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Feuerwehrfest
Offene Ohren für die Wünsche Sterbender

Am Samstag gab‘s für das Team des ASB-Wünschewagens mit Philipp Weiskircher, Guido Jost und Christina Kessler (hinten, v. l.) prominente Unterstützung: Die Firma Holunder zeigte vor ihrem Auftritt beim Feuerwehrfest Flagge für das Projekt, mit dem letzte Wünsche von Sterbenden erfüllt werden.
Am Samstag gab‘s für das Team des ASB-Wünschewagens mit Philipp Weiskircher, Guido Jost und Christina Kessler (hinten, v. l.) prominente Unterstützung: Die Firma Holunder zeigte vor ihrem Auftritt beim Feuerwehrfest Flagge für das Projekt, mit dem letzte Wünsche von Sterbenden erfüllt werden. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Um Sterbenden ihre letzten Wünsche zu erfüllen, gibt es beim ASB den „Wünschewagen“. Beim Kirkeler Wehrfest wurde er vorgestellt.

Normalerweise dreht sich bei einem Feuerwehrfest vieles um die großen roten Autos, mit denen die Einsatzkräfte ihren Dienst versehen. Beim Feuerwehrfest des Löschbezirks Kirkel-Neuhäusel am vergangenen Wochenende verhielt es sich zumindest am Samstagabend aber dann doch ein klein wenig anders. Denn da tauchte ein Fahrzeug auf dem Festgelände an der Eisenbahnstraße auf, das viele wohl noch nie gesehen hatten: Der „Wünschwagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Saarland.

Ein Wünschewagen? Bei diesem Projekt handelt es sich um etwas ganz besonderes, denn mit diesem Fahrzeug, einem Krankentransportwagen mit besonderem Innenausbau, erfüllt der ASB seit Anfang diesen Jahres letzte Wünsche von Sterbenden. Insgesamt acht Mal war das Fahrzeug schon unterwegs, brachte Patienten zu Angehörigen nach Berlin, ins Disneyland nach Paris und auch zu einem Heimspiel von Bayern München, und sorgte so für ganz besondere Momente – eben für die Erfüllung eines letzten Wunsches. Am Samstagabend stellten Guido Jost, der Landesvorsitzende des ASB Saarland, Christina Kessler - Mitarbeiterin des ASB und als Chefin der „Tante Milli“ in Kirkel immer wieder auch „zuständig“ für die besonderen Momente im Ort – und Philipp Weiskircher vom ASB das Projekt vor. Die drei nutzen so die Chance, beim auch in diesem Jahr wieder bestens besuchten Feuerwehrfest-Samstag möglichst viele Menschen mit der Idee des Wünschewagens zu erreichen. Für Thorsten Klaus, den Löschbezirksführer von Kirkel-Neuhäusel, eine sinnvolle Sache: „Christina Kessler hat mich angesprochen, weil man beim ASB eine Möglichkeit gesucht hat, den ‚Wünschewagen‘ bekannter zu machen. Und da unser Feuerwehrfest ja schon eine große Außenwirkung hat, haben wir hier die Möglichkeit, dem ASB eine schöne Plattform zu geben.“

Diese nutzten Jost, Kessler und Weiskircher, immer wieder standen sie Gästen des Feuerwehrfestes Rede und Antwort zum „Wünschewagen“. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterten die drei dann auch, wie das Konzept funktioniert und gaben auch noch ein paar Infos zum Hintergrund. „Für denjenigen, dessen letzter Wunsch erfüllt wird, und eine Begleitperson, kostet das Ganze überhaupt nichts“, so Jost, finanziert werde das Ganze über Spenden. Zusätzlich seien die „Wunscherfüller“, in Personalunion Fahrer und medizinisch ausgebildete und eigens für diese besondere Aufgabe geschulte Begleiter, allesamt ehrenamtlich tätig.



„Selbst die Mitarbeiter des ASB, die hier aktiv sind, müssen sich Urlaub nehmen, es fallen also keine zusätzlichen Personalkosten an.“ Die Sachkosten, derzeit gehe man pro Jahr von 80 000 bis 100 000 Euro aus, trage man eben über Spenden. Hier habe die Globus-Stiftung mit einem Zuwendung von 100 000 Euro für das Projekt die nötige, finanzielle Starthilfe gegeben. Beim Wünschwagen selbst handele es sich, wie Jost erläuterte, um einen „krachneuen“ Krankentransportwagen mit entsprechender Ausstattung, bei dem allerdings durch einen besonderen Innenausbau alle medizinischen Geräte in Schränken verstaut seien.

„Es gibt Panorama-Scheiben rundherum, durch die man raus, aber nicht reinsehen kann. Es gibt einen Sternenhimmel an der Decke, zwei Stühle für Begleitpersonen.“ Auch eine Musikanlage gehöre zur Ausstattung. Dass Christina Kessler im Orgateam mit dabei ist, das hat etwas mit der großen Benefiz-Aktion zu tun, die sie im Jahr 2014 für den schwer verunglückten Benedikt Schneider ins Leben gerufen hatte (wir berichteten mehrfach). Mit dieser Erfahrung und dem persönlichen Kontakt zu Guido Jost sei für sie klar gewesen, sich beim „Wünschewagen“ zu engagieren.

„Für mich hat sich, seit dem Unfall von Benedikt, etwas in meiner Wahrnehmung geändert. Und als ich von diesem Projekt gehört habe, das war mir klar: Das ist es echt wert, das ist eine Herzenssache. Bei der kann ich mithelfen, zwar nicht als Wunscherfüller, aber bei den Spendenakquise oder bei anderen Events.“ Was am Samstag mit Sicherheit am meisten verdeutlichte, was der Wünschwagen für Betroffene bedeutet, das waren die Worte von Philipp Weiskircher aus dem ASB-Team. „In diesem Moment, wenn wir einen letzten Wunsch erfüllen, dann stirbt in diesem Wagen keiner. Das ist eine Party für die Patienten, es wird gesungen, es werden Witze erzählt. Und wenn die Menschen nach der Fahrt wieder nach Hause kommen, dann sagen sie: „Jetzt wurde mein letzter Wunsch erfüllt, jetzt kann ich auch sterben.“

Damit, dessen war sich Weiskircher sicher, würden viele die Angst eben vor dem Sterben ein bisschen verlieren. Info Alle Informationen zum „Wünschewagen“ des ASB Saarland gibt es auf der Internetseite „https://wuenschewagen.de/standorte/saarland“. Dort finden sich grundsätzliche Angaben zum Projekt, es gibt entsprechende Kontaktdaten. Auch werden dort einzelne letzte Wünsche und ihre Geschichte erzählt.

(thw)