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Von Recken und grazilen Feuerfeen

Zur Feuershow des Abendspektakels auf der Kirkeler Burg zählte auch der Auftritt von Shabanna Atesh. Foto: Thorsten Wolf
Zur Feuershow des Abendspektakels auf der Kirkeler Burg zählte auch der Auftritt von Shabanna Atesh. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Kein lästiges Gedränge und eine außergewöhnliche Nähe zu den Schaustellern: Die Gäste, die zum Abendspektakel an der Kirkeler Burg gekommen waren, konnten richtig genießen. Selten war hier so viel Charme zu spüren. Thorsten Wolf

Ohne Zweifel: "Ritter Ferdinand von Westphalen" ist ein echter Rockstar. Allerdings einer, der statt Mikrofon und E-Gitarre eher auf Langschwert und Morgenstern setzt. Doch was er am Samstagabend mit seinem Gegner am Fuß des großen Turms der Kirkeler Burg veranstaltet, ist bühnenreif. Und Ferdinand weiß, wie er mit seinen Fans umspringen muss. Ein Schlag für den Gegner, eine Pose für seine Anhänger, Jubel. Die Gleichung geht immer wieder auf, auch wenn der mächtige Recke selbst schwere Schläge einstecken muss. Doch dem Lager des Ferdinand, gespeist von Gästen des Abendspektakels, ist das egal. Ferdinand wird gewinnen, Ferdinand muss gewinnen. Die Älteren brüllen unüberhörbar den Namen ihres Helden über den Platz, während der seinen Gegner durch die Arena scheucht. Bei den Jüngeren und ganz Jungen wird aus "Ferdinand" dann schon mal "Fenidand" oder irgendwas, was sich auf "Elefant" reimt - aber egal, angefeuert ist angefeuert. Der Ritter aus Westphalen zahlt es seinen Fans mit gekonnten Showeinlagen zurück und seinem Widersacher mit heftigem Prügel heim.

Unter den beeindruckten Zuschauern findet sich auch Sarah Guthor vom Kulturamt der Gemeinde Kirkel . Sie ist die "Herrin" des Abendspektakels, hat Ritter, Feuershow, Tribal-Dance, Märchenerzählerin Ilona Lang, Kinder-Ritterturnier und mittelalterliche Musik zum dritten Mal seit der Wiederbelebung der Sommerveranstaltung auf die Burg gebracht. Was Sarah Guthor in Sachen Programm sieht, lässt sie wohl verschmerzen, dass sie eines nicht sieht: So viel Publikum wie in den vergangenen Jahren. Die 2015er Ausgabe des Abendspektakels gleicht eher einem feinen, kleinen Clubkonzert als einem großen Festival. "Das ist heute eine sehr publikumsnahe und intime Veranstaltung", rechnet Guthor in Worten so zusammen, wie es ein Veranstaltungsprofi tut. Und tatsächlich: Auch in diesem eher "luftigen Gewand" entwickelt das Abendspektakel seinen Charme: Niemand muss sich drängeln, um einen Blick aufs bunte Geschehen zu bekommen. Noch mehr: Alle Akteure haben Lust und Zeit, das Publikum immer wieder mit ins Spektakel mit einzubeziehen. So die beiden Musiker der "Spielleute von Eulental". Die müssen mit dem Manko aufspielen, nur die halbe Besetzung zu Verfügung zu haben. Ein Problem? Nur für eine kleine Zeit. Kurzerhand übernehmen drei sichtlich junge Trommler und Trommlerinnen samt mittelalterlichem Profi-Schlagwerk aus dem Kreis der Gäste die Aufgabe, gekonnt den Liedern der Spielleute ordentlich Takt einzuhauchen. Das hat Feuer!

Und was wäre eben das Abendspektakel ohne Feuer? Als sich die Sonne langsam in Richtung Feierabend aufmacht, gehört der Platz vor der Bühne den Flammen: Tom Bronder, seine Tochter Ronja, Jung-Feuermeister Marco und zwei Tänzerinnen der Gruppe Shabanna Atesh verwandeln die Nacht in einen Flammenzauber. Tom Bronder sorgt dabei für den eher robusten Teil, Marke "Drachenfeuer". Bronder speit, die Flammen schießen buchstäblich aus seinem Mund. Ronja und Marco hingegen geben dem Feuer Rhythmus und malen ihre Feuerzeichen in die Nachtschwärze. Und Shabanna Atesh: Sie verbinden "schöne Menschen" mit "schönem Tanz" und "schönen Flammen".

Sauber bilanziert fasst Sarah Guthor das Engagement aller so zusammen: "Die geben wirklich alles." Und genau das tat auch der Förderkreis der Kirkeler Burg mit seinem Versorgungskommando um den ersten Vorsitzenden Peter Steffen. Immerhin macht Hunger und Durst, was ein echtes Spektakel sein will.