| 18:19 Uhr

Hexennacht
Im Hause Werner gibt es leckere Crêpes

 Reinhard Werner und Nicole Fuhrmann aus Limbach versorgten für den guten Zweck in der Hexennacht  die Nachbarschaft und Gäste von weiter her mit Crêpes und Cremant.
Reinhard Werner und Nicole Fuhrmann aus Limbach versorgten für den guten Zweck in der Hexennacht  die Nachbarschaft und Gäste von weiter her mit Crêpes und Cremant. FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Aus einem Streich in der Hexennacht hat der frühere Limbacher Schulleiter eine erfolgreiche Idee entwickelt. Von Thorsten Wolf

Einen guten Scherz und einen guten Streich machen aus, dass sie Charme und Intelligenz haben, dass sie nichts und niemanden so richtig in Mitleidenschaft ziehen und dass sie im besten Fall auch noch ein bisschen nachhaltig sind. So gesehen wurde Reinhard Werner, der frühere Schulleiter der Limbacher Grundschule, im Jahr 2016 „Opfer“ eines wirklich gelungenen Hexennachtstreichs.

„Im Jahr 2016 hat mir in der Hexennacht einer meiner damaligen Schüler ein Plakat an meine Haustür geklebt. Da stand drauf: ,Crêpes für einen Euro, hier klingeln’.“ Nun hatte Reinhard Werner als Leiter einer bilingualen Grundschule mit Sprachaussrichtung Französisch schon einiges an Erfahrung im Crêpes-Backen – aber an Hexennacht die klassischen französischen Teigwaren unters Nachbarschaftsvolk zu bringen, danach stand ihm natürlich erstmal nicht der Sinn. Doch fand er den Scherz, eben weil mit Witz und Verstand, so genial, dass er den Schülern seiner Schule damals versprach: „Im nächsten Jahr werde ich in der Hexennacht Crêpes machen.“ Gesagt getan, seit 2017 steht Werner zusammen mit seiner Lebensgefährtin Nicole Fuhrmann in der Hexennacht vor der eigenen Haustür in Limbach und verkauft Crêpes und Cremant an die Nachbarschaft und darüber hinaus. „Das hat sich inzwischen rumgesprochen.“ Im vergangenen Jahr hatte er den Erlös der temporären „Hexennacht-Crêperie“ zugunsten des Schulvereins gespendet, „das waren immerhin 65 Euro“. In diesem Jahr, wie Werner am Dienstagabend erklärte, werde der Reingewinn an den neuen Bürgerbus-Verein in Kirkel gehen.

Es galt also, ordentlich Crêpes unter die Leute zu bringen. Und schon um kurz nach 18 Uhr war vor dem Haus von Reinhard Werner und Nicole Fuhrmann einiges los. Die ersten Gäste aus der Nachbarschaft, klein und groß, kamen mit ordentlich Appetit im Gepäck. Und wer nun nicht so genau wusste, wo er denn hin musste, um sich für die Hexennacht elegant zu stärken, der konnte einfach der Spur derer folgen, die sich schon mit der leckeren, französischen Süßspeiße, einer bretonischen Form des Eierkuchens, versorgt hatten. Je später es wurde, desto länger wurde auch zeitweise die Schlange vor Werner und Fuhrmann.



„Jetzt haben wir das, was wir wollten“, sagte der frühere Schulleiter lachend: „Stress!“ Ein Crêpe nach dem anderen wanderte von der Crêperie im Flur des Hauses in Richtung kleinem Tisch vor der Eingangstür. Dort gab Nicole Fuhrmann dem Ganzen den letzten, süßen Schliff – und servierte auf Wunsch auch gleich noch ein Gläschen Cremant dazu, eben eine echt französische Hexennacht in Limbach. Und die kam gut an. „Oh, wie das duftet“, entfuhr es so manchem spontan, während er oder sie entspannt in der Reihe wartete, bis der eigene Crêpe über die improvisierte Theke ging. Unter den Gästen von Nicole Fuhrmann und Reinhard Werner fanden sich auch viele ehrenamtlich Aktive des Bürgerbus-Vereins. Serviert bekamen alle ganz klassische Crêpes, ganz ohne unnötige Spielereien.

Für die, die ein bisschen verweilen wollten, lockte zudem auch noch eine kleine Sitzecke, andere aus der Nachbarschaft kamen gleich mehrfach, um Crêpe für Crêpe mit nach Hause zu nehmen – in der Hexennacht blieb rund um Werners und Fuhrmanns Haus wohl so manche Küche kalt. Was den Abend im französischen Gewand jenseits von Süßspeiße und Prickel-Wasser auszeichnete, das war die gemütliche und kommunikative Atmosphäre, eben Nachbarschaft im besten Sinne für die Straße und eine offene Stimmung für die, die zum ersten Mal in den Crêpe-Genuss kamen. Am „Tag danach“ konnte Reinhard Werner dann im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Verkaufssteigerungen vermelden, die manches Dax-notierte Unternehmen wohl erblassen lassen würde. „Wir haben 200 Crêpes verkauft. Damit gehen 250 Euro an den Bürgerbus-Verein.“

Die magische Zahl „3“ haben Reinhard Werner und Nicole Fuhrmann nun in diesem Jahr ja geknackt, damit hat sich das Engagement der beiden das saarländische Prädikat „traditionell“ gesichert. Und: Angesichts eines so exponentiell steigenden Wachstums werden sich die beiden dann wohl bei der nächsten Auflage ein bisschen üppiger mit Zutaten für Crêpes ausstatten müssen – es ist kaum zu erwarten, dass die Crêpes-hungrigen Gäste die beiden jetzt noch aus ihrer „süßen Pflicht“ entlassen werden.