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Produktion für den Weltmarkt
In Kirkel bekommen Autos künftig Köpfchen

 Matthias Schöllmann, Markus Barth (beide Paragon), Norbert Pfleger (Geschäftsführer Paragon Semvox) und Paragon-CEO Klaus Dieter Frers (v.l.) stellen einige der in Limbach entwickelten digitalen Helfer vor.
Matthias Schöllmann, Markus Barth (beide Paragon), Norbert Pfleger (Geschäftsführer Paragon Semvox) und Paragon-CEO Klaus Dieter Frers (v.l.) stellen einige der in Limbach entwickelten digitalen Helfer vor. FOTO: Oliver Dietze
Kirkel. Semvox Paragon baut Assistenzsysteme auf Basis Künstlicher Intelligenz. Am Freitag wurde die neue Zentrale in Limbach eingeweiht. Von David Seel

Gut ein Jahr hat es gedauert, jetzt ist die Übernahme des saarländischen Software-Entwicklers Semvox durch den Hardware-Bauer Paragon mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Nachdem Paragon im September vergangenen Jahres die Mehrheit von Semvox erworben hat, wurde am Freitag die neue Zentrale der neuen Paragon Semvox GmbH im Kirkeler Ortsteil Limbach eingeweiht. Dort wird künftig nicht nur Software entwickelt, auch komplette Systeme für computergestützte Autos werden in Limbach produziert.

Für das Unternehmen, das seit über 20 Jahren im Markt für Mensch-Maschine-Schnittstellen in Fahrzeugen aktiv ist, sei der Partner Semvox ein „Glücksfall“, sagt der Vorsitzende der Paragon-Geschäftsführung, Klaus Dieter Frers. Paragon fertigt unter anderem Systeme für Anzeige­instrumente, Soundsysteme, Bedienelemente und Sprachassistenten vor allem im Automobilbereich. „Mit Semvox haben wir als Hardware-Hersteller jetzt zum ersten Mal einen Software-Entwickler direkt an Bord“, sagt Frers. Bei Semvox war die Situation genau umgekehrt: „Vorher war Hardware unsere Grenze“, erklärt Semvox-Paragon-Geschäftsführer Norbert Pfleger.

Semvox wurde vor über zehn Jahren aus dem Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken heraus gegründet. Das Unternehmen entwickelt in erster Linie Programme auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) für sprachgesteuerte Systeme, die beispielsweise in Autos zum Einsatz kommen und dort den Fahrer auf vielfältige Weise unterstützen sollen. Unter anderem programmiert das Unternehmen intelligente Sprachsteuerungen für Fahrzeuge der Volkswagen-Gruppe.



Im neuen Firmensitz sollen jetzt die Kompetenzen beider Unternehmen gebündelt werden. Dazu verschmelzen vier Standorte: Die Paragon-Werke in Bexbach und Nürnberg sowie Teile des Standorts in Neu-Ulm und der Semvox-Sitz in Saarbrücken gehen in dem neuen Zentrum auf. „Wir wollen alles, was mit Autos zu tun hat, unter einem Dach vereinen“, erläutert Klaus Dieter Frers.

Die Produkte von Paragon Semvox werden bereits in aktuellen Autos verbaut. „Wir reden hier nicht von Dingen, die irgendwann in ferner Zukunft passieren werden“, sagt Frers. Im Laufe der kommenden fünf Jahre werde die Software des Unternehmens in mindestens 15,3 Millionen Neufahrzeugen integriert sein.

Die Systeme des Unternehmens bieten laut Frers zahlreiche Vorteile gegenüber der Konkurrenz: „Andere Sprachassistenten sind eher Befehlsempfänger, unser System kann selbstständig aktiv werden“, erklärt er. So könnten beispielsweise – ebenfalls in Eigenregie produzierte – Sensoren feststellen, wenn der Fahrer bei geöffnetem Schiebedach in ein Gebiet mit schlechter Luftqualität einfährt. „Das Auto empfiehlt dann entweder eine Alternativroute oder schlägt vor, das Schiebedach zu schließen“, sagt Frers. Das sei nur eine der zahlreichen Fähigkeiten der intelligenten Helfer, die küntig auch in autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommen sollen.

Nicht zufällig sei die Wahl auf den Standort Limbach gefallen, sagt Frers. „Wir sind hier von Kaiserslautern und von Saarbrücken aus gut zu erreichen.“ Der Informatik-Fokus der hiesigen Hochschulen erleichtere die Nachwuchssuche enorm, erklärt der Vorstandschef. „Vonseiten der deutschen Politik werden immer die großen amerikanischen Firmen genannt, wenn es um KI geht. Dabei sitzt mit dem DFKI das wichtigste europäische Zentrum für diese Technologien in Saarbrücken.“

Aktuell sind 104 Mitarbeiter der über tausendköpfigen Paragon-Belegschaft in Limbach beschäftigt. Rund 80 davon stammen aus der ehemaligen Semvox GmbH, der Rest aus den Paragon-Standorten in Nürnberg und Bexbach. Laut Frers soll es dabei nicht bleiben, der Standort werde kontinuierlich wachsen. „Ich würde die 104 Mitarbeiter eher als Zwischenstand sehen“, sagt er. Momentan würden nicht nur Informatiker und Ingenieure, sondern auch Produktionskräfte gesucht.