gute „Schwenker-Wetter“? Oder hatte gar das Spiel um den dritten Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft seinen negativen Einfluss? In jedem Fall: Mehr als 80 zahlende Gäste waren es am Samstagabend nicht, die sich das „Sommernachtskino“ auf der Kirkeler Burg gönnten.

Nun wird man sich da bei der Gemeinde als Veranstalter wohl überlegen müssen, wie es mit der Veranstaltung, die alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Burg-Open-Air den Schlusspunkt im Sommerprogramm auf der Kirkeler Burg setzt, weitergehen wird. Grundsätzlich ist man bei solchen Events natürlich vor allem auf das Wetter angewiesen. Da passte das Ambiente am Fuß des Burgturms inmitten des Burggrabens für die Gäste eigentlich perfekt. Da gab‘s also am Samstag eigentlich nichts zu klagen – außer dass es vielleicht, wie beschrieben, ein wenig zu gut war und die potenziellen Gäste nicht aus dem eigenen Garten zu locken waren.

Wahrscheinlicher als Grund für den eher mauen Zuspruch dürfte dann wohl sein, dass die Auswahl des Films nicht die Strahlkraft mitbrachte, die man sich erhofft hatte. Dabei mochte man zumindest auf dem Papier davon ausgehen, dass Til Schweigers Produktion „Honig im Kopf“ mit Dieter Hallervorden in der Rolle des demenzkranken Amandus Rosenbach schon für Interesse sorgen könnte.



Denn: Der Film aus dem Jahr 2014 hatte damals für Furore gesorgt und viele Würdigungen erfahren. So verlieh die deutsche Film- und Medienbewertung das Prädikat „Wertvoll“ und beurteilte den Film als „charmantes Familienkino mit viel Gefühl, einer bezaubernden Hauptdarstellerin und vielen berührenden Momenten“.

Doch 2014 ist eben schon eine ganze Weile her. Wer sich für dieses Thema interessiert, auch vor dem Hintergrund persönlicher Betroffenheit, der wird in sich „Honig im Kopf“ in den zurückliegenden Jahren wohl schon mal angeschaut haben. Und wer nicht, den wird das Thema wohl eher weniger interessieren – das zumindest taugt durchaus als Begründung für den eher übersichtlichen Zuspruch am Samstagabend.

Doch in ein Klagelied wollte Alexandra Stauden vom Amt für Kultur, Sport und Tourismus der Gemeinde Kirkel als Veranstalter nicht verfallen. „In Sachen Besucherzahl hätten wir uns mehr erhofft, hatten aber weniger befürchtet. Deswegen sind wir so weit zufrieden.“

Gefragt, warum man nicht auf einen echten Popcorn-Blockbuster gesetzt und sich stattdessen mit „Honig im Kopf“ für schwere Kost im leichten Gewand entschieden habe, gestand Stauden ein, dass dieser Film nicht ihre persönliche Wahl gewesen sei. „Wir hatten die Entscheidung mit einer Abstimmung innerhalb der Verwaltung getroffen. Am Ende hat da haushoch ‚Honig im Kopf‘ gewonnen.“

Eben von der abstimmenden Verwaltung fand man am Samstag allerdings eher wenige Gäste. Muss man dann einen anderen Weg wählen? Vielleicht den Homburger Weg? Dort können die Zuschauer im Vorfeld der „Homburger Filmnächte“ aus einer ganzen Reihe von Vorschläge darüber abstimmen, was sie am Freitag und Samstag, 10. und 11. August, sehen wollen. Zur Auswahl stehen in der Kreis- und Universitätsstadt unter anderem Oscar-prämierte Filme wie „Shape of water“, der Star-Wars-Streifen „Die letzten Jedi“ oder auch der aktuelle Jennifer-Lawrence-Film „Red Sparrow“. Alexandra Stauden: „Wir werden uns überlegen, ob wir das beim nächsten ‚Sommernachtskino‘ auch so machen und die Zuschauer entscheiden lassen.“

Nun kann man hin und her diskutieren, was man hätte vielleicht besser machen können. Am Ende hatten die, die sich für einen lauen Sommerabend auf der Kirkeler Burg entschieden hatten, mit Sicherheit eine gute Zeit. Und dafür sorgten auch die Aktiven vom Förderkreis der Kirkeler Burg, die mit kühlen Getränken, heißen Rostwürsten und natürlich auch mit Popcorn dafür verantwortlich zeichneten, dass die Zeit auf der Kirkeler Burg wie immer alles andere als vertan war – gutes Kino geht eben auch durch den Magen und die Kehle.