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Fahrradnetz Kirkel
Kirkel setzt sich für Fahrradfahrer ein

 Mit dem Drahtesel zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Erledigungen: Der Alltagsradverkehr in Kirkel soll gefördert werden, dazu hat der Gemeinderat am Donnerstag einstimmig konkrete Maßnahmen gebilligt.
Mit dem Drahtesel zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Erledigungen: Der Alltagsradverkehr in Kirkel soll gefördert werden, dazu hat der Gemeinderat am Donnerstag einstimmig konkrete Maßnahmen gebilligt. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Für Radfahrer soll es in Kirkel bessere Bedingungen geben. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Von Thorsten Wolf

Eine „fahrradfreundliche“ Gemeinde soll Kirkel in der Zukunft werden. Das hat der Gemeinderat am Donnerstagabend auf Initiative der SPD einstimmig beschlossen. Mit dem Vorstoß, so der SPD-Fraktionssprecher Esra Limbacher in seiner Antragsbegründung, solle vor allem auch der Alltagsradverkehr in Altstadt, Limbach und Kirkel-Neuhäusel gestärkt werden. „Hier hat die Landesregierung eine neue Rahmenstrategie zur Förderung des Radverkehrs vorgestellt. Hintergrund ist, dass verschiedene Studien festgestellt haben, dass das Saarland beim Alltagsradverkehr Schlusslicht ist.“

Mit dem Antrag nun wolle man dem Rechnung tragen, man wolle etwas ändern und mit der Gemeinde Kirkel Vorreiter werden im Alltagsradverkehr. Limbacher: „Das wird nicht einfach. Aber gerade deswegen wollen wir damit anfangen.“ Konkret soll die Gemeinde, wie schon zuvor andere Kommunen im Saarland, an der Kampagne „Stadtradeln“ teilnehmen, „wir wollen Fördermittel für die Einrichtung von E-Bike-Ladestationen beantragen, und wir wollen, damit dieses Thema nicht versandet, innerhalb der Verwaltung einen Verantwortlichen benannt wissen“, so Limbacher erläuternd.

Was in der nachfolgenden Diskussion klar wurde: Gegen die Initiative der SPD war niemand, doch gab es einige Ergänzungen – und die Erkenntnis, dass gerade beim Thema Radwege noch einiges an Arbeit vor der Gemeinde liegt.



Zuerst bezog der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Josef Regneri zum Antrag Stellung. Aus seiner Sicht sei es eben vor allem ein funktionierendes Radwegenetz, das die Menschen dazu animiere, aufs Fahrrad umzusteigen. „Das geht in der Gemeinde hier aber kaum, weil sich die Radfahrer und Fußgänger hier einen Bürgersteig teilen“, sagte Regneri mit Blick auf die kombinierten Fuß-Rad-Wege in Kirkel. Da könne man gegenwärtig nur froh sein, dass dort nicht mehr Fußgänger und Radfahrer unterwegs seien, „denn da würde viel mehr passieren“. So sei die Situation für Radfahrer in der Gemeinde derzeit nicht optimal. Deswegen müsse eigentlich, wie Regneri erklärte, der Ausbau der Radwege an den Anfang der konkreten Pläne des SPD-Antrags gestellt werden. „Alles andere kommt dann von selbst.“ Dem Antrag werde man seitens der CDU zustimmen – Regneri war sich aber sicher, dass dieser Antrag nichts bewegen werden, wenn bei den Radwegen nichts geschehe: „Da kann man ‚stadtradeln‘ so viel man will.“

Thomas Grotkamp von den Grünen schlug erfolgreich vor, den SPD-Antrag um die Absicht zu ergänzen, die Bedingungen für das Fahrradfahren in Kirkel verbessern zu wollen.An dieser Stelle verdeutlichte Kirkels Bürgermeister Frank John (SPD) dass es gerade bei der Schaffung von neuen Radwegen gelte, in Abstimmung mit den zuständigen Stellen „dicke Bretter“ zu bohren. Und: Manchmal sei man auch Opfer politischer Entwicklungen auf Landesebene oder werde schlicht nicht gehört. „Wir haben im Jahr 2011, das war noch die Zeit der Jamaika-Regierung, in der Sitzung im Dezember‚ zig Fahrradwege beschlossen, weil es damals eine Initiative gab. 14 Tage später gab es die Jamaika-Regierung aber nicht mehr.“ Seitdem lägen die Pläne in Saarbrücken. „Wir werden da oft auch vom Land gebremst.“ Dafür stehe auch, dass man nach einem entsprechenden Beschluss des Gemeinderates seit nunmehr fast zehn Jahren darauf warte, dass ein Teilstück des Radwegs zwischen Limbach und Kirkel-Neuhäusel endlich geteert werde. Als weiteres Beispiel für die Schwierigkeit, Radwege in Absprache mit anderen Institutionen zu verwirklichen, nannte John die Straßenbrücke zwischen Altstadt und Kleinottweiler. Als diese Brücke vor einigen Jahren neu gebaut wurde, habe man darauf gedrungen, dass zumindest einseitig ein Weg für Radfahrer ausgewiesen werde. John: „Das ist nicht passiert.“ Man werde aber weiter in Saarbrücken vorstellig werden, „damit wir auch die Genehmigungen bekommen, Radwege zu bauen. Deswegen muss man die Leute dort beim Wort nehmen, damit auch Taten folgen.“

Dem entgegnete Esra Limbacher, dass man diese Ansprüche beim Land einfordern müssen, „sonst passiert erst recht nichts“.

Mit seinem einstimmigen „Ja“ hat der Gemeinderat nun einen ersten Schritt hin zu einem Gesamtkonzept für ein fahrradfreundliches Kirkel geschaffen.