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Blick in die Vergangenheit
Die familiären Wurzeln erforschen

 Mit diesen beiden Werken, da ist sich Dominik Hochlenert als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Kirkel sicher, kann man der eigenen Geschichte auf die Spur kommen.
Mit diesen beiden Werken, da ist sich Dominik Hochlenert als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Kirkel sicher, kann man der eigenen Geschichte auf die Spur kommen. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. In Kirkel wurde jetzt das neue Ortsfamilienbuch der Gemeinde als Nachschlagewerk für Familiengeschichte vorgestellt. Von Thorsten Wolf

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Es war der deutsche Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt, der diesen Satz prägte. Nun hatte Humboldt bei diesem Satz mit Sicherheit viel Staatstragendes im Sinn. Und so mag es vielleicht ein bisschen vermessen sein, ein solches Zitat an den Beginn eines Artikels über zwei Publikationen zu stellen, die sich unter dem Titel „Ortsfamilienbuch der Gemeinde Kirkel“ als Chronik eben der Familien in Kirkel-Neuhäusel (mit Abstäberhof und Eschweilerhof) und Limbach (mit Bayerischer Kohlhof und Bliesbergerhof) verstehen. Doch was macht einen Staat am Ende aus? Natürlich die Menschen. Und wenn die ihre familiären Wurzeln kennen, dann ist das auch eine Art von Verankerung.

Verantwortlich für die beiden Bücher zeichnet der Arbeitskreis Genealogie im Heimat- und Verkehrsverein Kirkel. Mit-Initiator des Langzeitprojektes, immerhin 14 Jahre arbeiteten die Macher an den beiden Werken, war der inzwischen verstorbene Harald Reviol, vielen in der Gemeinde als einer bekannt, der sich in ganz unterschiedlicher Weise für seine Heimat interessierte und engagierte. Und eben an Reviol erinnerte Dominik Hochlenert, der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins, als wir ihn am Freitag zum Gespräch treffen. „Ich kann mich noch gut erinnern. Es war eine meiner ersten Vorstandssitzungen, als Harald Reviol zusammen mit anderen die Idee hatte, so ein Familienbuch herauszubringen.“ Von dieser Idee an habe sich dass Projekt dann zu einem echten Marathon-Lauf entwickelt. „Tausende Personenstandsurkunden musste erfasst werden, teilweise in schwierigen Schriften verfasst, teilweise auch in Handschrift. Das musste richtig analysiert werden.“ Alleine das habe schon fast vier Jahre gedauert. Basis für die Bücher sei dabei im Wesentlichen das Archiv der Gemeinde gewesen, erzählt Hochlenert. Die Herausforderung: Der weite Rückgriff in die Vergangenheit reicht in Zeiten, in denen es das heutige Kirkel mit seinen drei Ortsteilen noch gar nicht gab.

Entstanden sind in den zurückliegenden 14 Jahren besagte zwei Bücher, ein drittes für Altstadt sei gegenwärtig in Arbeit, so Hochlenert. Die nun verfügbaren Ortsfamilienbücher listen die Familiennamen der Männer alphabetisch auf, unverheiratete Frauen oder Frauen mit unbekanntem Partner finden sich sich dort dem Alphabet entsprechend einsortiert. Die kurzen Datenblöcke geben Auskunft über den ersten, in einer Personenstandsurkunde nachgewiesenen Mann eines Familienbaumes, seiner Ehepartnerin und möglicher Kinder. Auch die Berufe werden, soweit bekannt, genannt. Die Grenze für die Veröffentlichung von Daten bildet die gegenwärtige Datenschutz-Gesetzgebung – das schließt einen Abdruck von Informationen der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit aus.



Die begründenen Urkunden - und das macht schon klar, welcher Arbeitsaufwand hinter den beiden Büchern steckt - reichen mitunter bis ins Jahr 1798 zurück. Entstanden ist für die Ur-Limbacher und Ur-Kirkeler ein Nachschlagewerk, das mit Sicherheit die eine oder andere Überraschung in Sachen eigener Familien-Geschichte bereit hält. Und wer nun als „Unbeteiligter“ durch die Buchseiten wandert, der kann sich zumindest über die viele alten und inzwischen verschwundenen Berufsbezeichnungen der Vergangenheit sein Gedanken machen. So steht „Tagner“ für Tagelöhner, der Begriff „Ackerer“ für den heutigen Bauern. Der „Markscheider Gehilfe“ war einer, der dem „Markscheider“, einem Vermessungsfachmann im Bergbau, zur Seite stand. Einige solcher heute aus dem Sprachgebrauch verschwundenen Berufsbezeichnungen sind in den Büchern zu finden. Und die beiden Werke geben, quergelesen, auch einen Einblick in die Arbeitswelt lange vergangener Jahre – als unsere Heimat noch vom Bergbau geprägt war.

Was Hochlenert nicht unerwähnt lässt, ist der Dank an diejenigen, die diese Mammut-Aufgabe in den zurückliegenden Jahren geleistet haben: So hätten sich neben Harald Reviol, der zwischenzeitlich auch verstorbenen Doris Zimmer, Andrea Pfeifer und Klaus Korst vor allem die beiden Autorinnen Renate Hilpert für den Band Kirkel-Neuhäusel und Doris Leibrock für den Limbacher Band im Projekt verdient gemacht.

Was nun noch ausstehe, sei ein entsprechendes Buch für Altstadt. Hier sei Erhard Denne derzeit mit Hochdruck damit befasst, diese „Lücke“ bei den Ortsfamolienbüchern der Gemeinde Kirkel zu schließen.