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Tag des Hörens
Gutes Hören hält das Gehirn jung

 Allzuviel Lärm tut dem Gehör nicht gut. Auf dem Bau oder in der Disco sollte man immer einen Lärmschutz dabei haben, sonst läuft man Gefahr, dass das Gehör irreparabel geschädigt wird.
Allzuviel Lärm tut dem Gehör nicht gut. Auf dem Bau oder in der Disco sollte man immer einen Lärmschutz dabei haben, sonst läuft man Gefahr, dass das Gehör irreparabel geschädigt wird. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Homburg. Am 3. März findet anlässlich des Welttags des Hörens eine Führung durch die barocke Gemäldegalerie in Schwarzenacker statt. Von Christine Maack

Ohne ein gutes Gehör hätte die Gattung Mensch nicht überlebt. Vermutlich konnten unsere Vorfahren in der Steinzeit schon am Knacken eines Zweiges oder am Rascheln im Unterholz erkennen, ob sich ein Wollnashorn näherte oder ob der Höhlenbär Ausgang hatte. In beiden Fällen war Vorsicht und Rückzug angesagt. Trampelte hingegen deutlich hörbar eine Herde Wildschweine heran, lockte fette Jagdbeute.

Kein Wunder, dass das menschliche Gehör, auch wenn es nicht dem des Wolfes entspricht, über eine große Bandbreite verfügt, die - sofern man nicht pfleglich damit umgeht - auch Einbußen erleiden kann. Davon handelt der Tag des Hörens am kommenden Sonntag, 3. März. „Der Tag des Hörens ist wichtig, weil damit einmal im Jahr daran erinnert wird, wie sehr wir auf dieses sensorische System angewiesen sind und wie sorgfältig wir es bewahren sollten,“ betont Gentiana Wenzel, Professorin an der Universitäts-Augenklinik in Homburg.

Was ist schädlich? „Alles, was zu laut ist. Je lauter, desto mehr verliert der Hörgang an Sensibilität. Man muss sich bei lauten Arbeiten ebenso schützen wie in der Disco bei zu lauter Musik.“ Sie plädiere nicht dafür, „im stillen Kämmerlein zu sitzen“, aber „man muss ein Gespür dafür haben, ab wann man die Ohren schützen muss“. Komme man mit einem Taubheitsgefühl aus der Disco, dann sei es dort „entschieden zu laut“ gewesen.



Doch beim guten Hören gehe es um mehr, betont die Expertin: „Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass gutes Hören dazu beiträgt, die Funktionen des Gehirns zu erhalten. Wer bis ins hohe Alter gut hören kann, wirkt damit dem Abbau der Gehirnzellen entgegen und beugt Altersdemenz vor.“ Dies bedeute, dass ältere Menschen beim Nachlassen der Hörfunktion sofort Hilfe in Anspruch nehmen sollten, „ein Hörgerät ist heute fast unsichtbar und beeinträchtigt in keiner Weise das Erscheinungsbild.“

Gentiana Wenzel ist auch im „Netzwerk Hören“ des Saarlandes aktiv, das seit 2015 eine Pioniertat des saarländischen Tourismusbüros unterstützt. Denn mit einem Pilotprojekt entwickelt das Saarland seit vier Jahren ein optimal abgestimmtes medizinisches und touristisches Angebot für Menschen mit Höreinschränkungen. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Behandlung von Cochlea Implantat- und Tinnitus-Patienten, die am Uniklinikum in Homburg stattfindet.

Damit sich Gäste mit Höreinschränkungen im Saarland wohlfühlen, wurde auch das touristische Angebot verstärkt weiterentwickelt, zum Beispiel wurden Museen mit FM-Anlagen ausgerüstet. Das sind Funkanlagen, die Nutzer verwenden können, deren Hörgerät eine aktivierte T-Spule (Induktionsspule) enthält.

Am 3. März findet anlässlich des Welttags des Hörens eine Führung durch die barocke Gemäldegalerie im Edelhaus in Schwarzenacker statt, das ebenfalls eine solche Anlage besitzt. Zielgruppe sind in erster Linie Menschen mit gesundheitlich und altersbedingter Hörminderung, aber auch deren Freunde und Begleitpersonen. Beginn der Veranstaltung bei freiem Eintritt ist um 15 Uhr. „An diesem Wochenende öffnet das Römermuseum seine Pforten und lädt zu einem nicht ganz alltäglichen Spaziergang durch die Zeit ein. In Kooperation mit dem Netzwerk Hören der Tourismus Zentrale Saarland und dank der von der Saarpfalztouristik angeschafften FM-Anlage ziehen wir unsere Besucher im Rahmen einer kostenlosen Führung nicht nur in den Bann unserer Barock-Gemälde, sondern offerieren ihnen auch Kulturgenuss und Hörkomfort,“ betont Klaus Kell, Kulturamtsleiter in Homburg.

Übrigens: Schon zur Römerzeit soll der Medicus Archigenes seinem prominenten Patienten, Kaiser Hadrian, die Verwendung von klingenden Röhren zur Unterstützung seines beeinträchtigten Hörvermögens anempfohlen haben.